13.02.2012 – Forschung

Progagandaformel, die Schubkräfte freisetzte

Wie inszenierten die Nazis die „Volksgemeinschaft“ und wie wurde sie von den „Volksgenossen“ wahrgenommen und erfahren? Historiker untersuchen auf einer Tagung den  Begriff der Volksgemeinschaft - das zentrale Progagandainstrument der Nazis.

„‚Volksgemeinschaft' vor Ort?“ Mit dieser Fragestellung beschäftigt sich eine Tagung, die vom 23. bis 25. Februar im EWE-Forum Alte Fleiwa stattfindet. Veranstalter ist das niedersächsische Forschungskolleg „Nationalsozialistische ‚Volksgemeinschaft’? Konstruktion, gesellschaftliche Wirkungsmacht und Erinnerung vor Ort“, an dem die Universitäten Oldenburg, Göttingen, Hannover und Osnabrück beteiligt sind. Tagungsleiter sind Prof. Dr. Dietmar von Reeken und Jun.-Prof. Dr. Malte Thießen, die zusammen mit ihrem Team vom Institut für Geschichte die Veranstaltung organisiert haben. Ziel sei es, „den Blick auf die sozialen Kontexte und Prozesse zu schärfen, in denen sich die NS-Gesellschaft konstituierte“, so die beiden Historiker.

 „Volksgemeinschaft“ ist die zentrale Propagandaformel der nationalsozialistischen Ideologie, die gleichermaßen soziale Gerechtigkeit und nationale Erneuerung verspricht. Mit der Parole gelang es den Nazis, erhebliche Schubkräfte in der deutschen Gesellschaft freizusetzen und große Teile der Bevölkerung zu mobilisieren. Wie inszenierten die Nazis diese „Volksgemeinschaft“ und wie wurde sie von den „Volksgenossen“ wahrgenommen und erfahren? Welche sozialen, kulturellen, ökonomischen und regionalen Rahmenbedingungen spielten eine Rolle? Welche Folgen hatte die Vorstellung einer Volksgemeinschaft für die Gesellschaft zurzeit der Naziherrschaft? In welchem Verhältnis standen Propaganda und soziale Praxis, nationale und lokale Handlungsebenen?

Es sind Fragen wie diese, denen die Tagung in Fallstudien exemplarisch nachspüren will. In sechs Panels thematisieren WissenschaftlerInnen aus Deutschland, Österreich, Israel und Großbritannien die soziale Praxis in Städten und Regionen Niedersachsens. Dabei geht es um die NS-Justiz am Beispiel Bremens, um Konstrukte der „Volksgemeinschaft“ im Umfeld der Konzentrationslager Bergen, Esterwegen und Moringen, um die Machtrepräsentation in Gauhauptstädten wie Hannover, Oldenburg und Lüneburg, um ländliche Lebenswelten im Nationalsozialismus, um Rüstungsmobilisierung in Wilhelmshaven und Salzgitter sowie um Sport und konfessionelle Milieus unter dem Hakenkreuz.


 

Kontakt

Jun.-Prof. Dr. Malte Thießen
Institut für Geschichte
Tel: 0441/798-4463
m.thiessen(at)uni-oldenburg.de