Graduiertenkolleg Selbst-Bildungen

 

Theresa Kauder

Ammerländer Heerstraße 114-118
26129 Oldenburg
Gebäude A3, Raum A3 1-102
Tel.: +49 441 798-2351
theresa.kauder(at)uni-oldenburg.de

PROMOTIONSPROJEKT

Ethopoetiken

Abstract

In meinem Promotionsprojekt untersuche ich autobiographisches Schreiben, welches ein herkömmliches Verständnis von Autobiographie und eine damit verbundene Cartesianisch-Kantische Subjektivität selbstreflexiv unterwandert. Dieses Schreiben steht weiterhin im Zusammenhang mit einem maßgeblich im Nachkriegsfrankreich prominent gewordenen theoretischen Schreiben, welches sich weder als rein philosophisches, noch als rein wissenschaftliches, oder als rein poetisch-fiktionales Schreiben fassen lässt. Mit Foucaults archäologisch-genealogischer Untergrabung dessen, was um 1800 als „Mensch“ und „transzendental-empirische Dublette“ auf die Bühne der Episteme tritt, speist sich Autobiographie und ihre Gattungsgeschichte, wie sie etwa von Georg Misch beschrieben wird, aus einem spezifisch anthro-pologischen Wissen, in dem sich pastorale Regierungskünste der Seelenhermeneutik erweitert und säkularisiert haben. Wiederum mit Foucault (oder auch mit Nancy/Laclau-Labarthes) gelesen, rührt ebenso jenes hybride Schreiben aus einem in der Romantik entstandenen Gegen-Diskurs zur wissenschaftlichen Objektivität. Das Promotionsprojekt verfolgt nicht nur eine foucaultianische Archäologie eines hybriden Schreibens über sich selbst. Es formuliert überdies die These, dass sich autobiographische Fragmente – etwa von Barthes, Derrida, Cixous, Kristeva oder Kofman – nicht mehr als Autobiographie lesen lassen. Vielmehr möchte ich sie daher als Ethopoetiken fassen. Der Begriff der Ethopoetik wird vom späten Foucault referierend auf Plutarch in Gebrauch genommen und suggeriert eine spezifische Form der Écriture de soi – ein Schreiben über sich oder für sich selbst, welches kein Selbst-Bewusstsein oder Selbst-Geständnis vor einer theologischen, wissenschaftlichen oder biopolitischen Autorität (re-)produziert. Autobiographie steht mit Foucault in der Tradition des Geständnisssubjekts (Augustinus, Rousseau et cetera). Gegenüber der die aktuelle Autobiographietheorie und -forschung beherrschenden Autofiction von Serge Doubrovsky, erlaubt eine ethopoetische Lesart weniger den Akzent auf die Fiktionalität der dem Autobiographischen scheinbar innewohnenden Authentizität zu legen, als vielmehr das narrative Herstellen neuer Selbstverhältnisse hervorzuheben. Eine mit dem späten Foucault pointierte praxeologische Lesart ästhetischer Selbst-Bildung überwindet die gattungspoetologisch eingeschriebene ontologische Frage von Fakt und Fiktion.

Kurzbiografie

Seit 2016

Doktorandin am DFG-Graduiertenkolleg „Funktionen des Literarischen in Prozessen der Globalisierung“, Ludwig-Maximilians-Universität München; assoziierte Doktorandin am DFG-Graduiertenkolleg „Selbst-Bildung. Praktiken der Subjektivierung“, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg.

2012-2016

Studentische Mitarbeiterin, Humboldt-Universität zu Berlin, Institut für Kulturwissenschaft, Fachbereich Ästhetik.

2014-2015

  

Tutorin, Humboldt-Universität zu Berlin; Lektürekurs zur zeitgenössischen Politischen Theorie; u.A. Organisation der von der Humboldt-Universitäts-Gesellschaft (HUG) geförderten Ringvorlesung „Subversion und Politische Differenz“.

2016

M.A. Kulturwissenschaft, Humboldt-Universität zu Berlin; Masterarbeit: „Ethopoetiken des Selbst. Über Erfahrung, Regierung, Ethik, Parrhesia und Kritik im späten Michel Foucault“.

2012

B.A. Kulturwissenschaft, Kunst- und Bildgeschichte, Humboldt-Universität zu Berlin; Bachelorarbeit: „Vom Spiegelbild zur Bühne. Schreiben, Subjekt und Autobiographie in ‚Roland Barthes par Roland Barthes’“.

Vorträge

04.11.2016      

„Ethopoetik als Kritik: Zum späten Foucault”; Konferenz: „Foucault revisited”, Universität Wien; Institut für Politikwissenschaft; veranstaltet von Oliver Marchart.

07.07.2015

„Weibliches Begehren in der Schrift: Über den Traum bei Cixous, Derrida und Freud”; Konferenz „Literatur und Traum”, Universität Chemnitz; veranstaltet vom Studentischen Komparatistik Kongress (SKK) 2015.

31.05.2015

„From Mirror to Stage: On Subject, Writing and Autobiography in Roland Barthes par Roland Barthes”; Konferenz: „Barthes@100”, Cardiff University/Institut français Royaume-Uni; Department of Comparative Literature; veranstaltet von Neil Badmington, cf. rolandbarthesat100.blogspot.de

Publikationen

(2014): Textile Subversionen. Zum Topos ›Mode und Geschlecht‹ in der literarischen Rezeption bei Thomas Meinecke. In: Chiara Juchem et al. (Hg.): Obszön. Variationen des Erregenden. Reihe SYN. Magazin für Theater-, Film- und Medienwissenschaft. Bd. 9. Berlin, Münster, Wien, Zürich, London. LitVerlag. S. 17-30.