Glaubenskrieg in der Nachbarschaft? Alltägliche (Religions-) Konflikte der Frühen Neuzeit zwischen Gewalt, Gericht und Wirtshaus
Aufbauseminar

Das alltägliche Leben im Europa der Frühen Neuzeit war bunt, auch in religiöser Hinsicht: Protestanten, Katholiken, „Radikale“, Juden, mancherorts auch Muslime lebten in unmittelbarer Nachbarschaft, und das in einer Zeit, wo der Glauben das Leben in einer uns heute kaum noch vorstellbaren Weise bestimmte. Lebten einige Nachbarschaften bereits seit Jahrhunderten im religiös- kulturellen Gemengelage, stellten gleichzeitig immer wieder Migrationsbewegungen den Alltag in Dorf und Stadt auf den Kopf, stellte die Menschen vor immer neue Herausforderungen der Toleranz und der Identitätsfindung.

Kulturelle Vielfalt und Toleranz, aber auch die Herausforderungen an diese sind somit als konstitutiv für das neuzeitliche Europa anzusehen: So sind es gerade immer wieder Kriege und Krisenzeiten gewesen, etwa die frühneuzeitlichen Konfessionskriege, die das geregelte Zusammenleben vor Ort herausforderten und latente Konflikte in Gewalt, teilweise auch Pogrom und Terror, umschlagen ließen- Als Beispiel ließen sich etwa Hexenprozesse, Gewaltwellen gegen religiöse Minderheiten oder auch fanatisierte Akte des Terrors etwa im Täuferreich von Münster nennen. Dem entgegen stehen in der Vormoderne disziplinierende Institutionen wie ein stark beanspruchtes Justizsystem, ritualisierte und gemeinschaftliche Formen lokaler Selbstverwaltung sowie die Ausbildung des frühmodernen Staates mit seinen Einflussmöglichkeiten etwa über die Kirche, die Strafverfolgung oder das Schulsystem, aber auch mit seinen eigenen Formen der gewalttätiger Übergriffigkeit wie der Hinrichtung, der Folter oder des Krieges.

Das Seminar versteht sich als Forschungsseminar und sollt Studierenden die Möglichkeit bieten, vor dem Hintergrund aktueller Forschungsliteratur anhand archivarischer und edierter Quellen eigene Fragestellungen zu entwickeln und kleinere Forschungsprojekte umzusetzen.