Didaktik der Biologie

Laura Maria Heinisch

Wissenschaftliche Mitarbeiterin & Doktorandin

Raum:    W3-2-230

Telefon:  0441 798 3919

E-Mail:   laura.maria.heinisch@uni-oldenburg.de

Anschrift:

Carl von Ossietzky Universität Oldenburg

Institut für Biologie und Umweltwissenschaften

AG Biologiedidaktik

Carl-von-Ossietzky Str. 9-11

26111 Oldenburg

Studium

10/2011 - 09/2014

Studium der Fächer Chemie und Biologie als Zweifach-Bachelor (Berufsziel Gymnasiallehramt) an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg

Abschluss: Bachelor of Science in Chemie und Biologie

Thema der Bachelorarbeit: Ergänzung und Optimierung ausgewählter organisch-chemischer Inhalte in der Wikipedia-Enzyklopädie unter Berücksichtigung methodischer und didaktischer Prinzipien.

10/2014 – 09/2016

Studium der Fächer Chemie und Biologie im Master of Education an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg

Abschluss: Master of Eduaction in Chemie und Biologie

Thema der Masterarbeit: Vorstellungen und Konzepte von Schülerinnen und Schülern zur Überwinterung von Tieren – eine qualitative Interviewstudie.

Dissertationsvorhaben

Ethische Bewertungskompetenzen von Jugendlichen zu den Möglichkeiten der Genom-Editierung

 

Theoretischer Hintergrund:

Neue molekularbiologische Methoden der Genom-Editierung versprechen die Heilung von schweren Krankheiten wie Krebs oder Mukoviszidose. Insbesondere die im Jahr 2012 entdeckte Endonuklease CRISPR/Cas9 ermöglicht zielgerichtete und präzise Eingriffe in das Genom (Jinek, et al., 2012). CRISPR (clustered regularly interspaced short palindromic repeats) sind kurze sich wiederholende DNA-Sequenzen im Erbgut von Bakterien. Mit Hilfe dieser Sequenzen „erinnern“ sich die Bakterien an einen überlebten Virus, indem sie ihn in ihre eigene DNA einbauen. Die Endonuklease Cas9 kann mit Hilfe von passenden RNA-Strängen erneut diesen Virus erkennen und zerschneidet die DNA des Virus bei einer Übereinstimmung (weitere Informationen: Gen-editing mit CRISPR/Cas9 von der Max Planck Society). Durch Modifikationen ist es Wissenschaftlern gelungen diesen CRISPR/Cas9-Komplex auch für Pflanzen, Tiere und Menschen nutzbar zu machen und so Resistenzen oder besseres Wachstum hervorzurufen (Knox, 2015). Mediziner in China setzen 2016 erstmals dieses molekulare Werkzeug bei Lungenkrebspatienten ein (Osterkamp, 2016). Neben den Hoffnungen, die diese Methode weckt, werden gleichzeitig zentrale ethische Werte berührt. Besonders die Frage nach der Menschenwürde und die Frage nach dem Grundrechtstatus des Embryos werden so erneut in den Fokus gerückt (Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, 2015). Ein solcher Eingriff in die Keimbahn des Menschen würde nicht nur ein Individuum betreffen sondern generationenübergreifende Folgen haben (Ledford, 2015). Deshalb ist die Befragung, wie die zukünftigen Anwender diese Art der Keimbahntherapie und der somatischen Gentherapie bewerten, von hoher Relevanz. Seit dem Jahr 2004 ist in den Bildungsstandards des naturwissenschaftlichen Unterrichts die Förderung der ethischen Bewertungskompetenz fest im Kerncurriculum verankert (Kultusministerkonferenz, 2005). Durch diesen festen Unterrichtsbestandteil sollen die Schülerinnen und Schüler dazu befähigt werden, eine bewusste, reflektierte, kritisch hinterfragte und argumentativ fundierte Urteilsbildung zu modernen Fortschritten in der Forschung zu fällen (Alfs, Waldegge, & Hößle, 2012).

Im Rahmen dieser Studie sollen Jugendliche im Alter von 15-18 Jahren (n=50) hinsichtlich ihrer ethischen Bewertungskompetenzen im Bereich der Genom-Editierung erhoben werden. Dazu wird diese über eine qualitative Fragebogenstudie und mit wenigstens sechs vertiefenden Interviews erfasst. Zur Entwicklung der Fragebögen wird das Oldenburger Modell der Bewertungskompetenzen herangezogen (vgl. Abb. 1). So wird versucht alle Dimensionen der Bewertungskompetenz zu untersuchen. Als Grundlage für die Fragebögen dienen ethische Dilemmata, welche einen Bezug zur CRISPR/Cas9-Methode haben.

Es handelt sich bei dieser Forschungsarbeit um einen Teil aus einem BMBF-geförderten Kooperationsprojekt mit der MHH in Hannover und der Universität Hamburg. Die MHH in Hannover erhebt ebenfalls über Fragebögen und Interviews die Bewertungskompetenzen von Studierenden der Medizin, der Life-Science und der Sozial- und Humanwissenschaften zu selbigem Thema. In Hamburg werden Gruppendiskussionen mit sowohl Jugendlichen als auch Studierenden durchgeführt. 

Ausblick:

Mit Hilfe dieser Arbeit können die Bewertungskompetenzen der Jugendlichen zu dem brisanten Thema der Genom-Editierung erfasst werden. Dazu werden ethische Dilemmata aus der humangenetischen Diagnose und Beratung erstellt. Abschließend an die Befragungen der Jugendlichen sollen Leitlinien für die Schule entwickelt werden. Diese Leitlinien sollen langfristig dafür sorgen, dass Schülerinnen und Schüler auf die Partizipation am öffentlichen Diskurs vorbereitet werden und verantwortungsvoll urteilen und handeln. Durch die Kooperation mit der MHH und der Universität Hamburg können Vergleiche zwischen Studierenden unterschiedlicher Fächer und den Jugendlichen gezogen werden. Zusätzlich kann beschrieben werden, wie sich die Bewertungskompetenzniveaus verändern und entwickeln. Die an der Uni Hamburg geführten Gruppendiskussionen sollen mit der „grounded theory“ ausgewertet werden. So kann noch einmal verglichen werden, ob das Oldenburger Modell der Bewertungskompetenz alle wesentlichen Teilkompetenzen der Bewertung abdeckt.

Literaturangabe:

Alfs, N., Waldegge, K. H., & Hößle, C. (2012). Bewertungsprozesse verstehen und diagnostizieren. Zeitschrift für interpretative Schul- und Unterrichtsforschung(1), S. 83-112.

Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, z. (Hrsg.). (2015). Genomchirurgie beim Menschen - zur verantwortlichen Bewertung einer neuen Technologie. Von www.gentechnologiebericht.de/bilder/BBAW_Genomchirurgie-beim-Menschen_PDF-A1b.pdf abgerufen

Jinek, M., Chylinski, K., Fonfara, I., Hauer, M., Doudna, J., & C. E. (17. 08 2012). A programmable dual-RNA-guided DNA endonuclease in adaptive bacterial immunity. Science, S. 816-821.

Knox, M. (09 2015). Gezielter Eingriff ins Erbgut. CRISPR/Cas9 - Erbgut auf dem Schneidetisch, S. 4-11.

Kultusministerkonferenz. (2005). Bildungsstandards im Fach Biologie für den mittleren Schulabschluss. Beschluss vom 16.12.2004. München: Luchterhand.

Ledford, H. (2015). Neue Werkzeuge - CRISPR verändert alles. CRISPR/Cas9 - Erbut auf dem Schneidetisch, S. 12-22.

Osterkamp, J. (16. 11 2016). Spektrum.de. Abgerufen am 21. 11 2016 von www.spektrum.de/news/crispr-cas9-soll-krebs-bekaempfen/1429863

Reitschert, K., Langelt, J., Hößle, C., Scheid, N. M., & Schlüter, K. (2007). Dimensionen ethischer Urteilskompetenz. MNU(1), S. 43-51.