Theorie oder Praxis?

Universitätsstudiengänge - gerade auch in den Ingenieurwissenschaften - haben tatsächlich einen hohen theoriebezogenen Anteil. Das liegt daran, dass man ein solides Grundlagenwissen benötigt, um die in der Zukunft anstehenden Entwicklungen richtig einordnen und bewerten zu können. Wenn Sie von Ihrer Ausbildung erwarten, in den heute gängigen Werkzeugen bestimmter Hersteller fit gemacht zu werden, wäre ein (Universitäts-)Studium daher nicht das richtige.
Wer in seinem Studium grundlegende Methoden, Konzepte, Theorien und Strukturen gelernt hat, hat es einfacher auch bei zukünftigen Entwicklungen Schritt zu halten, denn diese veralten nicht so schnell wie konkrete anwendungsbezogene Werkzeuge.
Im Informatik-Studium werden daher herstellerunabhängige, grundsätzlich "wahre" Prinzipien und Grundlagen vermittelt und aktuell verfügbare Softwarewerkzeuge oder Programme zur Verdeutlichung bestimmter Prinzipien eingesetzt.

Praxis- und Anwendungsbezug der Informatik-Module

Am Studienverlaufsplan des Fachbachelor Informatik ist erkennbar, dass alle unsere Grundlagenmodule auch für praktische Anwendungen relevant sind:


Zu den stark grundlagenorientierten Modulen gehören die Mathematik-Module (Diskrete Strukturen, Analysis, Lineare Algebra, Mathematik speziell (= Numerik, Analysis II oder Statistik) sowie die Grundlagen der Theoretischen Informatik (Logik, Formale Sprachen und Automaten,...).

  • Die Mathematik liefert nicht nur Formalismen, die wir in der Informatik dringend benötigen, um uns präzise und prägnant ausdrücken zu können. Sie übt auch das logisch strukturierte und abstrakte Denken.

  • Die Theorie-Module bilden beispielsweise eine Grundlage für Schaltungsentwurf, also Technische Informatik, aber auch für Programmiersprachen (Praktische Informatik) und viele andere Anwendungen.

  • Die beiden Module zur Technischen Informatik beschäftigen sich damit, wie Rechner konstruiert sind und welche Aspekte beim Hardwareentwurf zu beachten sind. Dies wird praktisch untermauert durch das Praktikum Technische Informatik im 4. Semester, wo tatsächlich ein kleiner Hardwareentwurf durchgespielt wird, Lego Mindstorms Roboter programmiert, ein wenig gelötet wird und anderes mehr.

Die Module der Praktischen Informatik sorgen zunächst für eine solide Grundlage in der Softwareerstellung:

  • Im Programmierkurs lernen Sie eine Programmiersprache (z.Zt. Java) - im Modul Programmierung und Algorithmen lernen Sie, welche Arten von Programmiersprachen es gibt und welche wichtigen Konzepte eine Programmiersprache besitzt.
    Nach diesen Modulen und etwas Programmiererfahrung soll sich jeder unserer Studenten neue Programmiersprachen selbst beibringen können (weil man weiß, worauf es ankommt).

  • Das Modul Algorithmen und Datenstrukturen sensibilisiert dafür, dass man beim Schreiben von Programmen beachten muss, dass sie schnell abgearbeitet werden müssen und auch nicht zu viel Speicherplatz benötigen sollen. Es zeigt wichtige Musterbeispiele auf, an denen man sich bei der eigenen Programmierung orientieren kann.

  • Das Modul Softwaretechnik bringt Studierenden bei, wie man ein großes Softwareprojekt mit vielen MitarbeiterInnen so strukturieren kann, dass es erfolgreich und termingerecht fertig wird.

  • Das Programmieren im Kleinen (Programmierkurs) und im Großen (Softwaretechnik) wir im einjährigen Softwareprojekt angewendet, wo eine mittelschwere Aufgabe in einem Team von Studierenden gelöst wird. Hier wendet man auch Techniken an, die im Modul Soft Skills (s.u.) vermittelt wurden 

Den Sinn der anderen Praktischen Module kann man bereits aus deren Bezeichnung ersehen:

  • Informationssysteme: In den meisten Anwendungen ist die angemessene Speicherung von Informationen in Datenbanken eine wichtige Funktionalität in einem Softwaresystem.
  • Betriebssystem: Ohne würde ein Computer nicht laufen. Wie aber funktionieren sie?
  • Rechnernetze: wer will darauf noch verzichten (gibt es ein Leben ohne Internet)? Wie funktionieren Rechnernetze überhaupt? Wie werden Informationen übertragen? Welche Probleme können auftreten?

Der Professionalisierungsbereich gibt unsere Studierenden die Möglichkeit auch überfachliche Kompetenzen zu erwerben. Die Module

  • Soft Skills, in dem Studierende die Gelegenheit haben, ihre allgemeinen Fähigkeiten, Einstellungen und Wissenselemente, so genannte Schlüsselkompetenzen, bewusster zu erleben und gezielt zu erweitern, und
  • Informatik und Gesellschaft, das zum Nachdenken über die durch Informationstechnik beursachten Veränderungen anregt.

sind im Studienverlaufsplan des Studiengangs als dringende Empfehlung fest verankert.


Alle übrigen Themen und Veranstaltungen können nach eigenem Interesse gewählt werden, d.h.

  • wer stärker "Hands-on" arbeiten will, wählt Praktika, 
  • wer stärker eigenständig arbeiten und forschen will, wählt viele Seminare,
  • wer mehr von den theoretischen Hintergründen wissen will, Module aus der Theoretischen Informatik, usw.
  • wer speziell etwas über einen Anwendungsbereich lernen will, sucht sich entsprechende Module (evtl. aus einer Vertiefungsrichtung) aus.

Auch das Thema der Bachelorarbeit und der Seminare kann man nach individuellen Interessen wählen.
Wie praxisorientiert ein Studium wird, ist also nach dem Studium der Basis- und Aufbaumodule  jedem Studierenden weitgehend selbst überlassen, wobei wir unsere Studierenden durch das Angebot von Vertiefungsrichtungen sowie durch Mentoring und Studienberatung unterstützen.

Alle unsere Vorlesungen werden durch Übungen begleitet, in denen man im Team regelmäßig Aufgaben zum Vorlesungsstoff lösen soll. Dies macht es einfacher, sich auch kreativ miit den Vorlesungsinhalten auseinanderzusetzen und sie dadurch besser zu verstehen.

Und zu guter Letzt: Wir geben vielen unserer Studierenden die Möglichkeit, schon im Studium in Projekten als studentische MitarbeiterInnen mitzuwirken. Auch unser Forschungsinstitut OFFIS, viele regionale Firmen und andere Bereiche innerhalb der Universität bieten viele Jobs für Informatik-StudentInnen.

Die Möglichkeit tatsächlich praktisch an konkreten forschungs- und anwendungsorientierten  Problemen zu arbeiten (und dabei Erfahrungen zu sammeln und Geld zu verdienen), wird auch von ca. 70% unserer Studierenden genutzt, so dass wir in Oldenburg auf den Zwang ein (oft unbezahltes) Betriebspraktikum im Studium ableisten zu müssen, verzichten.