Der erste Teaching Artist wird der Berliner Künstler Thorsten Streichardt sein.

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Thorsten Streichardt arbeitet in den verschiedensten Medien „wie Zeichnung, Installation, Video und Performance zwischen Staub und Büro zu Vorstellungen von Natur, Wachstum, Konstruktion und Kontrolle“[1] Er ist Zeichner, Objektebauer, Filmemacher, Bildhauer, und vor allem ist er Erforscher und Beobachter von zum Teil ungewöhlichen Begegnungen von Dingen, Handlungsformen, mechanischen Reaktionen etc. In seiner künstlerischen Arbeit geht es immer um das Übersetzen von einem Medium, einem Wahrnehmungskanal in einen möglichen anderen. Dabei werden die Dinge oft gegen den Strich verwendet, vertauscht, Ursache und Wirkungen verdreht, herkömmliche Umgangsformen und Darstellungsweisen gekippt. Der Herstellungsprozess, die Werkzeuge und die in jedem Moment entstehenden Bilder (auch des Prozesses der Herstellung) sind Teil der Arbeit. Sie werden sichtbar, reflektierbar, und man kann damit ernsthaft spielen. Thorsten Streichardt bewegt sich stets an den Grenzen der Darstellbarkeit und macht diese Grenzen immer wieder zum Thema.

Konkret heißt das zum Beispiel, so Bernhard Balkenhol: „TS beschäftigt sich schon seit geraumer Zeit mit Aufzeichnungsmethoden. So hat er im vergangenen Jahr … mit mechanischem Bleistift-Klopfen einen Tintenstrahldrucker simuliert und damit ‚Fotos‘ gezeichnet. Davor, 2006, hatte er in der Galerie ‚Air de Paris‘, im Rahmen der … Ausstellungsreihe La Planck, eine fast unsichtbare Radiergummi-Wandzeichnung gezeigt – da war der Name der Galerie ihm wohl Verpflichtung. 2004 kamen erstmals Kamera und Ton am Bleistift in Einsatz, als er Flusen auf Papier zeichnete und die Zeichnungen auf dem Boden verteilte. Und bereits 2001 thematisierte er ein Geräusch. Er reduzierte die Papierschnittgeschwindigkeit eines Papierschredders durch eingebaute Zahnräder auf 1/800.000 der ursprünglichen Geschwindigkeit. Das Gerät zerschnitt so weniger als 1 cm Papier in 24 Stunden und näherte sich damit der Wachstumsgeschwindigkeit von Gras. Im Gegensatz zum Graswachsen allerdings war der Lärm von Motor und Getriebe nicht zu überhören.“ [2]

Wenn Thorsten Streichardt mit anderen Menschen gemeinsam solche konzentriert-spielerische Prozesse des Erforschens und Verdrehens von Zusammenhängen startet, geht er genauso vor. Gemeinsam werden Versuchsanordnungen angelegt und dann ereignen sich vorherbestimmbare und nicht vorherbestimmbare Ereignisse, machen sich selbst als Botschaft lesbar, erzählen Geschichten, verschieben Zusammenhänge und Sichtweisen.

Bernhard Balkenhol weiter über Thorsten Streichardts künstlerische Arbeit: „Dabei erzeugt er nicht nur kritisches Bewußtsein, sondern auch – und das ist ihm ebenso wichtig – eine Faszination am Machen – am selber machen.“ [3]

Thorsten Streichardt

1991-96 Studium Freie Kunst an der Kunsthochschule Kassel bei Alf Schuler, seit 1996 freiberuflich tätig. Zahlreiche Ausstellungen und Preise, viele Kooperationen mit verschiedenen Institutionen, u.a. mit der Kunstschule KLEX in Oldenburg.

 

Einige Werkbeispiele:

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 "Eraserface"

 


"Freilautzeichnen"

http://www.thorsten-streichardt.de/



 

[2] Balkenhol, Bernhard: Freilautzeichnen. Eröffnungsrede. In: Streichardt, Thorsten: Echtzeitspeicher. Kunsthalle Willingshausen, Willingshausen 2009, 9

[3] ebda.