23.12.2016 – Forschung

Wie Korallenrifffische den Weg nach Hause finden

Unterwasseraufnahme des Korallenriffs um One Tree Island, dem Forschungsgebiet der Wissenschaftler. Fotos: Andreas Bally

Eine Larve des Kardinalfischs „Ostorhinchus doederleini“

Das Oldenburger Forscherteam (v.l.): Andreas Bally, Gabriele Gerlach, Michael Bottesch und Maurits Halbach.

Wie finden Korallenrifffische den Weg zu ihrem Heimatriff, und welche Rolle spielt dabei das Erdmagnetfeld? Ein internationales Forscherteam unter Oldenburger Leitung hat die Navigationsfähigkeit von Kardinalfischen untersucht.

Die Wissenschaftler zeigten, dass sich die Tiere allein mithilfe ihres Magnetkompasses problemlos orientieren können. Ihre Ergebnisse haben sie nun in der Fachzeitschrift „Current Biology“ veröffentlicht. Hauptautoren sind Michael Bottesch und Prof. Dr. Gabriele Gerlach vom Institut für Biologie und Umweltwissenschaften der Universität Oldenburg. 

Bereits als Larven verlassen viele Korallenrifffische ihren Geburtsort, da ihnen das Riff zu wenig Schutz vor Fressfeinden bietet. Die Jungtiere können noch nicht so gut schwimmen, daher driften die meisten von ihnen mit der Strömung bis zu 50 Kilometer weit in den offenen Ozean hinaus. Zur Fortpflanzung müssen sie allerdings zu einem Riff zurückkehren, erstaunlicherweise wählen sie dafür sehr häufig ihr Geburtsriff. Biologen der Universität Oldenburg beschäftigen sich seit mehreren Jahren mit der Frage, wie die jungen Fische diese Aufgabe bewältigen. Mit Forschern der James Cook University in Townsville (Australien) und der Boston University (USA) beziehen sie jedes Jahr für einige Wochen ein Quartier auf „One Tree Island“, einer kleinen Insel des Great Barrier Reef in Australien, um dem Geheimnis der perfekten Navigation auf die Spur zu kommen.

In Zusammenarbeit mit dem Oldenburger Biologen Prof. Dr. Henrik Mouritsen, der seit Jahren den Orientierungssinn von Zugvögeln erforscht, fanden sie bereits heraus, dass die Fischlarven tagsüber den Stand der Sonne als Kompass nutzen können. In ihrer nun publizierten Studie untersuchten sie das Orientierungsverhalten des Kardinalfischs „Ostorhinchus doederleini“ bei Nacht, wenn die Sonne als Orientierungshilfe ausfällt.

Das Team um den Biologen Michael Bottesch setzte hierfür Magnetspulen ein, mit denen das Erdmagnetfeld beeinflusst werden kann. Und tatsächlich: Die Fische orientierten sich um, wenn die Forscher das Magnetfeld der Erde mithilfe der Spulen drehten. „Dadurch ist der Beweis erbracht, dass sich die Fischlarven auf ihrem Weg in Richtung ihres Riffes am Erdmagnetfeld orientieren können – bei Nacht und ohne Zuhilfenahme von anderen Richtungsgebern“, sagt Bottesch.

In weiteren Studien wollen die Forscher nun herausfinden, wie sich dieser Magnetkompass genau entwickelt und ob er sich bei Fischen, die in anderen Strömungsverhältnissen heranwachsen, unterscheidet. Sollte dies zutreffen, würden Fische aus einem anderen Gebiet, in dem eine entgegengesetzte Strömung herrscht, sich entsprechend anders orientieren. Denkbar wäre auch, dass sich diese grundsätzliche Ausrichtung des Magnetkompass vererbt.

“A magnetic compass that might help coral reef fish larvae return to their natal reef”, Bottesch et al., 2016. Current Biology Vol. 26, Iss. 24