NOWETAS-Projekt Versorgungsforschung

Die Versorgungsforschung basiert auf der Verwendung von Primär- oder Sekundärdaten. Während Primärdaten eigens für den Forschungszweck erhoben werden, sind Sekundärdaten ein „Abfallprodukt“ der Wiedererstattung von Gesundheitsleistungen und werden sekundär für Zwecke der Forschung genutzt.

Studien anhand von Primärdaten können gezielt klinische und weitere Information erheben, die sie für die Beantwortung der Forschungsfragestellung benötigen, sie sind aber sehr zeitaufwendig und teuer. Bei der Rekrutierung von Patienten in Primärdatenstudien kann es zu Selektionsbias kommen, wenn eine größere Zahl von Studienteilnehmern die Teilnahme verweigert bzw. wenn schwerkranke oder institutionalisierte Personen nicht in die Untersuchung einbezogen werden können. Ein entscheidender Nachteil von Sekundärdaten ist die begrenzte klinische Information pro Studienteilnehmer. Es fehlen Daten zur Erkrankungsschwere, Laborwerten und weiteren klinischen oder apparativen Untersuchungsergebnissen, die für den Erkrankungsverlauf und die Bewertung des Versorgungsgeschehens relevant sind. Mögliche Ungenauigkeiten/Fehler in der Diagnosedokumentation können eine Validierung der Sekundärdaten anhand von klinischen Daten erforderlich machen. Eine Integration von Sekundärdaten mit klinischen Daten der Primärversorgung aus den Krankenhäusern kann wichtige Limitationen beider Datenquellen überwinden und somit einen wichtigen innovativen Beitrag zur Versorgungsforschung leisten.

Unter den genannten Rahmenbedingungen wird in dem von der NOWETAS-Stiftung geförderten Forschungsvorhaben eine Integration von Daten aus den Informationssystemen der Oldenburger Klinik (Einzugsgebiet 1,5 Millionen Menschen im Weser-Ems Raum) mit Daten der gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) durchgeführt. Ziel ist es, damit eine innovative Datengrundlage für die Versorgungsforschung an den Universitäten Oldenburg und Bremen zu schaffen. Die Vorteile dieser Datenbasis sollen dabei modellhaft an einer Fragestellung zur Versorgung der chronischen Herzinsuffizienz (CHI) demonstriert werden.

An dem Projekt sind neben der Abteilung Informationssysteme des Departments für Informatik der Universität Oldenburg, das Bremer Institut für Präventionsforschung und Sozialmedizin (BIPS), das Zentrum für Sozialpolitik (ZES) der Universität Bremen und die Klinik für Kardiologie des Klinikum Oldenburg beteiligt.

Die konkreten Bestandteile des Forschungsvorhabens sind:

  • Weitere Abstimmung des Projekts mit Krankenkassen, Kliniken und Behörden
  • Erarbeitung eines umfangreichen Datenschutzkonzepts
  • Erarbeitung eines datenschutzkonformen Datenintegrationskonzeptes für die Datenextraktion aus den Informationssystemen des Klinikum Oldenburg
  • Integration der extrahierten Sekundärdaten in die BIPS-Datenbank
  • Statistische Auswertung hinsichtlich konkreter Versorgungsfragen