Opazität
Ein kleines Videoprogramm

»Opazität« nimmt seinen Anfang in einem Film/Videoprogramm zum Kopftuchstreit, das ich 2007 auf Einladung der Tagung »De/ Konstruktionen von Okzidentalismus« an der Humboldt-Universität in Berlin präsentiert habe. Das Programm mit dem Titel »Nichts Zeigen«, das ich seither in verschiedenen Versionen weiterentwickelt habe, wird hier erneut weiter gedacht. Ausgangspunkt war, den Kopftuchstreit als Bilderstreit zu begreifen, in dem es um christliches Zu-Sehen-geben vs. islamischen Anikonismus ging, um das Spannungsverhältnis zwischen Transparenz und Schleier. Es ging mir um eine Auseinandersetzung mit einem Blick- und Bildregime anstelle der ›direkten‹ oder expliziten Auseinandersetzung mit Kopftuch und Schleier. Mit »Opazität« möchte ich nun die dabei bereits angelegten Fragen von Anerkennung, Repräsentation, Klandestinität und (politischer) Subjektivität und die Perspektive der Migration adressieren. Mit Arbeiten von u.a. Oliver Husain, Steffen Köhn, Basma AlSharif, Maya Schweizer.
Nanna Heidenreich

Authentizität und Artefakt
Sammler, Sammlungen und das Verhältnis zu den Dingen

Am Beispiel der Sammlerpersönlichkeit Reinhard Klimmt, dessen Sammlung afrikanischer Kunst im Jahr 2010 in St. Petersburg und Osnabrück ausgestellt wurde, fragt der Beitrag nach der europäischwestlichen Inszenierung klassischer afrikanischer Skulpturen und deren Bedeutung für das Sammler-Subjekt. Geklärt werden soll, welche Rolle dabei die Sehnsucht nach dem ›authentisch Anderen‹ spielt. Im Zuge der Osnabrücker Ausstellung war es zum Eklat gekommen, da die Sammlung zahlreiche Fälschungen – so der in den Medien lancierte Vorwurf – enthalte. Der Beitrag möchte weniger die Frage nach der Echtheit einzelner Exponate stellen, als vielmehr den Zusammenhang zwischen der kulturhistorischen Bedeutungsentleerung des kulturellen Artefakts und seiner anschließenden identitätsstiftenden Überschreibung nachgehen.
Melanie Ulz

Der Stress einer kolonialen Zeugenschaft und der Wunsch nach einem Cinéma Militant

Vor dem Hintergrund eigener Videoarbeiten und Recherchen zu (anti-)kolonialem Erbe und (anti-)kolonialer Erinnerung entwickelt der Beitrag im Kontext von oralité (mündlicher Überlieferung) und der »colonial library« (V. Y. Mudimbe), die ›Afrika‹ als ein Objekt des Wissens konstituiert hat, Überlegungen zur Frage, was ein Dokument an sich ausmacht und welche Zeugenschaft es über ein Ereignis oder eine Situation abzulegen vermag. Anders als der vor allem in den 1950er und 1960er Jahren von einem mal d‘archive angeleitete Versuch, die Geschichte Afrikas in einer afrikanischen, anti-kolonialen, anti-kapitalistischen Perspektive zu restituieren, lautet meine für einen heutigen, aus Europa reformulierten und an einer Transversalisierung interessierten künstlerischen Kontext modifizierte Frage: Wie lässt sich Zeugenschaft mobilisieren und somit aktualisieren? Was wäre ein cinéma militant unter postkolonialen Bedingungen?
Brigitta Kuster

Kunst als Geisteraustreibung

Immer wieder haben sich KünstlerInnen dem kolonialen Überhang ethnologischer Museen angenommen – angefangen von Hannah Höch in den 1920er/30er Jahren, Lothar Baumgarten in den 1960er Jahren, Isaac Julien in den 1990er Jahren und nicht zuletzt Wendelien van Oldenborgh oder Kader Attia 2013. Bei Isaac Julien tritt diese verdrängte Geschichte tatsächlich in Form eines Geistes auf. Der Vortrag geht vor allem den jüngeren Arbeiten mit der Frage nach, welchen Diskurs und welche Identitätspolitiken diese Arbeiten jeweils adressieren. Diese Frage drängt sich im Zuge aktueller Rede von einer globalen Kunst auf, die die Ungleichheit der Geschichte so gut wie gar nicht in Rechnung stellt. Von daher, so die Hypothese, lassen sich solche Arbeiten ohne identitätspolitische Fragen und lokale Rezeptionen kaum diskutieren, so umstrittendas Identitätskonzept und die Beschränkung auf Regionalität auch sein mögen. Gleichzeitig stellt sich die Frage, inwieweit Kunst für eine Gleichheit unter Berücksichtigung der historischen Risse plädiert.
Susanne Leeb