Wirtschaftsinformatik / Very Large Business Applications

Projektgruppe ALEBIS
Adaptive Learning Environment for Business Information Systems

geplant für: Wintersemester 2012/2013 - Sommersemester 2013

Motivation und Problemstellung

Wenn in der heutigen Zeit über den Einsatz und die Funktionalität betrieblicher Anwendungssysteme gesprochen wird, ist der Fokus der Betrachtung meist auf die Integration möglichst vieler Unternehmensbereiche gerichtet. Das Bestreben heutiger betrieblicher Anwendungssysteme – insbesondere ERP-Systeme – ist daher die Ausrichtung auf ein Allround-Produkt, das im besten Fall die gesamte Funktionalität einer Unternehmung abdeckt. Vordergründig geht es also um die Integration von Daten, Funktionen und Prozessen aus allen Bereichen innerhalb einer Unternehmung.

Ein kritischer Punkt dieser Entwicklung ist die Konfrontation des Anwenders mit einer immer größer werdenden Komplexität der Systeme. Folglich steigt auch die Anzahl an möglichen Navigationsmöglichkeiten in einem System kontinuierlich an, so dass es für den Anwender immer schwieriger wird, den Umgang mit diesen Systemen zu erlernen und diese Systeme später effizient im täglichen Betrieb einzusetzen. Aber Unternehmen fordern genau diese Ausbildung an großen betrieblichen Anwendungen, wie z.B. ERP-Systemen, von den heutigen Absolventen, denn sie haben ein großes Potential für die Illustration, Visualisierung und Simulation von Geschäfts- und Entscheidungsunterstützungsprozessen (Ask et al. 2008).

Ein weiteres Problem besteht in dem Mangel an weitreichenden, didaktisch aufbereiteten Schulungsmaterialen in Form von Fallstudien u.ä. Häufig existieren zwar ausgiebige theoretische Einführungen in die Benutzung einer Software, diese enthalten jedoch insgesamt zu wenig praktische Anteile. Materialien zur Schulung an den Systemen selbst, basieren wiederum häufig auf Trainingsmaterialien der Hersteller, die eher darauf abzielen, den (späteren) Anwender mit einzelnen Funktionen oder Modulen der Software vertraut zu machen (z.B. IDES-Fallstudien der SAP®AG oder der Cronus AG von Microsoft® Dynamics). Zwar werden diese Schulungsmaßnahmen durch Institutionen wie den University Competence Centern (UCC) der SAP®AG oder dem Partner Netzwerk von Microsoft® umfangreich technisch unterstützt (Courant 2008), doch fehlt nach wie vor häufig die Prozesssicht aufgrund des primären Fokus auf die Systemfunktionalität. Studierenden fällt es daher schwer, die Hintergründe, warum sie bestimmt Transaktionen ausführen sollen, zu verstehen.

Weiterhin finden didaktische Herangehensweisen, wie beispielsweise Wissenskontrollen, Reflektionen über das zuvor gelernte oder Ideen zu Gruppen- und Individualarbeiten selten ausreichendes Augenmerk (Hans et al. 2008). Der strategische Aspekt hinter vielen Entscheidungen bleibt zunächst oft unberücksichtigt und daher für den Lernenden nicht nachvollziehbar.

Ziel der Projektgruppe

Das obergeordnete Ziel der Projektgruppe ALEBIS soll es sein, die Lehre und Ausbildung an betrieblichen Anwendungssystemen, im Speziellen an ERP-Systemen, unter der Verwendung neuer Technologien zu verbessern. Konkret bedeutet dies, dass zunächst vorhandenes Schulungsmaterial (z.B. die IDES-Fallstudien) und bereits existierende Lernsoftware und -konzepte (ERPsim, PROBAS, ERP-Elearn, etc.) analysiert und auf mögliche Verbesserungspotentiale untersucht werden sollen. Dies soll größtenteils in der Seminarphase von einzelnen Studierenden erarbeitet werden, damit alle Teilnehmer in etwa über den gleichen Kenntnisstand verfügen. Dabei kann auch auf eine bereits durchgeführte Evaluation, die im Rahmen einer Diplomarbeit durchgeführt wurde, zurückgegriffen werden. Aufbauend auf diesen Seminararbeiten sollen dann Anwendungsszenarien entwickelt werden, die es den späteren Nutzern bzw. Lernenden ermöglichen sollen, den Umgang mit betrieblichen Anwendungssystemen technologisch unterstützt zu erlernen und die daraunterliegenden Geschäftsprozesse besser zu verstehen, als dies bisher der Fall ist.

Auf Basis eines erweiterbaren Open-Source-ERP-Systems, dessen Auswahl ebenfalls Teilaufgabe der Projektgruppenarbeit sein soll, muss dann ein Mechanismus entwickelt und implementiert werden, der es den Lernenden ermöglicht, die aus den Anwendungsszenarien resultierenden Lernaufgaben direkt am Open-Source-ERP-System praktisch durchzuführen. Dazu ist es insbesondere wichtig, dass eine Architektur für die geplante ESHE entwickelt wird, die so generisch gestaltet ist, dass (theoretisch) beliebige ERP-Systeme mit der Lernfunktionalität ausgestattet und auch die Lerninhalte von Dozenten selbst in einem standardisierten Format generiert werden können. Zur Lernfortschrittskontrolle soll das erweiterte Open-Source-ERP-System zudem die Nutzeraktivität des Einzelnen, beispielsweise durch den Einsatz von Trace-Files, protokollieren und zur späteren Weiterverwendung visuell aufbereitet darstellen können. Dazu ist es wichtig, dass zu den erstellten Lernaufgaben eine Art „Idealweg“ modelliert wird (Soll-Zustand), der mit den von den Lernenden ausgeführten Schritten (Ist-Zustand) verglichen und bewertet werden kann. Dieser Vergleich soll es Dozenten, aber auch den Lernenden selbst ermöglichen, das Verhalten zu reflektieren, das so eben erworbene Wissen zu festigen oder Aufschluss über existierende Defizite aber auch Stärken des Lernenden zu geben.

Personen

Für Fragen und Informationen wenden Sie sich bitte an folgenden Personen:

Literatur

Ask U, Juell-Skielse G, Magnusson J, Olsen Dag H, Päivärinta T (2008) Enterprise Systems as Vehicles of Pedagogic Innovation - Enterprise System Inclusion in Higher Education. In: Proceedings of the 5th International Conference on Enterprise Systems, Accounting and Logistics (5th ICESAL ’08), 7-8 July 2008, Crete Island, Greece.

Courant J (2008) Beispiele für den Einsatz von SAP-Software in der Wirtschaftsinformatikausbildung im Kontext eines Lernmodells. In: Bichler M, Hess T, Krcmar H, Lechner U, Matthes F, Picot A, Speitkamp B, Wolf P (Hrsg) Tagungsband der Multikonferenz Wirtschaftsinformatik (MKWI 2008), München.

Hans D, Marx Gómez J, Peters D, Solsbach A (2008) Case study-design for Higher Education – A Demonstration in the Data Warehouse Environment. In: Abramowicz W, Flejter D (Hrsg) Business Information Systems Workshops (BIS 2009), Poznan, Poland.