Sekten und religiöser Radikalismus in der Frühen Neuzeit.
Masterseminar mit abschließender interdisziplinärer Projektwoche

Die Frühe Neuzeit ist eine Zeit religiöser und gesellschaftlicher Dynamik, Verunsicherung und damit auch der Radikalisierung. Diese lässt sich sowohl im sich in zahlreiche Sekten aufspaltenden radikalen Flügel der Reformation, in den europäischen Kriegswirren des 17. Jahrhunderts, im Pietismus sowie in den Frühen Missions- und Erweckungsbewegungen des 18. Jahrhunderts ausmachen. Dabei ist der Grat zwischen religiöser Inbrunst, Missionsbedürfnis und Radikalismus oft schmal. Ein Ziel dieses Seminars wird es daher sein, vor spezifischen historischen Kontexten zu analysieren, in welchen Situationen, politisch-gesellschaftlichen Settings und Sozialisationsprozessen Menschen nach neuen Antworten suchen, wann sie bereit sind, sich bis hin zur völligen Selbstaufgabe, gesellschaftlichem Rückzug oder Gewaltbereitschaft zu radikalisieren. Dabei sollen theoretische Überlegungen und Definitionen des Radikalismusbegriffs einhergehen mit konkreten Beispielen der frühneuzeitlichen Geschichte. Im Rahmen des FLiF-Projektes wird das Seminar forschungsorientiert gestaltet. Die Teilnehmer sind daher eingeladen, eigenständige Ideen, Interessen und Fragen begleitet zu entwickeln zu bearbeiten.

Das Seminar mündet in der durch die Fakultät IV ausgerichteten Projektwoche „Beunruhigen. Woche des forschenden Lernens“. Es sollen daher gemeinsam im Seminar kreative Präsentationsformen entwickelt werden, die dazu geeignet sind, der Öffentlichkeit eine historische Auseinandersetzung mit religiösem Radikalismus vorzustellen. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, wie Historiker angesichts den Herausforderungen der Gegenwart Fragestellungen entwickeln, wie sie sich gewissermaßen aktuell „beunruhigen“ lassen um in der Vergangenheit zu forschen und welche Rolle die Auseinandersetzung mit weit zurückliegenden Ereignissen zur Diskussion der Moderne beitragen kann.