Aktuelle Forschungsprojekte im Bereich Kunst • Vermittlung • Bildung

Ästhetische Bildung des Raums

Unter dem Arbeitstitel »Raum-Bildungsprozesse in Bildungsräumen« wird eine raumbezogene Kunstpädagogik experimentell erprobt und hinsichtlich bildungstheoretischer Ablleitungen reflektiert. Der Schulraum, aber auch andere Bildungsräume werden zum sozialen, physikalischen, kommunikativen oder architektonischen Material erklärt, das pädagogische Konzepte in sich birgt. Bildungsräume werden als öffentliche Räume begriffen, die diverse und dennoch spezifische Möglichkeiten bieten, künstlerisch zu intervenieren, performativ einzugreifen oder skulpturale displacements zu erzeugen und in diesem Sinn »andere Räume« zu schaffen. Diese erkundenden Eingriffe sind Materialerhebung im besten Sinne und befördern eine Praxis und ein zeitgenössisches Verständnis von Kunst wie es in differenzorientierten Bildungsansätzen angelegt ist. Hierbei ist Ausbildung eines ästhetischen Gemeinsinns zentral.

 

Dispositive der Kunstvermittlung in historischer Perspektive

In der Kunstvermittlung hat man es unweigerlich mit Kunstbegriffen zu tun. Die Ausbildung eines eigenen Kunstbegriffs ist notwendig, die Konfrontation mit Kunstbegriffen der jeweils anderen ist Bedingung jeder kunstvermittelnden Situation. Wie aber bilden sich Kunstbegriffe, wie werden und wurden sie geprägt und durch wen? Neben kunstphilosophischen und ästhetischen Schriften macht die historische Perspektive auf kunstbegriffliche Paradigmenwechsel aufmerksam, die auf den Wandel gesellschaftspolitischer Bedingungen, Machtgefüge, institutioneller Ordnungen und Begründungsmuster rückführbar sind. Dabei verschränken sich politische Interessen mit institutionellen Funktionen. Instanzen der Vermittlung (Kritik, Pädagogik, Ausstellungswesen, Medien) wechseln ihre Aufgaben oder auch mal ihren Plätze. Die Entstehung und Konstruktion von Kunstbegriffen diskursanalytisch zu untersuchen und mehr Kenntnis über die jeweils herrschenden historischen, aber auch gegenwärtigen Dispositive zu erlangen, ist Anliegen dieses Lehr- und Forschungsschwerpunkts.

 

Methodik künstlerischer Forschung in schulischen und außerschulischen Räumen

Für die Vermittlung von Kunst ist die Beschäftigung mit künstlerischen Verfahren und Prozessen zentral, insbesondere, wenn diesen eine vermittelnde, ja pädagogische, Qualität zugeschrieben wird. Während wissenschaftliche Methoden seit langem reflektiert und expliziert werden, fällt das Wissen um künstlerische Methoden eher dürftig aus. Erst seit wenigen Jahren ist ein Diskurs um die künstlerische Forschung entstanden, für den die Methodenfrage zunehmend an Relevanz gewinnt.

Lassen sich künstlerische Verfahren überhaupt zur Methode erheben? Welche Methoden und Nicht-Methoden kommen insbesondere in kunstvermittelnden Räumen (sei es die Schule oder etwa ein Museum) zum Einsatz? Und in welchem Verhältnis stehen diese zu wissenschaftlichen Arbeitsweisen?

Um das Spektrum an Forschungsmethoden zu erweitern und aus den aktuellen Gegenstandsbereichen von Kunst und ihrer Vermittlung bzw. ästhetischer Bildung  herauszudestillieren, ist diese Werkstatt von hoher Relevanz. Dieses insbesondere, weil sie für den wissenschaftlichen Nachwuchs in der Lehrerbildung fachspezifische Forschungsperspektiven eröffnen kann.

 

RP | 09.16

 
Pierangelo Maset: Perspektiven der Kunstpädagogik
Janina Borchers: Installation in der Grundschule Klingenbergstraße
Übung im Rahmen der Veranstaltung »Chaos & Ordnung« (W. Bagge, R. Puffert)