15.07.2015 – Köpfe

Für Karrierechancen in der Wissenschaft
und anderswo

  • "Was uns verbindet": So lautet das neue Motto der Graduiertenakademie unter der Ägide von Geschäftsführerin Dr. Linda Jauch (links) und Vizepräsident Prof. Dr. Bernd Siebenhüner (mit Redakteurin Deike Stolz). Fotos: Daniel Schmidt

  • Hätte sich als Postdoc die "Unterstützung gewünscht, wie wir sie heute anbieten": der Vizepräsident für Wissenschaftlichen Nachwuchs und Qualitätsmanagement, Prof. Dr. Bernd Siebenhüner.

  • Allein 1073 immatrikulierte Promovierende an der Universität zählen zu ihrer Zielgruppe des wissenschaftlichen Nachwuchses: Referentin Dr. Linda Jauch leitet die Graduiertenakademie.

Ob jemand in Chemie oder Sozialwissenschaften promoviert: "Viele Phasen zwischen Euphorie und tiefem Tal ähneln sich", sagt die Geschäftsführerin der Graduiertenakademie, Linda Jauch. Über die fachübergreifende Nachwuchsförderung an der Universität - auch nach der Promotion – sprechen sie und Vizepräsident Bernd Siebenhüner im Interview.

FRAGE: Herr Siebenhüner, was ist Ihre persönliche Erfahrung mit Nachwuchsförderung – wie sind Sie gefördert worden?

SIEBENHÜNER: Groß geworden bin ich im alten deutschen Hochschulsystem, mit einer Promotionsstelle im Haushalt meiner damaligen Universität. Da hat mich mein Doktorvater sehr intensiv betreut, aber es gab wenige Angebote zu Methoden oder Transferable Skills. Später hatte ich hier in Oldenburg eine Juniorprofessur – verbunden mit der Leitung einer Nachwuchsgruppe. In Führung und Promotionsbetreuung hätte ich mir Unterstützung gewünscht, wie wir sie heute anbieten.

FRAGE: Frau Jauch, Sie kümmern sich seit einem halben Jahr um die Förderung des Nachwuchses an der Universität. Was war Ihre erste Etappe?

JAUCH: Am sichtbarsten ist sicherlich die neue Website der Graduiertenakademie. Von außen kommend, fand ich es im Vorfeld selbst gar nicht so einfach, mir einen Überblick über die Angebote in Oldenburg zu verschaffen. Das liegt an den gewachsenen Strukturen.

FRAGE: Wie erklären Sie denn jemandem, der nicht durchblickt, die Strukturen in Oldenburg? 3GO, OLTECH – wie hängt all das unter einem Dach zusammen?

SIEBENHÜNER: Wir haben immer schon Promotionsprogramme gehabt, die fachnah Unterstützung bieten. Aktuell sind es 18, wir sind hier als Uni sehr erfolgreich. 2009 hat sich die Graduiertenschule OLTECH gegründet mit naturwissenschaftlich-technischen Qualifizierungsangeboten. Das entlastet auch die einzelnen Programme, so werden Dinge nicht mehrfach angeboten. Ähnlich ist es bei der Graduiertenschule 3GO für Gesellschafts- und Geisteswissenschaften.

FRAGE: Und die Graduiertenakademie bündelt fachübergreifende Angebote.

JAUCH: Ja, daran kann jeder teilnehmen, ob individuell oder strukturiert promovierend, ob Postdoc oder Juniorprofessorin, und sich einfach über die Website zu Kursen anmelden. Wir haben das Programm zuletzt etwas umstrukturiert vor dem Hintergrund der aktuellen Debatte: Die deutschen Unis bilden sehr viele Doktoranden aus und haben auch eine Verantwortung, dass der Übergang in die weitere Karriere – ob innerhalb oder außerhalb der Wissenschaft – gelingt. Dasselbe gilt natürlich auch für Postdocs.

FRAGE: Karriereförderung und -entwicklung als neuer Schwerpunkt?

JAUCH: Genau. Es gibt Kurse zu Drittmitteleinwerbung genauso wie BWL-Grundkurse und Bewerbungstraining. Natürlich ist es ein Unterschied, ob ich in Chemie promoviere oder in Sozialwissenschaften. Aber ich glaube, ganz viele Phasen zwischen Euphorie und tiefem Tal ähneln sich, unabhängig von der Fachkultur – ähnlich ist es bei der Vorbereitung weiterer Karriereschritte.

FRAGE: Ist es ein Spagat zwischen der Hinführung auf eine wissenschaftliche Karriere oder eine Laufbahn außerhalb der Wissenschaft?

SIEBENHÜNER: Letzteres wird immer wichtiger, da das Hochschulsystem in Deutschland recht eng gefasste Karrierechancen bietet. Viele Promovierende bleiben nicht in der Wissenschaft. Wir müssen daher auch andere Funktionen der Promotion anerkennen und unterstützen – worum sich das Hochschulsystem lange gedrückt hat.

JAUCH: Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Es können nicht alle ins Wissenschaftssystem, und das ist ja auch  in Ordnung – aber sehr lange fehlten eben Trainings und Informationen zu alternativen Karriereoptionen.

FRAGE: Vielleicht hat man es anderswo gesehen, ob nun bei den Arbeitsämtern oder in der Eigenverantwortung der Betreffenden…

JAUCH: Aber es wurde oft nicht so offen kommuniziert. Ich denke, dies liegt auch in der Verantwortung der Universitäten.

SIEBENHÜNER: Absolut. Das hat ja auch eine moralische Komponente. Wir holen Nachwuchskräfte gerne an die Unis, wir brauchen sie: Sie haben tolle Ideen, sind motivierte Kräfte für Forschung und Lehre. Wir halten ihnen die Karotte hin, es könnte etwas werden im Wissenschaftssystem – und für viele ist dann die Erfahrung, oft nach der Promotion, die Karotte ist weg, wird wieder einem anderen hingehalten. Das ist natürlich eine problematische Sache.

FRAGE: Die oftmals unsicheren Berufsperspektiven für den akademischen Mittelbau – die große Mehrheit der wissenschaftlichen Mitarbeiter in Deutschland hat Zeitverträge – sind momentan heiß diskutiert. Wo kann die Uni noch etwas tun, und welche Forderungen haben Sie an die Politik?

SIEBENHÜNER: Es wäre falsch zu sagen, es wäre allein Sache der großen Politik, aber es kann auch nicht allein Sache der Hochschulen sein. Die Zahl der Professuren steigt sehr langsam, weil die Grundhaushalte der Hochschulen kaum steigen – und die meisten Zusatzmittel fließen in kurzfristige Beschäftigungsverhältnisse. Die politische Logik dahinter: schöne Programme, die immer wieder neue Chancen zum Profilieren bieten – aber kurzfristig angelegt sind. In diesem Fall können die Hochschulen nicht viel mehr tun, als Verträge maximal für die Projektlaufzeit zu vergeben.

FRAGE: Die Graduiertenakademie gibt es seit einigen Jahren. Wie stellen Sie sich die nächsten Schritte vor?

JAUCH: Im Februar startet als neues Programm unser sechsmonatiges interdisziplinäres Postdoc-Coaching. Für diejenigen, deren Promotion weniger als drei Jahre zurückliegt, wird es vor allem um Karriereentwicklung und -planung gehen, bei erfahreneren Postdocs – auch Juniorprofessoren, Nachwuchsgruppenleitern, Erstberufenen – liegt der Fokus auf Führung und Betreuung. Am Ende betreuen sie ja auch neue Promovierende.

FRAGE: So kommt es Ihrer originären Zielgruppe direkt wieder zugute.

SIEBENHÜNER: Wenn wir den Gedanken ernst nehmen, dass die Promotion eine Forschungsphase ist, in der man sozusagen sein Meisterstück in der Wissenschaftslandschaft erarbeitet, dann ist die Betreuung durch Doktorvater und -mutter zentral und bleibt unersetzbar. Das zu unterstützen, finde ich wichtig und sollte verlässlich organisiert sein.


 

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linda.jauch(at)uni-oldenburg.de

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Vizepräsident für Wissenschaftlichen Nachwuchs und Qualitätsmanagement
Tel.: 0441/798-5459
vp.n(at)uni-oldenburg.de