Velamen radicum

Das Velamen radicum der Orchideen, eine schwammige multiple Wurzelepidermis, die im Endzustand aus toten Zellen aufgebaut ist, stellt das Lehrbuchbeispiel einer "Adaptation" an die epiphytische Lebensweise dar. Die Literatur nennt eine Vielzahl von Funktionen, bei genauer Betrachtung der Veröffentlichungen der letzten 100 Jahre finden sich aber nur wenige belastbare Daten. Arbeiten in unserer Gruppe sollen nun dazu beitragen, die Funktion des Velamens zuverlässig zu charakterisieren. Wir haben bereits die Hypothese von Went (Ann Jard Bot Buitenzorg 1940) untersucht, der die primäre Funktion des Velamens darin sah, dass die ersten, relativ angereicherten Lösungen zu Beginn eines Niederschlagereignisses aufgenommen und damit immobilisiert werden. In der Tat fanden wir alle Voraussetzungen gegeben. Rasche Aufnahme der Lösungen ins Velamen, Retention geladener Teilchen im Velamen und schnelle, aktive Aufnahme in lebendes Gewebe (Zotz und Winkler 2013).

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Querschnitt einer Luftwurzel von Caularthron bilamellatum (Foto: Alischa Stäbner)

Laufende und geplante von der DFG geförderte Untersuchungen werden diese Ergebnisse nun für eine größere Artenzahl verifizieren, werden weitere vorgeschlagene Funktionen wie Schutz vor mechanischer Verletzung und Überhitzung kritisch untersuchen sowie die morphologische Variabilität des Velamens innerhalb der Orchidaceae wie auch der Araceae in einem ökologischen Kontext analysieren.

Publikation

Zotz G & Winkler U. 2013. Aerial roots of epiphytic orchids: The velamen radicum and its role in water and nutrient uptake. Oecologia 171: 733-741.

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