Kooperationsstelle Hochschule-Gewerkschaften

Tagung

Flexible Arbeitsverhältnisse beiderseits der deutsch-niederländischen grenze - folgen für die Beschäftigten

Die Tagung fand am Freitag 08.11.2013 in Nieuwschanz,NL,statt.

Programm und Adresse

Unterschiede und Vergleichbarkeiten verschiedener Arbeitskontrakte in Deutschland und den Niederlanden: Leiharbeit, Soloselbständige, Werkverträge, Payrollkonstruktionen .... und deren Folgen für die Beschäftigten.

Nach einer Einschätzung des niederländischen Gewerkschaftsbundes FNV zu der Situation auf den Großbaustellen in Eemshaven sind die dort engagierten großen Bauunternehmen verantwortlich für die systematische Unterbezahlung beispielswiese von Leiharbeitskräften aus Polen. Deren Bezahlung liegt nach FNV Beurteilung weit unter dem Tarifniveau für Leiharbeitskräfte in den Niederlanden. Dies ist das Ergebnis von vielen Hausbesuchen und Gesprächen mit Leiharbeitskräften aus Polen, die in der Bau- und Metallbranche in Eemshaven beschäftigt sind.

In der Region Weser-Ems Nord-Niederlande (WENN Region) muss in verschiedenen Sektoren von systematischer Unterbezahlung von - hauptsächlich - ausländischen Arbeitskräften ausgegangen werden. An den beiden Seiten der Grenze haben diese Arbeitsverhältnisse und damit die spezifische Art der Benachteiligung der Arbeitskräfte unterschiedliche Formen.

So sind in den Niederlanden Leiharbeitsfirmen bekannt geworden, die den Beschäftigten gezielt Teile von deren Entlohnung unterschlagen. Dies ist beispielsweise bei tariflich festgeschriebenen komplexen Enlohnungssystemen bekannt geworden - es wurden weder der Mindestlohn noch die tariflich vereinbarten Löhne bezahlt; Prämien wurden nur teilweise oder gar nicht vergütet. Im Rahmen von Payroll Konstruktionen und Auftragsvergaben an Soloselbständige werden Beschäftigte in den Niederlanden gezielt um Arbeitsentgelt betrogen, tariflich vereinbarte Arbeitsbedingungen werden oft nicht eingehalten.

In jüngster Zeit wird in den Niederlanden mit gezielten Maßnahmen versucht, diese Missstände zu beseitigen - gesetzliche Bestimmung zur Regelung grenzüberschreitender Arbeit, ein gesondertes Programm zur Bekämpfung betrügerischer Unternehmen der Arbeitsverleihbranche, die Einrichtung einer Art "Tarif-Polizei" zur Überwachung der Einhaltung von Tarifverträgen.

In Deutschland sind die Probleme, die durch Leiharbeit und den vermehrten Einsatz von Werkverträgen (einschließlich der Soloselbständigen) für die Beschäftigten entstehen inzwischen bekannt und öffentlich skandalisiert. Insbesondere von Seiten der Gewerkschaften gibt es verschiedene Initiativen zur Verbesserung der Situation: Mindestlöhne (u.a. für die Leiharbeit), Branchenzuschläge, erweiterte Zuständigkeiten von Betriebsräten usw.

Mit der Tagung am 8.11.2013 in Nieuwschanz wollen wir eine Übersicht über die Entwicklung flexibler Arbeitsverhältnisse in Deutschland und den Niederlanden geben; es sollen verschiedene Strategien zur gewerkschaftlichen Einflussnahme auf diese Entwicklungen und die verbesserte Situation für die Beschäftigten vorgestellt und diskutiert werden.

Ziele dieser Tagung sind die Verbesserung der Informationen über flexible Arbeit im jeweiligen Nachbarland und der gewerkschaftlichen Handlungs- und grenzüberschreitenden Kooperationsmöglichkeiten zu diesem Thema.

Vorstand des Interregionalen Gewerkschaftsrates WENN