03.02.2017 – Forschung

Am anderen Ende der Welt

Das Forschungsschiff „Sonne“ vor der Skyline von Auckland. Foto: Jutta Niggemann/ ICBM

Der Meeresforscher und Fahrtleiter Prof. Dr. Meinhard Simon. Foto: Universität Oldenburg

Wieder im Einsatz: Deutschlands größter Kranzwasserschöpfer. So gelangt Meerwasser aus verschiedenen Wassertiefen mit an Deck. Foto: Jutta Niggemann/ ICBM

Deutschlands modernstes Forschungsschiff „Sonne“ befindet sich wieder unter Oldenburger Leitung: Bis zum 27. Februar ist ein internationales Team um Prof. Dr. Meinhard Simon und Prof. Dr. Peter Schupp auf See, um die Bakterien- und Schwammgemeinschaften im Pazifik zu erforschen.

40 Wissenschaftler aus Deutschland, der Schweiz, den Niederlanden und Neuseeland untersuchen derzeit im südwestlichen Pazifik um Neuseeland die Biodiversität von Bakterien in der Wassersäule und die biologische Vielfalt von Schwämmen. Bereits im vergangenen Jahr war ein großer Teil des Forscherteams mit der Sonne im Pazifik unterwegs – darunter überwiegend Wissenschaftler des Instituts für Chemie und Biologie des Meeres (ICBM) der Universität Oldenburg.

Die Forschungsziele gliedern sich in zwei Gebiete: Einerseits wird die Biodiversität der Bakteriengemeinschaften in der Wassersäule zwischen der Oberfläche und dem Meeresboden und im Oberflächensediment untersucht. Diese Arbeiten sind eine Fortsetzung und Ergänzung entsprechender Untersuchungen im Pazifik im letzten Jahr. Zum anderen wird die Biodiversität von am Meeresboden lebenden Tieren, insbesondere Schwämmen, aber auch Korallen, Seesternen und Seegurken erforscht.

Zu den wichtigsten Arbeitsgeräten der Wissenschaftler gehört der Tauchroboter ROV Kiel 6000, der bis in 6.000 Meter Tiefe arbeiten kann. Zwischen 29°S und 60°S soll er an 23 Stationen Proben am Meeresboden entnehmen. Mit ihren Untersuchungen auf dem Schiff und später in den Heimatlaboren wollen die Forscher mehr herausfinden über die Biodiversität der Schwämme, deren assoziierten Mikroorganismen und wie sie chemisch untereinander kommunizieren. Welche Hemmstoffwirkung haben sie auf Bakterien und über welche Fraßschutzeigenschaften verfügen sie? Auch diese Fragen stehen im Mittelpunkt des Interesses. „Wir wissen bereits, dass die Mikroorganismen in den Schwämmen besondere Wirkstoffe produzieren, die sich möglicherweise für bestimmte Anwendungen in der Medizin, beispielsweise Antibiotika, eignen. Hierüber wollen wir mehr erfahren“, sagt der Schwammexperte Schupp.

Mit der Expedition SO254 erforschen die Wissenschaftler ein weiteres Gebiet im größten Ozean der Welt. Zusammen mit der Sonne-Ausfahrt im vergangenen Jahr ergebe sich eine „umfassende Erforschung des Pazifiks, die es unseres Wissens nach in dieser Form noch nicht gab“, so Fahrtleiter Simon.

Allein 24 der insgesamt 40 Wissenschaftler des Expeditionsteams stammen vom Heimatinstitut der „Sonne“, dem ICBM. Neun Wissenschaftler gehören dem GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel an. Weitere Partner sind das Braunschweiger Leibniz-Institut DSMZ-Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen GmbH, die Universität München (LMU), die ETH Zürich sowie die Forschungsinstitute NIWA aus Neuseeland und NIOZ aus den Niederlanden.

Weitere aktuelle Informationen bietet der Blog ICBM auf See.