Medizinische Physik

Modellierung für Hörhilfen

Heutzutage findet die individuelle Anpassung von Hörhilfen (Cochlea-Implantaten und Hörgeräten) unter Berücksichtigung von nur wenigen audiologischen Messungen, wie z.B. absoluten Hörschwellen statt. Details zur Hörleistung des Probanden in überschwelligen Tests wie z.B. Sprachverständlichkeit im Rauschen werden zwar im Anschluss an ein Fitting getestet, finden aber keinen Eingang in den Anpassungsprozess der Hörhilfe.

Das Forschungsinteresse der Gruppe "Modellierung von Hörhilfen" ist im Gegensatz dazu auditorische Modelle zu verwenden, die die Signalverarbeitung des individuellen Probanden nachahmen und diese Modelle zu nutzen um Hörhilfen anzupassen. Solche "künstlichen Probanden" werden sowohl individuell erstellt als auch als Mittel über eine Gruppe von Probanden. Dieses Forschungsparadigma hat einige Vorteile:

1. Es ist möglich etwas über die Interaktion der Signalverarbeitung in den einzelnen Probanden (nachgeahmt durch das Modell) zu lernen. Das hilft z.B. dabei zu verstehen was für einen Zweck bestimmte physiologische Stufen des auditorischen Systems erfüllen.

2.  Es ermöglicht mit Hilfe des Modells unterschiedliche Algorithmen und Algorithmeneinstellungen zu testen und zu optimieren ohne etwaige Komplikationen, die bei solch einem Prozess mit echten Probanden auftreten können, wie z.B. Trainingseffekten oder Ermüdungserscheinungen.   

Im Anschluss können die so optimierten Hörhilfen dann mit dem entsprechenden Probanden getestet werden.

Das eigentliche Ziel ist es Signalverarbeitung zu optimieren, wir sind allerdings auch daran interessiert unsere auditorischen Modelle zu verbessern. Außerdem arbeiten wir daran zu überprüfen, ob die vom Modell vorhergesagten Verbesserungen in der Hörleistung auch in echten Probanden genauso auftauchen. Deswegen testen wir normalhörende, schwerhörende und implantierte Probanden mit psychoakustischen Tests und Sprachverständlichkeitstests, wie dem Oldenburger Satztest. 

Diese Gruppe ist integriert in den Exzellenzcluster "Hearing4all" in Task Group 4 "Verbesserung der Signalverarbeitung von Hörhilfen". Mit unserem modellbasierten Ansatz ergänzen wir die Gruppen "Auditorische Signalverarbeitung" und "Individualisierung, Anpassung und Evaluation von Hörhilfen" mit dem gemeinsamen Ziel Hörhilfen mit allen verfügbaren Techniken zu verbessern.

Wir suchen regelmäßig nach Hilfswissenschaftlern und Studenten, die daran interessiert sind ihre BSc, MSc oder PhD-thesis mit uns zu schreiben. Mögliche Themen gibt es sowohl mit Schwerpunkten auf Messungen, Signalverarbeitung und Modellentwicklungen. 

Weitere Informationen zu den gerade aktuellen Themen: tim.juergens(at)uni-oldenburg.de

 

KONTAKT

Jun. Prof. Dr. Tim Jürgens
Department of medical physics and acoustics 

Carl-von-Ossietzky-Str. 9-11
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