Leitfaden zum wissenschaftlichen Arbeiten

Sinn und Zweck schriftlicher Arbeiten

Schriftliche Arbeiten wie Hausarbeiten oder Ausarbeitungen von Referaten dienen dazu, wissenschaftliches Argumentieren zu erlernen und zu üben. Dabei geht es nicht einfach um einen Austausch von (vorgefassten) Meinungen, sondern um eine Veror-tung eigener Auffassungen und Fragestellungen in den Zusammenhang der wissen-schaftlichen Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Problem, wie sie in der Literatur aufzufinden ist. Ergebnisse, Einschätzungen und Interpretationen in der vorliegenden Literatur, die auch kontrovers sein können, sind abzuwägen – in Hinsicht auf Metho-den, empirisches Material und den Standpunkt der Verfasserin oder des Verfassers.

Adressatinnen und Adressaten schriftlicher Arbeiten

Wissenschaftliche Texte sind Teil eines intersubjektiven Austausches, in dem es um Entwicklung von Einsichten, Erkenntnissen und Fragestellungen geht. Sie sind immer an ein Gegenüber adressiert. Dieses Gegenüber ist auf keinen Fall beschränkt auf die Lehrenden. Im Seminarzusammenhang, der sich als Modell einer wissenschaftlichen Community beschreiben lässt, sind die Adressatinnen und Adressaten immer auch die Mitstudierenden. Grundsätzlich ist es sinnvoll, sich beim Verfassen eines wissenschaftlichen Textes vorzustellen, zu wem man spricht und wie man argumentativ überzeugen möchte und kann.

Aufbau eines wissenschaftlichen Textes

 Ein wissenschaftlicher Text ist üblicherweise in Einleitung, Hauptteil und Schluss (Resümee) gegliedert. Diese Gliederung ist insofern sinnvoll, als die Leserinnen und Leser von einem Standpunkt abgeholt werden und es ihnen ermöglicht wird, sich entlang eines ausgelegten roten Fadens mit der vorgestellten Argumentation auseinander zu setzen.

Von einer Einleitung erwartet man, dass die Fragestellung des Textes und die eigene Zugangsweise erläutert werden. Schreiben ist selbst ein Prozess, in dem man die Gedanken verfertigt (oder anders gesagt: man weiß zumeist am Ende einer Textausarbeitung mehr als am Anfang – auch über die eigene Fragestellung!). Deshalb empfiehlt es sich, die Einleitung am Ende des Schreibprozesses noch einmal zu prüfen und zu überarbeiten. In der Einleitung sollte auch das zu untersuchende Material (z.B. Objekte aus der Kunst- oder Mediengeschichte, Kunstvermittlung, Kunstkritik oder auch wissenschaftliche Texte) kurz vorgestellt werden.

Der Einleitung folgen sollte möglichst eine kurze Darstellung des Forschungsstandes, wie er aus der wissenschaftlichen Literatur herauszulesen ist. Der Forschungsstand gibt Auskunft über die Literaturlage zum Thema und definiert den wissenschaftlichen Rahmen, innerhalb dessen die eigene Fragestellung platziert wird.

Der Hauptteil der Arbeit enthält die Darlegung der eigenen Analyse. Die Argumentation sollte im Resultat nachvollziehbar und auf die zugrundegelegte Fragestellung fokussiert sein. Für die Ausarbeitung einer solchen Argumentation gibt es unter-schiedliche Wege. Welcher Weg sich am besten eignet, ist nicht unbedingt von vorn-herein ersichtlich. Vielfach eröffnet und konkretisiert er sich erst in der detaillierten Auseinandersetzung mit der Forschungsfrage. Insofern gestaltet sich wissenschaftliches Arbeiten bzw. Schreiben immer auch als eine Suchbewegung, in deren Verlauf sich die Argumentation erst herausbildet.

Ein Resümee fasst die Ergebnisse der Arbeit bezogen auf die eigene Fragestellung zusammen. Das Resümee kann auch Überlegungen über offene Fragen und mögliche weitere Forschungen enthalten.

Schlussbemerkung

Wissenschaftliches Arbeiten ist ohne Lust auf Unvorhersehbares und Ungewohntes, auf Unwägbarkeiten und Unstimmigkeiten nicht denkbar. Das hat übrigens wissenschaftliches Arbeiten mit künstlerischem gemein. Umwege sind von daher manchmal nötig, um etwas Neues herauszufinden.
Selten ist der Anfang leicht. Die Angst vor dem weißen Blatt kann eine/n immer wieder überkommen. Deshalb ist es sinnvoll, zur Vorbereitung einer wissenschaftlichen Arbeit möglichst frühzeitig mit dem Schreiben zu beginnen, insbesondere mit kurzen Texten, z.B. mit Kommentaren zur gelesenen Literatur (die nicht nur zu exzerpieren ist).

Dieser Leitfaden zum wissenschaftlichen Arbeiten ist ein Vorschlag. Seine Inhalte sind verhandelbar. Ergänzungen, konstruktive Kritik und Anregungen sind willkommen.