25.10.2013 –

100 Jahre Jaspers` „Allgemeine Psychopathologie“: Internationale Tagung

„Im Prisma der Wissenschaft. Hundert Jahre Allgemeine Psychopathologie“ – so lautet der Titel einer wissenschaftlichen Tagung, die vom 7. bis 9. November in Oldenburg und Bremen stattfindet. Die Veranstalter – die Universität Oldenburg in Kooperation mit der Karl Jaspers-Gesellschaft und dem Klinikum Bremen Ost mit der angeschlossenen KulturAmbulanz – erwarten internationale ReferentInnen aus der Psychologie, der Medizin und der Philosophie sowie über 100 TeilnehmerInnen.

Vor 100 Jahren erschien die erste Auflage der „Allgemeinen Psychopathologie“ von Karl Jaspers (1883-1969). Der „Leitfaden für Studierende, Ärzte und Psychologen“ avancierte rasch zum Klassiker und erlaubt bis heute, die Vielfalt der psychopathologischen Betrachtungsweisen unter methodischen Gesichtspunkten zu ordnen und kritisch zu vergleichen. Jaspers-ExpertInnen und PsychiaterInnen aus dem deutschsprachigen Raum unterziehen Jaspers` Psychopathologie einer kritischen Revision. Dabei gehen sie Fragen nach wie: Was hat das Buch aus der Perspektive der biologischen Psychiatrie heute noch zu sagen? Welche Bedeutung hat es für die aktuelle Sozialpsychiatrie? Wie kann man es aus verhaltenstherapeutischer Sicht beurteilen? Welche Einsichten kann Jaspers mit seinem kantischen Menschenbild der Freiheit für philosophische Fragen in der Psychiatrie bieten?

Die Auftaktveranstaltung findet am Donnerstag, 7. November, 19.00 Uhr, im Oldenburger Schloss statt. Den Eröffnungsvortrag „Karl Jaspers, die Allgemeine Pathologie und die Psychiatrie zur Zeit des Nationalsozialismus“ hält Prof. Dr. Volker Roelcke, Hochschullehrer für Geschichte der Medizin an der Universität Gießen. Roelcke ist seit 2009 Vorsitzender der Kommission zur Aufarbeitung der Geschichte der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN). In seinem Vortrag geht er auf die Psychiatrie zur NS-Zeit ein und prüft die Relevanz von Jaspers´ Versuchen, nach 1945 die ärztlichen Verbrechen aufzuklären.

Mit dem Vortrag „Jaspers und die Anthropologische Psychiatrie“ von Prof. Dr. Thomas Fuchs, Karl Jaspers-Professor für philosophische Grundlagen der Psychiatrie an der Universität Heidelberg, beginnt der zweite Tagungstag am Freitag, 8. November, 9.15 Uhr, am Klinikum Bremen Ost, Haus im Park (Züricher Straße 40, 28325 Bremen). Dann stehen die klinischen Aspekte von Jaspers` Psychopathologie im Mittelpunkt. Eine Lesung aus Jaspers` psychiatrischen Korrespondenzen mit der Schauspielerin Irene Kleinschmidt und musikalischer Untermalung durch das Nomos-Quartett Hannover um 18.30 Uhr runden die Veranstaltung ab.

In der Aula des Alten Gymnasiums Oldenburg (Theaterwall 11, 26122 Oldenburg) – Jaspers` ehemaliges Gymnasium – findet am Samstag, 9. November, die Abschlussveranstaltung der Tagung statt. Prof. Dr. Dietrich von Engelhardt, Hochschullehrer für Wissenschaft und Theorie, hält um 9.30 Uhr den Vortrag „Karl Jaspers als interdisziplinärer Denker zwischen Wissenschaft, Philosophie und Kunst“. An diesem Tag beschäftigen sich die ExpertInnen vor allem mit philosophisch-kulturellen Fragen, die für Karl Jaspers und seine „Allgemeinen Psychopathologie“ von Bedeutung sind.

Die Tagung wird von den Landesärztekammern Bremen und Niedersachsen als Fortbildung anerkannt und richtet sich nicht nur an Fachleute sondern auch an philosophisch und kulturell Interessierte.
Eine Anmeldung ist unter E-Mail: susanne.spilker(Klammeraffe)klinikum-bremen-ost.de möglich. Die Teilnahme an den Veranstaltungen in Oldenburg ist kostenfrei. Die Teilnahmegebühren für die Veranstaltung (inklusive Konzert) in Bremen betragen 50 Euro, Studierende, Mitglieder der Karl Jaspers-Gesellschaft und der GLEO zahlen 25 Euro.


 

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Kontakt

Prof. Dr. Matthias Bormuth
Institut für Philosophie
Tel: 0441-798/2299
matthias.bormuth(at)uni-oldenburg.de