Graduiertenkolleg Selbst-Bildungen

Meldungen aus dem Graduiertenkolleg

30.08.2017 – DFG Graduiertenkolleg "Selbst-Bildungen"


Cellini-Nachwuchspreis für Miriam Wilhelms Abschlussarbeit "Auf Messers Schneide? – Visualisierungen weiblicher ‚Geschlechtsnatur‘ in Gabriel von Maxens ‚Der Anatom‘"

Abbildungsnachweis: aus „Gabriel von Max. Malerstart, Darwinist, Spiritist“, Ausstellungskatalog Lenbachhaus, hrsg. von Karin Althaus / Helmut Friedel, Hirmer Verlag München: 2010, S. 94-95.

Miriam Wilhelm, seit 01. Oktober 2016 assoziiertes Mitglied des DFG-Graduiertenkollegs „Selbst-Bildungen“ aus der Fachdisziplin Kunstwissenschaft, wurde der Nachwuchspreis des Kunsthistorischen Instituts der Goethe-Universität Frankfurt am Main verliehen. Mit dieser von der Benvenuto Cellini-Gesellschaft, einem Kreis aus Freunden und Förderern des Frankfurter Kunsthistorischen Instituts, vergebenen Auszeichnung werden die herausragenden Abschlussarbeiten eines Jahrgangs von Absolventen und Absolventinnen geehrt.

Miriam Wilhelm erhält den Cellini-Preis für die von ihr verfasste Master-Abschlussarbeit mit dem Titel „Auf Messers Schneide? – Visualisierungen weiblicher ‚Geschlechtsnatur‘ in Gabriel von Maxens Der Anatom“, in der sie der Frage nach implizit und/oder explizit vermittelter Geschlechtlichkeit innerhalb der Visualisierung des toten Frauenkörpers im Werk des Münchener Salonkünstlers nachgeht.

Mit dem 1869 auf der Münchener Internationalen Kunstausstellung präsentierten, großformatigen Ölgemälde erlangte Gabriel Cornelius von Max – ortsansässiger Künstler, Naturphilosoph und begeisterter Darwinist – zweifelhaften Ruhm. Denn während einige Kunstkritiken diese Bildschöpfung als Sensationswerk zelebrierten, sahen zahlreiche Pressestimmen zugleich in der Motivwahl – ein greisenhafter Anatom, der im Begriff ist den toten Körper einer jungen Schönheit zu sezieren – den Beleg für Maxens Anpassung an den korrumpierten, weil zu Morbiditäten neigenden Publikumsgeschmack des Fin de Siècle. So kann es demnach kaum verwundern, dass Der Anatom als typisches Exempel von Decadénce und Salonmalerei – trivial, dekorativ und verklärt – angeführt wird.

Basierend auf dem Bildbefund zeigt die Arbeit die symptomatischen Beeinflussungslinien seitens zeitgenössisch relevanter Diskursfelder auf und macht deutlich, inwiefern den Wissenschaftsdebatten der Zeit entlehnte und einer vergeschlechtlichenden Logik folgende Schemata – Nervosität, Sensitivität und ‚Hysterie‘ – zum Bildspender für Maxens künstlerische Insbildsetzung von Femininität wurden.

Miriam Wilhelm erhält darüber hinaus ab 01. September 2017 die Promotionsförderung der Studienstiftung des deutschen Volkes.

Im Rahmen des DFG-Graduiertenkollegs „Selbst-Bildungen“ arbeitet sie an ihrem Dissertationsprojekt zur Künstlerinnenforschung im Kontext jugoslawischer Avantgardekunst der 1920er Jahre, insbesondere des Zenitismus.