Promotionsprogramm Kulturen der Partizipation

Corinna Schmechel

Wissenschaftliche Ausbildung

Corinna Schmechel (*1986) studierte an der Universität Potsdam Soziologie und Erziehungswissenschaft und Gender Studies im Masterstudiengang der Humboldt-Universität zu Berlin. Sie verfolgte den Schwerpunkt der Genealogie und Kritik von Psychopathologie-Konzepten und damit verknüpften Marginalisierungsmechanismen und sammelte im Rahmen eines entsprechend thematischen Projekttutoriums als studentische Hilfskraft der Humboldt-Universität erste Lehrerfahrungen.

Zugleich orientierte sie sich im Rahmen des Masterstudiums und ihres ehrenamtlichen Engagements als Box-Trainerin stärker auf Fragen der (geschlechtlichen)Subjektivierung mit und durch den Körper und in diesem Zusammenhang auf körpersoziologische Fragestellungen, speziell zur Rolle und Bedeutung von Sport und anderen körperbezogenen Praktiken. In ihrer Masterarbeit „Von Sorgen, Sünden und Süchten. Eine genealogische Betrachtung der Problematisierung diätischer Körperpraxen und ihrer Vergeschlechtlichung“ verbindet sie die Stränge der (Psycho)pathologisierungsprozesse mit Normativen der Körperlichkeit und leitet heutige Konzepte problematisierter Eigenkörperregierung, wie Sport- und Magersucht, genealogisch und in Verbindung mit Geschlechterkonstruktionen her.

Projektskizze

Körpergefühlsräume. Queere Fitnessgruppen als affektive Transformationsräume – Normen, Empowerment und das Verhältnis zu sich selbst. (Arbeitstitel)

Einführung

Der Begriff Fitness bezeichnet sowohl eine Sportpraxis – man macht Fitness, wie Andere Karate oder Fußball – als auch einen körperlichen Zustand; man ist fit oder nicht, oder auch mehr oder weniger fit als Andere. Darin drückt sich bereits die Spezifik dieses Sports aus: Der Körper im Fitnesssport ist nicht das Werkzeug zur Ausübung einer Tätigkeit – eines Spiels, Tanzes oder Kampfes – welches dafür möglicherweise einen bestimmten athletischen Zustand benötigt, sondern der athletisch-fitte Körper an sich ist Selbstzweck seines Trainings. Fitness machen kann damit durchaus auch als Tätigkeit der Herstellung eines Produkts, eben des körperlichen Zustandes, verstanden werden.

Diskursanalytische (bspw. Duttweiler 2004) und makrosoziologische (z.B. Baumann 2005) Betrachtungen des Phänomens Fitnesssport ordnen es als wertorientierte Körper- und Selbstoptimierung im Modus der warenförmigen Konsumpraktik ein; die Formung des Körpers ist ungleich verteilte Möglichkeit und zugleich von allen erwartete Pflicht im Paradigma neoliberaler Eigenverantwortung. Mikrosoziologisch orientierte empirische Studien zu Fitnesssport verweisen vielfach auf die Persistenz binärer Geschlechterrollen in den ausgeführten Praktiken, den leitenden Idealen und Motiven der Akteur_Innen und der räumlichen Aufteilung von Fitnessstudios (Sobiech 2004, Degele/Sobiech 2007, Graf 2012). Mehr...

Publikationen (Auswahl)

mit Lucia Killius: Herausfordernd. Bericht zur ersten gemeinsamen Konferenz der Fachgesellschaft Geschlechterstudien e. V. (Deutschland), der Österreichischen Gesellschaft für Geschlechterforschung (ÖGGF) und der Schweizer Gesellschaft für Geschlechterforschung (SGGF) "Aktuelle Herausforderungen der Geschlechterforschung", Universität Köln, 28.–30.September 2017, soziopolis.de

- „Kontrolle außer Kontrolle. Genealogische Betrachtungen zum Konzept der Essstörungen." In: soziologiemagazin 1/17, 55-76.

https://f.hypotheses.org/wp-content/blogs.dir/718/files/2017/05/eJournal-Soziologie-des-Essens-15.pdf

- Bericht zum "8th Meeting of Transnational Scholars for the Study of Gender and Sport". In: FZG – Freiburger Zeitschrift für GeschlechterStudien, 1_16 (Sept.2016)

- „Kein Selbstzweck – Kritiken an den Versprechen der Partizipation“ Veranstaltungsbericht von Christoph Haker und Corinna Schmechel (soziopolis.de)

- Tagungsbericht: „Transdifferente hybride diverse Aktant_innen*?“ Tagung der DGS-Sektion Soziologie des Körpers und des Sports, LMU München, 29.–30. April 2016 (soziopolis.de)

- „Der vermessene Mann? Vergeschlechtlichungsprozesse in und durch Praktiken der Selbstvermessung“ In: Duttweiler/Gugutzer/Passoth/Strübing (Hrsg): Self-Tracking. Zur Soziologie aktueller Selbstvermessung, 2016

- „Kalorien-zählen oder tracken? Die Vergeschlechtlichung von Praktiken der Selbstvermessung/ Calorie Counting or Calorie Tracking: Gendering of bodily Self-Technologies“ In: Prof.Dr. Selke, Stefan (Hrsg.): Lifelogging – Interdisziplinäre Zugänge zum Phänomen digitaler Selbstvermessung und Lebensprotokollierung, bilingualer Band, 2015

- Dion, Dudek, Roßmöller, Schmechel (Hrsg.) 2015: Gegendiagnose. Aktuelle Beiträge zur Kritik an Psychologie und Psychiatrie. Münster (Sammelband)

- „Verunsicherte Männlichkeit – Männlichkeit verunsichern? Zum Potential von Männer-Radikaler-Therapie“ In: Binder, Beate (Hrsg.): Geschlecht – Sexualität. Erkundungen in Feldern politischer Praxis, Berliner Blätter Sonderheft; Nr.62/2013

- „Don’t pathologize this! Plädoyer für eine queere Psychiatriekritik“ In: an.schläge. Das feministische Magazin, Wien, Mai 2013

- „Integration durch Sport“; Rezension zu Susianna Kentikian: „Mir wird nichts geschenkt. Mein Leben, meine Träume“  In: www.kritisch-lesen.de, Ausgabe 28 „Sport – zwischen Unterwerfung und Emanzipation“, April 2013

- „Psychiatrie und Geschlechtersystem – Geschlechtsidentität und Psychiatrie“ In: Allex, Anne (Hrsg.:) Stop Trans*-Pathologisierung. Berliner Beiträge für eine internationale Kampagne, Neu-Ulm, Okt.2012

- „Wahnsinn und Geschlecht. Plädoyer für eine queere Psychiatriekritik“ In: Phase 2. Zeitschrift gegen die Realität, Leipzig, Nr.41/Jan.2012

Vorträge (Auswahl)

- "Words, Looks and Community. The Policies of Queer Locker Rooms" at the 10th Meeting of the Transnational Working Group for the Study of Gender and Sport, 23.-25.11.2017, Universität Wien

- „Auspowern und Empowern? Zur Konstruktion von 'Safer Spaces' am Beispiel queerer Fitnessgruppen“ im Rahmen der Ringvorlesung „Verantwortlichkeiten. Inter- und Transdisziplinäre Perspektiven der Geschlechterforschung“ WiSe 2017/18 am Zentrum für interdisziplinäre Geschlechterforschung der Universität Oldenburg, 15.11.2017

- “Fitting Queers – Queering Fitness? Gendered Performance Pressure and the Paradox of a ‘Queer Safer Space’” auf der “13th Conference of the European Sociological Association”, Athen, 29.08-01.09.2017

- „Ansätze, Inhalte und Kontoversen Feministischer und Queerer Psychiatriekritik“ in der Queeren Ringvorlesung Frankfurt/Main, 27.06.2017

 

- Geschlechterwissen Macht Raum. Einblicke in queere Fitnesspraxen und das Paradox eines queeren Safe(r) Space“ Impulsvortrag auf dem Symposium „Geschlechter - Wissen - Macht – Körper“, Universität Göttingen, 26.01.2017

- “Workout on Empowerment - Practices of queer Fitness Culture” Presentation at the 9th Meeting of the Transnational Working Group for the Study of Gender and Sport, 24.-16. 11.2016, Ruhr-Universität Bochum

- „Fitting Queers_Queering Fitness oder Fitness-Kultur als bewegte Heterotopie? Eine Untersuchung der queeren Fitnessszene Berlins“. Vortrag auf der Tagung: '[UN] Möglich! Verkörperte und bewegte Heterotopien als Orte der Bildung', 03.-05.03.16

- „Fitting Queers - Queering Fitness?“ im Rahmen des „8th Meeting of Transnational Scholars for the Study of Gender and Sport” am Institut für Bildungswissenschaften der Universität Basel und der Pädagogischen Hochschule Nordwestschweiz, 26.-28.11.2015

Athletic Movements: Sports as Element of Social and Political Movements" im Rahmen der Konferenz „Movement Discourse. Historical and Contemporary Formations and Transformations“ an der Universität Oldenburg, 2.-4.7.2015

- „Der vermessene Mann? Die Rolle von Geschlecht im Self-Tracking oder über den Unterschied von Kalorien zählen und Diet Tracking“ im Rahmen des Studium Generale an der Hochschule Furtwangen, 11.12.2014

- „Kalorien zählen oder tracken? Vergeschlechtlichte Diskurse zum Körpermanagement“ im Rahmen der Tagung „Sich selbst vermessen. Self-Tracking in Sport und Alltag“ an der Goethe-Universität Frankfurt/M., 27./28.6.2014

- „Das ist doch krank – Psychopathologisierung als Normalisierungsmechanismus.“ im Rahmen von „que(e)r einsteigen“ (studierenden-organisierte Vorlesungsreihe an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg), 05.12.2013

 

Kontakt

corinna.schmechel(at)gmx.net