Medizinische Physik

Weiterbildungsangebot in Medizinischer Physik an der Universität Oldenburg

Die Deutsche Gesellschaft für Medizinische Physik vergibt die "Fachanerkennung zum Medizinphysiker" an Personen, die auf dem Gebiet der Medizinischen Physik in Forschung, Lehre und/oder Klinik professionell tätig sind. Dies entspricht in etwa der Facharzt- Anerkennung aus der ärztlichen Weiterbildung übertragen auf Physiker im medizinischen Berufsumfeld. Der Abschluss ist bislang nur im Bundesland Berlin staatlich anerkannt, eine bundesweite Regelung wird angestrebt. Gemäß Weiterbildungsordnung wird nach dem Studienabschluss (Diplom-Physik oder Diplom-Ingenieur (TU)) eine praktische Tätigkeit (in einer anerkannten Weiterbildungseinrichtung) im Umfang von mindestens drei Jahren vorausgesetzt sowie eine theoretische Weiterbildung im Umfang von 360 Stunden. Hier werden Kenntnisse und Vorleistungen aus dem Studium und ggf. der Promotion in einem bestimmten Umfang anerkannt. Weiterhin wird der Besuch von speziellen Weiterbildungsveranstaltungen, Fachtagungen und Winterschulen der DGMP aufgrund der bescheinigten erfolgreichen Teilnahme mit der jeweiligen Stundenzahl anerkannt. Außerdem können Kenntnisse durch Selbststudium und durch verschiedene Fernstudien-Angebote erworben werden. Die Weiterbildungsordnung kann bei der Geschäftsstelle der DGMP, Kreuzgasse 2 - 4, D-50667 Köln angefordert werden. Die Fachanerkennung zum Medizinphysiker wird von der Fachanerkennungskommission der DGMP auf Antrag zuerkannt (derzeitiger Vorsitzender: Prof. Dr. Th. Schmidt, Klinikum, Institut für Medizinische Physik, Flurstr.17, D-90340 Nürnberg).

Weiterbildung zum Medizinphysiker, Teilgebiet Audiologie

Für audiologisch tätige Physiker und Ingenieure gibt es im Rahmen der Weiterbildung zum Medizinphysiker (gemäß Weiterbildungsrichtlinien der DGMP, s.o.) die Möglichkeit, die Teilgebietsbezeichnung "Audiologie" zu erlangen. Dazu ist die praktische Weiterbildung durch die Mitarbeit in einer audiologischen Einrichtung zu erlangen, deren Leiter(in) die Weiterbildungsermächtigung der DGMP für diesen Bereich aufweist (im Bundesgebiet sind dies u.a. die Universität Oldenburg/AG Medizinische Physik, Universität Gießen/Funktionsbereich Audiologie der HNO-Klinik, Universität Kiel/Audiologie der HNO-Klinik und Universität Köln/Funktionsbereich Audiologie der HNO-Klinik). Für die theoretische Weiterbildung sind neben den allgemeinen Grundlagen (Anatomie und Physiologie, Biophysik und Biochemie, Biomathematik und Informatik, Medizin-Technik, Organisatorische und rechtliche Grundsätze im Gesundheitswesen gemäß Weiterbildungsordnung und Fächerkatalog) als Spezial- und Wahlgebiete die Fächer Physikalische Meßtechniken in der Medizin, Medizinische Akustik und Audiologie vorgeschrieben.

Weiterbildungsangebot der Arbeitsgruppe Medizinische Physik der Universität Oldenburg

Für die Weiterbildung zum Medizinphysiker liegt an der Universität Oldenburg ein besonderer Schwerpunkt auf den Teilgebieten "Physikalische Meßtechniken in der Medizin", "Medizinische Akustik" und "Audiologie". Die Arbeitsgruppe Medizinische Physik weist die entsprechenden Ausstattungsmerkmale und praktische Ausbildungsanteile auf, so daß ihr Leiter (B. Kollmeier) die Weiterbildungsermächtigung der DGMP in diesen Bereichen besitzt. (Er ist außerdem Sprecher des Arbeitskreises "Audiologie" der DGMP und Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Audiologie.) Die theoretische und praktische Weiterbildung zum Medizinphysiker, Teilgebiet Audiologie, geschieht dabei zumeist im Zusammenhang mit einer Doktorarbeit oder einer Postdoktoranden-Tätigkeit in der Arbeitsgruppe bzw. im Europäischen Graduiertenkolleg Neurosensorik. Dabei besteht ein vielfältiges Ausbildungsprogramm, bei dem sowohl Lehrinhalte aus dem Grund- und Hauptstudium des Studiengangs Physik in der Vertiefungsrichtung Akustik bzw. Medizinische Physik angeboten werden, als auch spezifische Fort- und Weiterbildungsveranstaltungen für Graduierte des Graduiertenkollegs Neurosensorik und Mitarbeiter(innen) des Sonderforschungsbereichs "Neurokognition". Während diese Lehr- und Fortbildungsveranstaltungen in der Regel hochschul öffentlich sind, ist die Anfertigung einer Doktorarbeit in der Regel an die Verfügbarkeit einer entsprechenden Finanzierung gebunden (Stipendium oder Drittmittel-Doktorandenstelle).

Forschungsschwerpunkte und Kooperationen der Arbeitsgruppe Medizinische Physik

Die Arbeitsgruppe Medizinische Physik am Fachbereich Physik der Universität (Leitung: Prof. Dr. rer. nat. Dr. med. B. Kollmeier) betreibt interdisziplinäre Forschung im Bereich des Hörens und der Sprache, aber auch der Hirnforschung und der medizinischen Signalverarbeitung. Zu den Arbeitsgebieten und Forschungsschwerpunkten gehören die von normal- und schwerhörigen Probanden, die Psychoakustikklinische Hördiagnostik (Audiologie), die Simulation und Weiterentwicklung "intelligenter" Hörgerätesysteme der Zukunft (digitale Hörgeräte mit Dynamikkompression und Störgeräuschbefreiung), Physik von Sprache und Sprachwahrnehmung sowie die Neurokognition, d. h. die Analyse und Modellierung von Hirnfunktionen bei der Erfassung auditorischer "Objekte" mit EEG. Die Arbeitsgruppe ist beteiligt am Europäischen Graduiertenkolleg Neurosensorik (zusammen mit der Rijksuniversiteit Groningen). Weiterhin ist die Arbeitsgruppe am Sonderforschungsbereich "Neurokognition"beteiligt, der an den Universitäten Bremen und Oldenburg eingerichtet ist. Zusätzlich besteht ein enger Kontakt zu dem "An-Institut" Hörzentrum Oldenburg, das in Zusammenarbeit mit dem Evangelischen Krankenhaus Oldenburg gegründet wurde und dessen Zielrichtung die angewandte Hörgeräteforschung (in Zusammenarbeit mit der Industrie), die Behandlung von Patienten mit speziellen Hörproblemen und die Aus-, Fort- und Weiterbildung ist. Derzeit sind 9 Wissenschaftlerinnen und Postdocs in der Arbeitsgruppe tätig sowie 16 Doktorandinnen und Doktoranden, 8 Diplomandinnen und Diplomanden sowie eine physikalisch-technische Assistentin, eine Hörgeräte-Akustikerin und eine Sekretärin.