Sigismund Toduta und die Klausenburger Kompositionsschule

Oldenburg, 24. - 26. Oktober 2008

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Es gibt Orte, an denen ist eine multikulturelle Weltsicht unvermeidbar. Sie liegen am Brennpunkt unterschiedlichster Einflüsse und leben vom Miteinander des Widersprüchlichen. Ein solcher Ort ist die Hauptstadt Transsilvaniens, eine Stadt mit vier Namen: Cluj, Napoca, Kolosvar und Klausenburg.
Die Kultur Clujs ist seit Jahrhunderten gleichermaßen von Rumänen, Ungarn und Deutschen geprägt, in Cluj begegneten sich Abendland und Morgenland.

Klausenburg - Cluj - Napoca - Kolosvar


Diese Verschmelzung der Kulturen prägt auch das wissenschaftliche und künstlerische Schaffen Sigismund Toduţas, der 1908 in Klausenburg geboren wurde. Sein kompositorisches Schaffen spielt sich zwischen Extremen ab, wie sie kaum weiter von einander entfernt sein können: der Unwägbarkeit einer mündlich überlieferten Volks- und Kirchenmusik und der Regelstrenge des europäischen Barock. Toduţa kombinierte die musikalischen Elemente unterschiedlicher Zeiten und Welten und begründete damit die Klausenburger Kompositionsschule.

Sigismund Toduta und die Klausenburger KompositionsschuleEr verband archaische Formeln mit chromatischen Klangflächen, byzantinischen und katholischen Kirchengesang mit polyphonen Strukturen und neoklassizistischen Ideen und schuf durch Integration dieser Komponenten eine eigene Synthese. Als Musikwissenschaftler beschäftigte er sich sowohl mit dem Studium der rumänsichen Musiktradition als auch mit der deutschen Barockmusik und legte in den 1970er-Jahren eine über 1200 Seiten umfassende Studie über "Die musikalischen Formen des Barock in den Werken J.S. Bachs" (Formele muzicale ale Barocului în operele lui J.S. Bach) vor.

Auch durch seine seine ständige pädagogische Tätigkeit in Cluj - eine Arbeit, die sich nur mit der von Mihail Jora in Bukarest zu vergleichen lässt - leistete Toduţa Außergewöhnliches für eine europäische Kultur, die erst jetzt allmählich zusammen wächst. Sein Schüler Hans-Peter Türk schreibt:

"Schon beim ersten Blick auf sein Werk fällt auf, dass er die Grundbestandteile der europäischen Musiktradition zur Schaffung von Kontrasten nutzt in Stücken, die wie eine Abfolge voneinander unabhängiger Bilder wirken… Hinzu kommt ein ständiger Dialog zwischen nationaler und universeller Musik."

Klausenburg hat seine multikulturelle Weltsicht nie aufgegeben, nicht einmal in den schwierigen Jahren des Sozialismus. Auch als Teil der EU ist die Stadt Cluj ein Ort kultureller Vielfalt geblieben. Sigismund Toduţa, der in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag feiern würde, war ihr kompositorischer und musikwissenschaftlicher Repräsentant.


Als Auftakt zum Symposium findet am Freitag, den 24. Oktober im Rahmen des Komponisten-Colloquiums „Musik unserer Zeit“ an der Universität Oldenburg ein Abend von und mit Cornel Ţaranu statt. Anschließend spielen Musiker aus Rumänien Werke von Ţaranu und seinem Lehrer Toduţa. Nach dem Symposium am Samstag, den 25. Oktober soll am darauf folgenden Sonntag Vormittag ein Round Table-Gespräch stattfinden.

24.10.2008 18:00-20:00 Uhr
Gesprächskonzert mit Cornel Ţaranu
Universität Oldenburg, Kammermusiksaal  (A11)

25.10.2008 09:00-18:00 Uhr
Symposium
Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen in Osteuropa

26.10.2008
Round Table
Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen in Osteuropa


Kontakt

Prof. Violeta Dinescu (violeta.dinescu(at)uni-oldenburg.de)
Jörg Siepermann (joerg.siepermann(at)uni-oldenburg.de)