Medizinische Physik

Übersprechkompensation für audiologische Messungen: Lokalisation

Winkler, Alexandra und Brand, Thomas
Zeitschrift für Audiologie (2012); 51(1) 6-13


Bei der Wiedergabe von Kunstkopfaufnahmen über Lautsprecher erschwert Übersprechen die auditive Perzeption einer konktreten Aufnahmesituation in einem Wiedergaberaum. Eine mögliche Lösung ist die Verwendung der Übersprechkompensation. Durch das Auslöschen der kontralateralen Übertragungspfade (rechter Lautsprecher zum linken Ohr und linker Lautsprecher zum rechten Ohr) und die Entzerrung der ipsilateralen Übertragungspfade (rechter Lautsprecher zum rechten Ohr und linker Lautsprecher zum linken Ohr) kann eine ähnliche Wiedergabesituation wie mit einem Kopfhörer geschaffen werden. Auf diese Wiese kann auch mit Lautsprechern die durch die Aufnahme definierte Situation am Zuhörerort reproduziert werden. Die in der Studie von Winkler et al. (2010) beschriebenen Algorithmen zur Übersprechkompensation wurden hier für Experimente zur absoluten Lokalisation mit Normalhörenden in der Horizontalebene verwendet und miteinander verglichen. Die Messungen fanden in zwei verschiedenen Wiedergaberäumen statt. Bei Wiedergabe binauraler Kunstkopfsignale über Lautsprecher mit einem Aufstellwinkel von (±20°) konnte keine Lokalisation außerhalb des Aufstellwinkels erreicht werden. Durch die Anwendung von Übersprechkompensation auf diese Signale wurde die Lokalisation auch außerhalb des Aufstellwinkels möglich. Die Korrelation nach Pearson zwischen dem wahrgenommenen und dargebotenem Azimut war mit r2 = 0,85 bis 0,96 sehr hoch. Die Entzerrung des Direktschalls ist für die Lokalisationsmessungen ausreichend. Somit müssen zur Realisierung er Übersprechkompensation nur die ersten 0,4 bis 2,5 ms der Impulsantwort des Wiedergaberaumes bekannt sein. Eine mehrfaktorielle Varianzanalyse mit einem Signifikanznivieau von 5% untersuchte verschiedene Einflussfaktoren auf die Lokalisation (Algorithmus, Länge der entzerrten Impulsantwort, Stimulus). Dabei zeigten sich keine signifikanten Unterschiede der verwendeten Algorithmen. Durch die Anwendung der Übersprechkompensation in reflexionsbehafteten Wiedergaberäumen ist daher, im Hinblick auf die Lokalisation von Schallquellen, eine Messung ähnlich wie in reflexionsarmen Messräumen oder mit Kopfhörern möglich.