Müller-Lindenberg, Ruth: Wilhelmine von Bayreuth - Die Oper als Bühne des Lebens.

Wilhelmine von Bayreuth (1709-1758) wurde bislang hauptsächlich als Schwester Friedrichs des Großen wahrgenommen. Dabei entstand das Bild einer kunstsinnigen Fürstin, die sich in Bayreuth ihren Musenhof schuf. Dass dies nur die äußere Fassade einer Frau beschreibt, deren Leben sich zwischen Misshandlungen und Minderwertigkeitsgefühlen, zwischen Familienkonflikten und höfischen Intrigen abspielte, zeigt dieses Buch.
Nun erscheinen Wilhelmines künstlerische Aktivitäten auf den Gebieten der Komposition, aber auch der Malerei, der Gartenkunst und Architektur nicht mehr nur als Zeitvertreib einer souveränen Persönlichkeit, sondern als Laboratorien im Wortsinne: Sie verschlüsselte ihre Leiden in der Kunst. Ob im Ausschmücken von Interieurs, in der Motivwahl für eigene Gemälde oder in ihren Opern – überall ist der Schattenwurf jener Motive zu erkennen, die die zentralen Traumata von Wilhelmines Leben ausmachten: die verunsicherte Weiblichkeit und das Verstricktsein in familiär-monarchische Interessen.

Europäische Komponistinnen, Band 2, hg. von Annette Kreutziger-Herr und Melanie Unseld. Köln/ Weimar: Böhlau Verlag 2005.

Böhlau Verlag