Theorie und Geschichte der Kunst und visuellen Kultur

Kunst, ihre Geschichte und Theorie interessieren uns im Kontext. Gefragt wird, wie sie an sozialen, politischen Prozessen und nicht zuletzt auch an der Mediengeschichte beteiligt sind und zugleich durch sie bestimmt werden. Kunst als eine spezifische, historische Form ästhetischer Praxis befindet sich schließlich immer auch im Austausch mit anderen Formen kultureller, nicht nur visueller Praktiken. Unter „visueller Kultur“ werden Praktiken des Zu-Sehen-Gebens verstanden, die weit mehr als Kunst umfassen – wie etwa Architektur, Illustration, Werbung, Web-Design, also Praktiken, die aus dem Alltag und der Wissenschaft nicht wegzudenken sind. Insofern geht es auch um Fragen, die häufig unter dem Stichwort der Bildwissenschaft erörtert werden. Damit schließen sich inter-/transdisziplinäre ebenso wie Fragestellungen der Intermedialität an.

Der Begriff der Kunst ist historisch geworden und befindet sich zugleich in ständiger Veränderung ebenso wie die Institutionen der Kunstvermittlung, seien es Ausstellungen oder Museen oder auch technische Reproduktionen. Sie fördern nicht nur unterschiedliche Zugänge zu künstlerischen Arbeiten, sondern auch unterschiedliche Bewertungen, beinhalten je spezifische Ein-und Ausschlüsse.

Fragen an die Geschichte sind immer aus der Gegenwart formuliert. Dies gilt auch für die Geschichte der Kunst. Der Schwerpunkt unserer Lehr- und Forschungspraxis liegt auf dem Feld der (west)europäischen und nordamerikanischen Moderne und auch Post- bzw. Spätmoderne. Frühere künstlerische Praktiken und Objekte werden jedoch ebenfalls besichtigt, insbesondere wenn sie zum Verständnis der Gegenwart (und sei es zur Kontrastierung) notwendig sind. Das kann etwa für Körper- und Geschlechterbilder gelten, aber auch für Vorstellungen von Raum und Zeit ebenso wie für Theoreme der Kunstkritik und Kunstgeschichtsschreibung. Ohne den Blick zurück bleibt auch die Gegenwart unverstanden und Zukunftsentwürfe lassen sich nicht wirklich begründet formulieren.

Prozesse der Globalisierung haben längst auch den Kunstbetrieb erfasst, haben das tradierte Verständnis von (europäischer) Kunstgeschichte gründlich in Frage gestellt und fordern die Institutionen des Kunstbetriebs heraus. Inwiefern Konzepte einer „globalen Kunstgeschichte“, wie sie aktuell vielerorts diskutiert werden, eine adäquate Antwort auch auf diese Herausforderungen darstellen können, bleibt fraglich. Postkoloniale Bewegungen in verschiedenen Teilen der Welt verlangen nicht nur unsere tradierten Vorstellungen von Moderne, Zentrum und Peripherie zu hinterfragen, sondern auch den Umgang etwa mit Weiß-Sein als hierarchisches Ordnungsprinzip zu revidieren.

Sie forcieren nicht zuletzt auch Fragen danach, welchen Anteil Kunst und visuelle Kulturen an der Herstellung und Verfestigung von Ungleichheiten haben – zwischen Geschlechtern, Ethnien, Klassen und Schichten, Fragen, wie sie auch von sozialen Bewegungen wie Frauenbewegung, Lesben-, Schwulen-, Trans- und Queer-Bewegungen, antirassistischen Bewegungen gestellt werden (siehe auch „Kunst- und kulturwissenschaftliche Gender Studies“).

 

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