Didaktik der Biologie

Julia Warnstedt

Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg
Institut für Biologie und Umweltwissenschaften
AG Biologiedidaktik
Carl-von-Ossietzky-Straße 9-11
26111 Oldenburg

Raum:  W3 2-207
Tel:     0441 798 3265
e-mail: julia.aline.warnstedt(at)uni-oldenburg.de

Diagnose und Förderung heterogener Gruppen (4DiF)

Das von der Deutschen Telekom Stiftung finanzierte Projekt „Diagnose und Förderung heterogener Lerngruppen“ ist Teil eines Verbundes von vier Universitäten mit Lehrerbildung in den MINT-Fächern. Der Verbund hat das Ziel, Studierende des Lehramts gezielt darauf vorzubereiten, in ihrem zukünftigen Berufsfeld mit Heterogenität theoriegeleitet und adressatenorientiert umzugehen.

An der Universität Oldenburg werden hierzu in den Bildungswissenschaften und in den Fachdidaktiken der Biologie, Physik und Mathematik Lehrveranstaltungen entwickelt, die die Studierenden in ihrem Aufbau von diagnostischen Kompetenzen unterstützen. Ein weiteres Ziel ist die Entwicklung von vignettenbasierten Lehr-Lern-Instrumenten. Übergreifend wird ein Konzept zur curricularen Verzahnung von fachdidaktischen und bildungswissenschaftlichen Ausbildungssequenzen erarbeitet.

In der Biologiedidaktik befasst sich Julia Warnstedt im Rahmen ihrer Dissertation mit der Entwicklung diagnosebasierter Handlungskompetenz von Lehramtsstudierenden durch ihre Tätigkeit im Lehr-Lern-Labor Wattenmeer des ICBM (Institut für Chemie und Biologie des Meeres) und der Biologiedidaktik der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg.

Dissertationsvorhaben

Theoretischer Hintergrund und Fragestellung. In Anlehnung an die Ergebnisse der PISA-Studie 2000 verabschiedete die Kultusministerkonferenz elf Standards zur Lehrerbildung, in denen explizit auf die Förderung von Diagnosekompetenz angehender Lehrkräfte hingewiesen wird (KMK, 2014; S. 11). Schrader (2001; S. 91) beschreibt die diagnostische Kompetenz von Lehrkräften als die Fähigkeit, Personen zutreffend zu beurteilen. In der unterrichtlichen Praxis steht die Diagnose in enger Relation mit der individuellen Förderung, die anhand von vorab beschriebenen Schülermerkmalen erfolgt. Diagnosekompetenz ist damit eine Facette des professionellen Handlungswissens einer Lehrkraft (Baumert et al., 2011; S. 216).

Es ist somit von zentraler Bedeutung Lerngelegenheiten zu schaffen, in welchen Diagnosefähigkeiten angehender Lehrkräfte frühzeitig geschult werden. Lehr-Lern-Labore stellen eine solche Gelegenheit dar. Steffensky & Parchmann (2007; S.4) konkretisieren für die Arbeit im Lehr-Lern-Labor, „[…] the student teachers have the opportunity […] to concentrate on teaching and learning sequences, as they do not have to worry about classroom management[…]“.

Im Lehr-Lern-Labor Wattenmeer (www.lernlabor-wattenmeer.de) haben Lehramtsstudierende des Faches Biologie die Möglichkeit, unter fachdidaktischer Begleitung Lernangebote zum Thema Wattenmeer zu entwickeln und mehrmalig zu erproben.  Im Rahmen eines begleitenden Seminars werden die Lehrerfahrungen gemeinsam reflektiert und die Lernangebote anhand diagnostizierter Schülermerkmale, wie Schülervorstellungen und schülerbezogener Lernschwierigkeiten beim Experimentieren, adaptiert und optimiert.

Ziel der Studie ist die Entwicklung von Testinstrumenten zur Untersuchung der Diagnose- und Handlungsfähigkeiten von Studierenden des Moduls Lehren und Lernen im Schülerlabor Wattenmeer. Folgende Fragestellungen sollen fokussiert werden: Inwieweit gelingt es den Studierenden, Schülermerkmale und schülerbezogene Lernprozesse zu diagnostizieren sowie die eigenen Lehrstrategien anhand der Diagnosegegenstände zu adaptieren, um Lernprozesse zu fördern?

Forschungsmethodik. Zur Analyse des diagnosebasierten Handlungswissens werden insgesamt acht schriftliche Vignetten mit begleitenden Aufgaben nach Tepner & Dollny (2014) sowie Rehm & Bölsterli (2014) entwickelt und eingesetzt. Die Vignetten beinhalten Unterrichtssituationen, in welchen Schülervorstellungen oder Lernschwierigkeiten dargestellt sind sowie verschiedene, von erfahrenen Lehrkräften vorgeschlagene Handlungsmöglichkeiten im Umgang mit der dargestellten Unterrichtssituation. Um die Handlungsalternativen auf ein kommunizierbares Niveau zu heben, werden diese anhand eines eigens erstellten Kategoriensystems modifiziert. Die Studierenden werden aufgefordert, diese Handlungsalternativen über ein Rating-Scale-Format begründet zu beurteilen. Abschließend erfolgt ein Abgleich des Experten- (zehn Seminarleiter und Fachdidaktiker) und Novizenurteils. Darüber hinaus werden ausgewählte Studierende (4 - 8 Fälle) bei der Umsetzung ihrer Lehr-Lern-Angebote videografiert und anschließend aufgefordert, die zu beobachtenden Lernprozesse schriftlich zu diagnostizieren und Fördermöglichkeiten abzuleiten. Über dieses Verfahren soll ein möglicher Zuwachs an Diagnose- und Förderfähigkeiten tiefgehend analysiert und somit auch das Begründungswissens der Studierenden erhoben werden. Die erhobenen Daten zum vignettenbasierten Testinstrument und zu den Interviews werden inhaltsanalytisch kategorisiert. Alle Datensätze werden doppelt geratet und die Interraterreliabilität über Cohen‘s Kappa berechnet.

Ausblick. Bisher wurde nur in wenigen Studien die Wirksamkeit von Lehr-Lern-Laboren in der Lehrerbildung und in diesem Kontext insbesondere die Entwicklung von Diagnose- und Handlungskompetenzen in den Blick genommen (z. B. Fried, 2014; Hößle, 2014). Die Ergebnisse können erste Hinweise dazu liefern, inwieweit Diagnose- und Förderfähigkeiten von Studierende durch die Tätigkeit im Lehr-Lern-Labor erworben werden können. Aus der Studie resultieren zusätzlich erprobte Instrumente zur Analyse der Diagnose- und Handlungsfähigkeiten angehender Lehrkräfte.

Literaturverzeichnis

Fried, S., Elsholz, M. & Trefzger, T. (2014). Professionalisierung durch Praxisbezug im Lehr-Lern-Labor – Der Erwerb physikdidaktischer Kompetenzen im Lehr-Lern-Labor-Seminar. PhyDid B-Didaktik der Physik-Beiträge zur DPG-Frühjahrstagung

Hößle, C. (2014). Lernprozesse im Lehr-Lern-Labor Wattenmeer diagnostizieren und fördern. In: Fischer, A., Hößle, C., Jahnke-Klein, S., Niesel, V., Kiper, H., Komorek, M., Sjuts, J., (Hrsg). Diagnostik für lernwirksamen Unterricht. Hohengehren: Schneider-Verlag

Kultusministerkonferenz (2014): Standards für die Lehrerbildung: Bildungswissenschaften. Neue Fassung des Beschlusses der KMK vom 16.12.2004. Verfügbar unter: www.kmk.org/fileadmin/veroeffentlichungen_beschluesse/2004/2004_12_16-Standards-Lehrerbildung-Bildungswissenschaften.pdf [Abrufdatum: 29.10.15]

Rehm , M., & Bölsterli, K. (2014). Entwicklung von Unterrichtsvignetten. In D. Krüger, I. Parchmann, & H. Schecker, Methoden der naturwissenschaftlichen Forschung (S. 213 - 225). Berlin, Heidelberg: Springer.

Tepner, O., & Dollny, S. (2014). Entwicklung eines Testverfahrens zur Analyse fachdidaktischen Wissens. In D. Krüger, I. Parchmann, & H. Schecker, Methoden in der naturwissenschafts-didaktischen Forschung (S. 311 - 323). Berlin, Heidelberg: Springer.

Schrader, F.-W. (2001). Diagnostische Kompetenz von Eltern und Lehrern. In D. H. Rost (Hrsg). Handwörterbuch Pädagogische Psychologie. Weinheim: Beltz-Verlag

Steffensky, M. & Parchmann, I. (2007). The project CHEMOL: Science education for children – Teacher education for students!; Chemistry Education and Practice 8 (2)

Tepner, O., & Dollny, S. (2014). Entwicklung eines Testverfahrens zur Analyse fachdidaktischen Wissens. In D. Krüger, I. Parchmann, & H. Schecker, Methoden in der naturwissenschafts-didaktischen Forschung (S. 311 - 323). Berlin, Heidelberg: Springer.

Vorträge und Präsentationen

Sept. 2015Posterpräsentation auf der 20. Internationalen Tagung der Fachsektion Didaktik der Biologie (FDdB) im VBiO. Universität Hamburg.
März 2013Conference-Poster: Light sensitivity of methanotrophic bacteria auf der Jahrestagung Vereinigung Allg. Angewandte Mikrobiologie (VAAM), Bremen.

Publikationen

Abstracts

Warnstedt, J. & Hößle (2015). Aneignung diagnosebasierter Förderkompetenz im Lehr-Lern-Labor Wattenmeer auf Spiekeroog. In Ulrich Gebhard, Marcus Hammann, Bettina Knälmann (Hrg.), Bildung durch Biologieunterricht. 20. Internationale Tagung der Fachsektion Didaktik der Biologie (FDdB) im VBiO und des Forums Fachdidaktik & Schulbiologie (S. 380 - 381). Universität Hamburg. Verfügbar unter: http://bildungdurchbiologie2015.de/Abstractband.pdf (23. November 2015)

 

Warnstedt, J. & Bussmann (2013). Light sensitivity of methanotrophic bacteria. Tagungsband zur Jahrestagung der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM) zusammen mit der Koninklijke Nederlandse Vereniging voor Microbiologie (KNVM). In Biospektrum - Das Magazin für Biowissenschaften (S. 173). Heidelberg: Springer-Verlag. Verfügbar unter: www.vaam.de/tl_files/vaam/Tagungen/Tagungsband_2013.pdf (23. November 2015)

Wissenschaftlicher Werdegang

2014Wissenschaftliche Hilfskraft im Lehr-Lern-Labor Wattenmeer der AG Biologiedidaktik und des Instituts für Chemie und Biologie des Meeres (ICBM) der Universität Oldenburg
2010 – 2013Master of Science in Marine Umweltwissenschaften an der Universität Oldenburg
2010 – 2013Bachelor of Science in Biologie und Chemie (Gymnasiallehramt) an der Universität Oldenburg
2012 – 2013Masterarbeit am Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung auf Helgoland zum Thema Methanoxidierende Bakterien im Elbeästuar (AG Shelf Sea System Ecology)
2012 Wissenschaftliche Hilfskraft auf der Forschungsstation Spitzbergen des Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AG In situ Ecology)
2011 Wissenschaftliche Hilfskraft an Bord der FS Heincke unter der Leitung von Dr. Thomas Badewien der AG Marine Biosensoren
2010Bachelorarbeit am Heinrich-Pette-Institut für Molekulare Virologie in Hamburg zum Thema Transformation humaner Amniozyten durch adenovirale Onkogene
2007 – 2010Bachelor of Science in Biologie an der Universität Hamburg