09.12.2013 – Hochschulpolitik

„Die Universität lebt von ihren Menschen“

  • Universitätspräsidentin Prof. Dr. Babette Simon: „Wir werden unsere strategischen Partnerschaften ausbauen und intensivieren.”

40 Jahre Universität Oldenburg: Zum Auftakt der Jahresfeier spricht Präsidentin Babette Simon über Herausforderungen und Perspektiven, über „nachhaltige Gesellschaft” als Thema, den Rückhalt der Region – und darüber, was typisch ist für die Universität Oldenburg.

FRAGE: Frau Simon, am 4. Dezember hat das Geburtstagsjahr der Universität mit einem feierlichen Auftakt im Hörsaalzentrum begonnen. Bis Ende des kommenden Jahres folgen zahlreiche Veranstaltungen. 40 Jahre Universität Oldenburg: Was bedeutet das für Sie? 

SIMON: Nun, zunächst einmal freue ich mich sehr auf die zahlreichen Veranstaltungen, mit denen wir alle Interessierten einladen, mit uns – und damit meine ich die gesamte Universität mit allen Mitgliedern und Angehörigen – diesen Geburtstag zu begehen. Wir wollen dabei gemeinsam auf die Universität schauen, auf ihre Entwicklung, ihre Themen, ihre Schwerpunkte, ihre Ideen und Visionen – und auf ihre Menschen. Denn diese Universität lebt von ihren Menschen – den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im technischen und Verwaltungsdienst und vor allem von ihren Studierenden.

FRAGE: 40 Jahre Bestehen der Universität – ist das auch ein Anlass, zurückzuschauen und sich der Gründungsmomente zu versichern? In den Jahren der Gründung von 1971 bis 1973 und auch in den ersten Jahren des Bestehens stand das Projekt Reformuniversität ja finanziell immer wieder auf der Kippe.

SIMON: Sicher gehört es auch zu einer Jahresfeier zurückzuschauen – doch wir wollen auch den Blick in die Gegenwart und vor allem in die Zukunft richten. Zwischen ihnen gibt es untrennbar viele Verbindungen und Übergänge. Das Hauptmotiv der Universitätsgründung lag im weitesten Sinne in strukturpolitischen Erwägungen, nämlich etwas für die Region zu tun. Dass sich die Universität Oldenburg so erfolgreich entwickeln würde, war damals sicher nicht abzusehen, es liegt insbesondere auch an den Anstrengungen aus der Universität selbst heraus und der ganz besonders glücklichen Allianz mit der Region. Die Gründergeneration hat so viel Elan, Engagement und Herzblut eingebracht, so dass diese Zuschreibungen konstitutive Elemente der Universität geworden sind und bis heute im Alltag gelebt werden. Die Universität Oldenburg ist stark durch die Gesamtheit aller an ihr tätigen Menschen geprägt. Ich denke, dass dies eine entscheidende Voraussetzung dafür ist, dass sie sich derart erfolgreich entwickeln konnte.

FRAGE: Was sind die profilgebenden Elemente, die die Universität an ihrem 40. Geburtstag unverwechselbar machen?

SIMON: Die Carl von Ossietzky Universität zählt zweifellos zu den erfolgreichsten deutschen Reformuniversitäten und hat sich in nur 40 Jahren sehr dynamisch zu einer Forschungsuniversität entwickelt. Seit ihrer Gründung 1973 beweist sie Mut für neue Wege in Lehre und Forschung – getragen von der Idee, dass der Mensch im Mittelpunkt steht. Als junge Universität ist sie offen für neue Wege, gibt ausreichend Freiraum zum Querdenken, zur Persönlichkeitsentwicklung und Kreativität, was sich in verschiedensten Bereichen der Universität äußerst positiv niederschlägt. Zudem überschreitet sie gerne Grenzen, auch geographisch, und beteiligt sich so aktiv an der Gestaltung des europäischen Hochschulraums. Wir haben im Miteinander mit den Fakultäten und universitären Einrichtungen viele sehr große Schritte gemacht. Die Universität Oldenburg steht heute für eine innovative Lehr- und Lernkultur, für Lebenslanges Lernen als durchgehendes Prinzip, für Offenheit gegenüber neuen Gesellschaftsgruppen, die Bildung und Weiterbildung als Schlüssel zum Weiterkommen verstehen, für eine gezielte und strukturierte Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses, für eine weitsichtige Berufungspolitik und profilgebende Forschungsschwerpunkte sowie für intensiven Wissenstransfer in die Region und auch darüber hinaus.

Zentral ist unser Beitrag zur Entwicklung einer nachhaltigen Gesellschaft. Hier hat die Universität schon sehr früh wichtige Erkenntnisse gewonnen, etwa in der Energie- und Umweltforschung – auch zu Zeiten, als Photovoltaikanlagen und Offshore-Windenergieanlagen noch fernste Zukunftsvisionen waren. „Nachhaltige Gesellschaft“: Hierzu tragen auch die Meeresforschung und Marine Biodiversitätsforschung bei, die Lehrerbildung mit der Lehr- und Lernforschung sowie die Geistes- , Sozial- und Kulturwissenschaften, die sich in den letzten Jahren sehr dynamisch entwickelt haben. Wenn wir uns hier mit Carl von Ossietzky oder dem Philosophen Karl Jaspers beschäftigen, dann geschieht das auch vor dem Hintergrund, Antworten auf existenzielle Fragen zu suchen: Wer ist der Mensch, wohin bewegt er sich und: Wohin bewegt sich die Gesellschaft?

FRAGE: Welche Herausforderungen kommen in den nächsten Jahren auf die Universität zu?

SIMON: Für die Universität Oldenburg wird es in den nächsten zehn Jahren darauf ankommen, sich den gestiegenen Herausforderungen zu stellen, die sich vor allem aus drei unaufhaltsam fortschreitenden Veränderungen ergeben: der demographischen Entwicklung sowie der regionalen Asymmetrie und damit der Entwicklung der Studierendenzahlen, den Differenzierungsprozessen im Wissenschaftssystem und damit verbunden dem Wettbewerb um Finanzmittel und kluge Köpfe sowie die fortschreitende Globalisierung von Bildung und Forschung. Die Universität setzt daher weiterhin auf konsequente unverwechselbare Profil-und Schwerpunktsetzung sowie auf die Intensivierung von Kooperationen und Partnerschaften. Sie versteht sich dabei auch als wichtiger Partner in der Wissenschaftsregion Nordwest – und gibt starke Impulse zur Stärkung der regionalen Entwicklung.

So wichtig der Erfolg bei der Exzellenzinitiative ist, so wichtig erscheint es auch, die jeweils sehr gute Einzelforschung und ihre Stärken zu erkennen und vielversprechende Potenziale zu fördern. Auch muss man sich der Herausforderung bewusst sein, dem Spannungsverhältnis zwischen Breitenausbildung und exzellenten Forschungsbereichen durch hochwertige Angebote in beiden Bereichen zu begegnen. Die Entwicklung der Universität wird außerhalb sehr positiv bewertet, und die Wahrnehmung und Attraktivität, auch die unserer Partner, hat deutlich zugenommen. Insgesamt sind die Perspektiven der Universität Oldenburg als sehr gut zu bewerten.

FRAGE: Sie sind seit Anfang 2010 Präsidentin der Universität. Auf welche Entwicklungen der vergangenen Jahre sind Sie besonders stolz?

SIMON: Die Universität Oldenburg ist heute so, wie sie ist, durch die Leistungen aller, die an ihr tätig sind. Es gibt viele Ereignisse, die für die Zukunftsfähigkeit der Universität von Bedeutung waren, die ich nicht alle aufzählen kann. So will ich den Erfolg bei der Exzellenzinitiative mit dem Exzellenzcluster Hearing4all oder den erfolgreichen Start der European Medical School und Oldenburger Universitätsmedizin herausgreifen. Auch die erstmalige Bewilligung eines geisteswissenschaftlichen Graduiertenkollegs „Praktiken der Subjektivierung“ oder die diesjährige Eröffnung des Karl Jaspers-Hauses waren für die Entwicklung wichtig. Der Erfolg bei der Ausschreibung „Aufstieg durch Bildung“ oder beim „Qualitätspakt Lehre“ mit dem Thema „Forschungsbasiertes Lernen“ waren Anerkennung und Ansporn zugleich. Überall in der Universität bekommt man sehr viel Kompetenz, Kreativität, Engagement, Freundlichkeit zu spüren. Darauf kann die Universität ganz besonders stolz sein.

FRAGE: Wo sehen Sie die Universität in zehn Jahren?

SIMON: Die Universität Oldenburg hat sich den oben genannten Herausforderungen erfolgreich gestellt. Sie präsentiert sich als internationaler Campus im Nordwesten, mehrsprachig und offen. Wichtig ist hier unsere Internationalisierungsstrategie. Die Universität wird sehr viel stärker als heute in nationalen und internationalen Netzwerken eingebunden sein, sie wird die Welt nach Oldenburg holen und Oldenburg in die Welt. Das bedeutet: Wir werden mehr internationale Studiengänge anbieten – schon jetzt arbeiten wir ja beispielsweise im europäischen Masterstudiengang „Migration and Intercultural Relations“ mit europäischen und afrikanischen Partnern zusammen – und wir werden mehr internationale Studierende haben. Lehrprofil und -kultur werden internationaler, und wir werden unsere strategischen Partnerschaften zur Stärkung von Spitzenforschung in bestimmten Bereichen ausbauen und intensivieren: regional, national, international. Ich denke dabei sowohl an Partnerschaften mit anderen Universitäten oder Hochschulen als auch an solche mit außeruniversitären Einrichtungen.

Ich bin zudem der Überzeugung, dass unsere Universität weiter wachsen wird. Gleichzeitig wird unsere Studierendenschaft deutlich heterogener, unsere Angebote werden entsprechend angepasst. Die weitere Flexibilisierung von Lehr- und Lernformen wird unverzichtbar, und auch die Bedeutung des Lebenslangen Lernens wird weiter zunehmen. Der Wissenschaftsrat hat die Weiterentwicklung der Oldenburger Universitätsmedizin empfohlen, der Niedersächsische Landtag hat darüber positiv beschlossen. Die Universität ist ein wichtiger Impuls- und Standortfaktor, der mit originellen Ideen und nachhaltigen Kooperationen in die Region und weit darüber hinaus wirkt.

FRAGE: Was möchten Sie nicht missen auf dem Campus der Universität?

SIMON: Es ist vor allem die Vielfalt der Menschen, die hier studieren, lehren und forschen, Menschen unterschiedlicher Kulturen mit unterschiedlichen Lebensstilen, die verschiedene Sprachen sprechen und sich dennoch austauschen und verstehen und miteinander lernen: Das fasziniert mich und beglückt mich immer wieder aufs Neue. Alle, die wir hier tätig sind, profitieren von dieser Vielfalt, sie bereichert uns. Diese Offenheit ist typisch für die Carl von Ossietzky Universität. Genauso wie die unglaublich vielen Fahrräder, die ich auch nicht missen möchte – für mich ein Symbol der Fortbewegung durch ganz persönlichen Einsatz.

FRAGE: Auf welche Veranstaltung im Rahmen der 40-Jahre-Feierlichkeiten freuen Sie sich besonders?

SIMON: Da kann ich keine einzelne hervorheben, denn wir haben zusammen mit allen Fakultäten und Einrichtungen ein sehr buntes und reichhaltiges Programm zusammengestellt. Damit möchten wir – so unsere Hoffnung – vor allem den Menschen der Region ein wenig zurückgeben von dem, was wir als Universität tagtäglich an Unterstützung und Zuspruch erfahren dürfen. Damit meine ich längst nicht nur finanzielle Hilfe bei der Realisierung von Projekten. Für mich ist es immer wieder beeindruckend, wie sehr die Universität Oldenburg heute in der Gesellschaft verankert ist und mit welchem Rückhalt aus der Region wir bedacht werden. Nicht umsonst haben wir als Forschungsuniversität eine Universitätsgesellschaft mit fast 1.000 Mitgliedern. Das ist beispiellos und für uns von unschätzbarem Wert. Wenn wir das kommende Jahr ausklingen lassen und zurückschauen, werden wir hoffentlich feststellen, dass es nicht nur viele Höhepunkte gegeben hat, sondern dass wir alle noch weiter zusammengerückt und gemeinsam bestens für die Zukunft aufgestellt sind.