Didaktik der Informatik

Informatik im Kontext

Informatik im Kontext ist ein Querschnittsprojekt, das viele Aspekte der Didaktischen Rekonstruktion berührt und dessen Facetten sich in vielen weiteren Projekten dieser Abteilung in unterschiedlicher Ausprägung wiederfinden.

Die Kontextprojekte der naturwissenschaftlichen Fachdidaktiken, Chemie im Kontext (ChiK), Physik im Kontext (piko) und Biologie im Kontext (bik), entstanden als Reaktion darauf, dass die PISA-Studie dem Unterricht eine mangelnde inhaltliche Vernetzung der Naturwissenschaften sowie ein geringes Interesse von Schülern an ihnen diagnostizierte. Kontext-Projekte verfolgen das Ziel bei den Schülern mehr Interesse durch eine stärkere Verknüpfung des Unterrichts mit der Lebenswelt der Schüler zu erzeugen. Lernmotivation und Interesse werden hauptsächlich durch den persönlich wahrgenommenen Bedeutungsgehalt des Gegenstandes und die Wahrnehmung eines Kompetenzzuwachses durch Unterricht erzeugt. Dies wird seit etwa 2008 auch in der Informatik im Rahmen von Informatik im Kontext (IniK) bundesweit an verschiedenen Standorten – vornehmlich Berlin, Hamburg und Oldenburg – versucht zu etablieren und erforscht.

Informatik im Kontext (IniK) basiert auf drei Prinzipien:

  • Orientierung an sinnstiftenden Kontexten  
  • Orientierung an Standards für die Informatik in der Schule
  • Methodenvielfalt

Kontexte sollten danach Ereignisse aus dem Erfahrungshorizont der Schüler einschließen und einen Bezug zur Lebenswelt der Lernenden direkt erfahrbar machen.
Der Ablauf einer IniK-Unterrichtseinheit kann mit folgender möglichen, aber nicht zwingenden zeitliche Abfolge beschrieben werden:

  1. Begegnungsphase
  2. Neugier- und Planungsphase
  3. Erarbeitungsphase
  4. Vertiefungs- und Vernetzungsphase (Dekontextualisierung)
  5. Reflektions- und Bewertungsphase (Rekontextualisierung) 

Unterrichtsreihen und allgemeine Informationen zu Informatik im Kontext werden bundesweit unter www.informatik-im-kontext.de  gesammelt und bereitgestellt.

Viele Informatiklehrer sind aber fachlich weniger als Naturwissenschaftslehrer in der Lage, geeignete Kontexte für den Unterricht aufzubereiten. Dies liegt oft am Mangel von zeitlichen Ressourcen, oder an der Tatsache, dass Informatik immer noch häufig von nicht entsprechend ausgebildeten Lehrern unterrichtet wird. Daher hat sich  unsere Abteilung der Aufgabe angenommen, fundierte Vorschläge und Kriterien für die Auswahl solcher Kontexte anzubieten, diese zu untersuchen und für die Arbeit mit ihnen nützliche Kriterien, Definitionen und Unterschiede aufzuzeigen.

Zur Erforschung von relevanten Kontexten wurden in der Abteilung bereits mehrere studentische Arbeiten betreut, die die Sicht der Schüler auf einen Kontext oder Zusammenhang näher untersuchten. So wurden im Rahmen der Masterarbeit von Stefan Zumbrägel erstmals Schülervorstellungen zur Funktionsweise des Internets untersucht. Bei der Frage danach, wie 13-14-Jährige sich erklären, dass z. B. Youtube-Videos oft stocken, Chatnachrichten in Sekundenschnelle auf dem Bildschirm erscheinen oder E-Mails ortsunabhängig (fast) immer beim richtigen Empfänger ankommen, konnten für den Unterricht sehr wertvolle Erklärungsmodelle (Videostream als Schlange aus Knete, die dünner und länger werden kann) und für Lehrer bei der Unterrichtsvorbereitung relevante Schüler-Vorstellungen gewonnen werden.

Andere studentische Arbeiten untersuchten die möglichen Fragen, die Schüler in der Begegnungsphase z. B. zum Thema Mobiltelefon stellen können. So erhielten wir wichtige Information zur Aufbereitung von Unterrichtsmaterialen und Handreichungen für Lehrkräfte, die den fachlichen Hintergrund darlegen und mit Unterrichtsinhalten in Verbindung setzen. Hierfür wurde eine besondere Fragemethode der systemischen Therapie (Wunderfrage) auf den Einsatz für die informatikdidaktische Forschung mit bisher großem Erfolg übertragen.

Die entwickelten Erkenntnisse und Materialien werden im Rahmen der symbiotischen Implementationsstrategie in sog. Lehrersets (Arbeitsgruppen mit aktiven Informatik-Lehrkräften, Didaktikern und teilw. auch Studierende) für den Einsatz im Unterricht überarbeitet. So sollen forschungsbasiert einerseits Unterrichtsmaterialien entstehen, die auch tatsächlich  einen lebensnäheren Informatikunterricht befördern und andererseits die teilnehmenden Lehrkräfte über aktuelle Informatikthemen fortgebildet werden. Die daran beteiligten Informatikstudierenden und Lehrer nehmen dabei jeweils unterschiedliche Rollen als Lernender oder als Experte für fachliche Themen bzw. Informatikunterricht ein. So soll ein sehr rascher Wissenstransfer gewährleistet werden.