24.05.2017 – Forschung

Studienabbrüche besser verstehen

Nicht nur Angst vor Prüfungen - Studierende können ihr Studium aus ganz unterschiedlichen Gründen abbrechen. Foto: istock/princigalli

Immer mehr junge Menschen beginnen nach der Schule zu studieren. Doch ein Teil der Studierenden verlässt die Hochschule ohne Abschluss oder wechselt das Studienfach. Aus welchen Gründen manche ihr Studium abbrechen und wie die Zahl der Abbrüche verringert werden kann, untersuchen Oldenburger Wissenschaftler nun in einem neuen Projekt.

Falsches Fach, Stress in der Familie oder Prüfungsangst? Betroffene brechen ein Studium aus ganz unterschiedlichen Gründen ab; oft sind es auch mehrere Faktoren, die Studierende dazu bewegen, ihre akademische Laufbahn vorzeitig zu beenden. In einem gemeinsamen Projekt untersuchen Prof. Dr. Michael Feldhaus vom Institut für Sozialwissenschaften und Prof. Dr. Karsten Speck vom Institut für Pädagogik, welche Ursachen zu einem Studienabbruch führen. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert das Projekt „Lebenslaufansatz und Studienabbruch (LAST) – eine multikontextuelle Analyse zu den Ursachen und Folgen des Studienabbruchs“ im Rahmen des Förderschwerpunktes „Studienerfolg und Studienabbruch“ mit 440.000 Euro über einen Zeitraum von drei Jahren.

Das Besondere an dem Oldenburger Projekt: Die Forscher nutzen einen integrativen Ansatz, um möglichst viele verschiedene Einflüsse zu erfassen: „Wir analysieren nicht nur das Hochschulumfeld oder die individuellen Neigungen der Studierenden sondern auch, welche Rolle Familie, Freundschaften und Partnerschaft spielen“, erläutert Projektkoordinator Feldhaus. „Solche Aspekte haben bisherige Studien nicht ausreichend berücksichtigt“, ergänzt Speck.
Etwa ein Viertel aller Studierenden in Deutschland brechen ihr Studium vorzeitig ab – das heißt, sie verlassen das Hochschulsystem ohne einen Abschluss. Dabei unterschieden sich die Abbruchquoten zwischen den Fächern deutlich: So beendeten laut einer Erhebung aus den Jahren 2010 bis 2012 knapp 40 Prozent in den Natur- und Ingenieurswissenschaften ihr Studium ohne Abschluss, während die Abbruchquote in den Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften bei etwa 27 Prozent lag.

Die Oldenburger Forscher wollen nun herausfinden, welche Faktoren letztlich zum Studienabbruch oder zum Wechsel des Studiengangs führen. In einem zweiten Schritt untersuchen sie, mit welchen Maßnahmen die Zahl der Studienabbrüche verringern werden kann. Die Wissenschaftler nutzen dafür einen sogenannten prospektiven Längsschnittansatz: Sie begleiten Bachelor-Studierende vom ersten Semester an bis zum Abschluss beziehungsweise Abbruch mit wiederholten Befragungen. Auf diese Weise wollen die Forscher die Gründe für einen Studienabbruch möglichst frühzeitig erfassen. Die Ergebnisse des Projekts sollen sowohl Lehrenden als auch Beratungsstellen zugutekommen.