Didaktik der Informatik

Informatik in der Grundschule

Digitale Medien bieten ein breites Potential den Unterricht – auch in der Grundschule – gewinnbringend zu verändern: das kooperative und kollaborative Lernen wird gefördert, Kinder und Jugendliche können mit Hilfe von Medien selbst aktiv werden und dadurch eine höhere Selbstwirksamkeit erfahren. Aktuelle Studien (ICILS 2013, Allensbach-Studie 2014) zeigen jedoch, dass Lehrkräfte in Deutschland allgemein und für den Grundschulbereich im Speziellen, dem Einsatz von digitalen Medien verhalten oder gar distanziert gegenüber stehen und sich den Unterricht damit weniger zutrauen als  Lehrkräfte in anderen Ländern. In diesem Zusammenhang erklärt sich u. a. auch der z. T. sehr zurückhaltende Einsatz digitaler Medien im Unterricht in der BRD.

Alle Forschungs- und Entwicklungsprojekte sowie die Lehre der Abteilung „Didaktik der Informatik“ unter der Leitung von Prof. Dr. Ira Diethelm sind auf die Verbesserung der informatischen Bildung in Schulen ausgerichtet. Schwerpunkt bildet hier der Aspekt der informatischen Allgemeinbildung. In diesem Zusammenhang wurden und werden viele Projekte durchgeführt, die die Gelingensfaktoren der Lehrerbildung und des Schulunterrichts in den Blick nehmen. Zur Erforschung des Informatikunterrichts und zur Entwicklung von didaktischen Strukturierungen entwickelte die Abteilung eine an die besonderen Anforderungen der Informatik angepasste Form des in Oldenburg etablierten Modells der Didaktischen Rekonstruktion (Diethelm et. al, 2011).

Von der Lebenswelt der Kinder ausgehend, wird in der Abteilung bereits seit 2008 Informatikunterricht für die Grundschule entwickelt, erprobt und erforscht. Fachliche Themen sind hierbei in erster Linie die Einführung in die kindgerechte Programmierung (Borowski und Diethelm 2009) sowie der Weg einer Webseite durch das Internet (Borowski, Dehé, Hühnlein, Diethelm, 2011), aber auch die Druckerwarteschlange als eine frühe Arbeit im Sinne eines „Phänomenorientierten Informatikunterrichts“. Die Auswahl dieser Phänomene und zugrundeliegenden Prinzipien, die für den Sachunterricht aufbereitet werden, basiert auf den „Fundamentalen Ideen der Informatik“, dem Informationsorientierten Ansatz und den „Great Principles of Computing“ (Borowski, Diethelm, Mesaros, 2010).

Die während der Projekte erhobenen ca. 2600 Kinderfragen zu Computern, Internet, Robotern, Handys etc. wurden in mehreren Abschlussarbeiten intensiv aufgearbeitet und bieten eine breite Basis für weitere Unterrichtseinheiten im Sachunterricht.

Im Projekt Digitale Medien produktiv nutzen: Erschließung des außerschulischen Lernorts „Computermuseum in Oldenburg“ für die Grundschulkinder zur Anbahnung informatischer Grundkompetenzen wurden im Rahmen von Lehrveranstaltungen (WS 2014/15) entsprechende Materialien entwickelt. Je ein Seminar des Sachunterrichts (Bachelor) und ein Seminar zum Lernlabor Informatik (Master) haben in gemischten Gruppen forschungsorientierte Lernmaterialien für Grundschüler im Oldenburger Computermuseum entwickelt. Dazu gehören ein Webquest, ein Forscherheft, einen Zeitstrahl, ein Memory uvm. Diese Materialien gingen teilweise in den festen Bestand des Museums über und werden Schulen zur Ausleihe zur Verfügung gestellt. Damit wurde auch das Themenspektrum des Lernlabors Informatik erweitert.