Didaktik der Biologie

Die Naturforscher-AG

Lernforschung in der Grünen Schule Oldenburg

 
Wie lernen Kinder am effektivsten und am motiviertesten? Brauchen sie wirklich so viel Anleitung und Struktur wie im normalen Schulalltag, oder geht es auch anders? Was passiert, wenn man auf jede Form der Lenkung verzichtet, und die Kinder einfach mal „machen“ lässt? Diese Frage beschäftigt Prof. Dr. Corinna Hößle (Leitung der AG Biologiedidaktik an der Universität Oldenburg) und Birgit Weusmann (Koordination der Grünen Schule) im Rahmen des Projektes „Naturforscher-AG in der Grünen Schule Oldenburg“.

Die Grüne Schule arbeitet seit 2009 als außerschulischer Lernort innerhalb des Botanischen Gartens Oldenburg. Schülerinnen und Schüler aller Schulformen und ‑stufen nutzen die ausgearbeiteten Unterrichtsmaterialien und Aktionen der Grünen Schule zu verschiedenen Themen der Biologie – insbesondere der Botanik und der Ökologie. Studierende der Universität Oldenburg entwickeln stets neue Konzepte und erproben und optimieren diese zusammen mit der Fachdidaktik vor Ort.

Im Projekt „Naturforscher-AG“ werden einzelne Schülergruppen – Schulklassen, Arbeitsgemeinschaften oder Wahlpflichtkurse – längerfristig eingebunden. Über den Zeitraum eines Schulhalbjahres können sie nach den Prinzipien des forschend-entdeckenden Lernens eigene Fragestellungen zu biologischen Themen selbstständig bearbeiten. Richtungsweisend ist hier der Ausspruch Martin Wagenscheins (1968):

„Kinder sind von sich aus schon wissenschaftsorientiert, und bleiben es auch, wenn wir ihnen nicht den Wind aus den Segeln nehmen durch ein Übermaß an Belehrung.“

Das Forschen geschieht in kleinen Teams, die in festgelegten Phasen und mit beratender Unterstützung von Studierenden des Biologie-Lehramts im Patensystem arbeiten: Zu naturwissenschaftlichen Fragestellungen, die sie selbst erdacht haben, experimentieren und protokollieren die Schüler gemeinsam und präsentieren schließlich ihre Ergebnisse. Für sie bedeutet dies ein interessengeleitetes, selbsttätiges und höchst differenziertes Lernen, was die Entwicklung wissenschaftsorientierter Kompetenzen gezielt fördert. Die als Paten fungierenden Studierenden ihrerseits profitieren von dem Projekt durch die Förderung und Reflexion bedeutender Lernprozesse im Rahmen eines besonders vielversprechenden, aber ansonsten im Schulalltag unterrepräsentierten Lernansatzes.

Ein Probedurchlauf der Naturforscher-AG fand im Sommersemester 2011 zwischen Ostern und den Sommerferien statt: an 10 Terminen trafen sich 13 Kinder der Klassen 5 und 6 (Hauptschule), um in vier Gruppen an ihren Fragestellungen zu arbeiten. Trotz der idealen Gegebenheiten durch den Botanischen Garten waren alle vier Themen zoologisch ausgerichtet: Es ging um Schleiereulen, Uhus, Kookaburras (Lachender Hans, ein australischer Vogel) und Schnecken, die zum Teil vor Ort beobachtet werden konnten und sich verschiedenen Experimenten stellen mussten. Die Ergebnisse wurden auf großen Plakaten sowie in Form von Exponaten auf Tischen festgehalten und in kleinen Vorträgen den Eltern und Interessierten aus Universität, Schule und Botanischem Garten präsentiert (Foto).
Eine Masterarbeit im Fach Biologie (M.Ed., in Arbeit) beschäftigt sich mit der Frage, ob sich durch diesen offenen Ansatz des Lernens das Wissenschaftsverständnis der Lernenden verbessern lässt. Im Rahmen der Studie wurden einzelne Kinder interviewt, während ihrer Tätigkeiten beobachtet und anhand von Fragebögen befragt. Die Ergebnisse werden in den nächsten Wochen mit Spannung erwartet.

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Die Kinder der Naturforscher-AG 2012 mit ihren Patinnen (hinterste Reihe, von rechts) Maike Lück, Katrin Siemens und Swantje Pützer, sowie Birgit Weusmann (Koordination)