Systematik und Evolutionsbiologie

Evolutionäre Morphologie feiert eine Renaissance

Selten waren die Zeiten günstiger für das Studium der Morphologie. Die Entwicklung neuer mikroskopischer Techniken in Verbindung mit computergestützter Rekonstruktion morpho- logischer Strukturen hat zu einem Quantensprung in der Morphologie geführt. Neben den klassischen lichtmikroskopischen Techniken des Schneidens und Färbens lassen sich heute Raster- und Transmissionselektronenmikroskope (REM und TEM) routinemäßig einsetzen. Neuerdings sind Immunfluoreszenztechniken hinzugekommen, die eine stürmische Entwicklung in der konfokalen Laser Scanning Mikroskopie (CLSM) ausgelöst haben. Programme, die ursprünglich für Animationen in der Werbung und Filmindustrie entwickelt wurden, ermöglichen es, dreidimensionale, räumliche Rekonstruktionen morphologischer Strukturen fotorealistisch zu erstellen und sogar zu animieren. Es verwundert deshalb nicht, dass trotz der starken Fokussierung auf kausalanalytisch - experimentelle biologische Disziplinen in den letzten Jahrzehnten die Morphologie erneut in den Blickpunkt des Interesses rückt. Trotz aller Faszination für die neuen Techniken darf dabei aber nicht vergessen werden, dass die Morphologie immer schon als Bindeglied zwischen den einzelnen biologischen Fachdisziplinen gedient hat. Dies macht die Morphologie außerordentlich interessant, da sie verschiedene Techniken und Forschungsansätze integriert.