16.03.2012 – Forschung

Zwischen Regelbruch und Routine

  • Aus Ideen Einzelner werden strategisch wichtige Projekte: Das ist in Großkonzernen nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Foto: istockphoto

  • Was sind Erfolgskriterien für Innovationen? Die Frage hat sich die Sozialwissenschaftlerin Prof. Dr. Jannika Mattes gestellt.

Wie verlaufen Innovationsprozesse in Unternehmen? Die erfolgreichsten Produkte entstehen durch spontane Initiativen Einzelner – und weniger in einem strategisch angelegten Prozess. Auszug aus einem Forschungsbeitrag von Prof. Dr. Jannika Mattes. 

Patienten bekommen seit jeher dieses lebensnotwendige Medikament in Spritzen verabreicht. Alle Versuche, eine Tablettenform zu entwickeln, sind gescheitert. Herr Schmidt, Angestellter eines großen deutschen Pharmakonzerns, will sich damit einfach nicht zufrieden geben. Er wälzt Fachlektüre, fährt zu der einen oder anderen Konferenz. Dabei entsteht die Idee, eine völlig andere Wirkstoffkombination zu entwickeln. Sein Chef ist einverstanden, dass er ein paar Stunden seiner Arbeitszeit in diese Idee steckt. Es ist die Geburtsstunde eines Medikaments, in dessen Entwicklung mehrere Milliarden fließen werden. Für das Unternehmen wird es zu einem „Blockbuster“.

Dass aus Ideen Einzelner strategisch wichtige Projekte werden, ist in Großkonzernen nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Gerade Innovationsprozesse verlaufen zunächst weder gradlinig noch sind sie strategisch durchgeplant. Um bei dem Beispiel zu bleiben: Die Konzernzentrale und die Chefetage haben erst ein knappes Jahr später von dem Vorhaben erfahren. Erst dann wurde aus der Idee von Herrn Schmidt ein offizielles Projekt.

Ähnlich sieht es in einem deutschen Transportunternehmen aus, das durch eine handfeste Ingenieurskultur geprägt ist. Die Ideenskizze für das Projekt, das der Konzern heute als strategisch wichtige Erfindung vermarktet, lag jahrelang in der Schublade eines Mitarbeiters. Nirgends fand er offene Ohren für seine Idee. Jahre später trifft er bei einer internen Konferenz den Mitarbeiter eines anderen Standorts. Dieser hat eine Idee, die gut zu seiner passt. Sie beschließen, ihre Erfindungen zu kombinieren und gemeinsam für die Umsetzung zu kämpfen. Aus leidvoller Erfahrung wissen beide, wie schwierig es sein wird, daraus ein offizielles Projekt zu machen. Daher starten sie zunächst im Stillen: Einer simuliert das Gesamtvorhaben zu Hause am eigenen Computer. Sie kommunizieren per E-Mail und überlegen sich, wen sie mit einbeziehen müssen, um die Durchsetzungschancen zu erhöhen. Bevor das Projekt offiziell beantragt wird, haben etliche Personen bereits jahrelang daran gearbeitet.

Beide Beispiele zeigen, dass Innovationen nicht als strategisch angelegte Projekte in den Vorstandsetagen entstehen. Vielmehr ist gerade bei der Initiierung von Entwicklungsvorhaben das Engagement Einzelner entscheidend. Einen solchen Gedanken hat schon der Innovationstheoretiker Joseph Schumpeter Anfang des 20. Jahrhunderts formuliert: Erfolgreiche Innovationen sind in seinen Augen Einzelpersonenprojekte, und ihr Erfolg hängt in erster Linie davon ab, wie der „Entrepreneur“ seine Erfindung vermarktet. Eine Idee gut zu verkaufen – in Schumpeters Augen auf dem freien Markt, in modernen Unternehmen aber auch intern gegenüber den geldgebenden Stellen – wird damit zum zentralen Erfolgskriterium für Innovation.

Wie aber werden aus solchen Einzelpersonenprojekten dann große Entwicklungen, an denen eine Vielzahl an Beteiligten mitwirkt?

Lesen Sie die Antwort der Oldenburger Sozialwissenschaftlerin Prof. Dr. Jannika Mattes ungekürzt - im Forschungsmagazin EINBLICKE.

 


 

Mehr zum Thema

Der vollständige Beitrag im Forschungsmagazin EINBLICKE.

Juniorprofessur für die Soziologie Europäischer Gesellschaften 

Kontakt

Prof. Dr. Jannika Mattes
Institut für Sozialwissenschaften
jannika.mattes(at)uni-oldenburg.de