Graduiertenkolleg Selbst-Bildungen

Miriam Wilhelm

 

Miriam Wilhelm

Ammerländer Heerstraße 114-118
26129 Oldenburg
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Tel.: +49 441 798-2351
miriam.wilhelm(at)uni-oldenburg.de

PROMOTIONSPROJEKT

Vjera Biller – Jugoslawische Avantgarde und Zenitismus. Reflexionen zu künstlerischen Selbstbildungen im Sujet des (barbarischen) Kindes.

ABSTRACT

Das Forschungsvorhaben wird der Frage nachgehen, welche Subjektivierungsangebote die Figur des (barbarischen) Kindes für die Eigen- und Fremdwahrnehmung expressionistischer Künstler*innen in der Moderne bereitstellt, aufgreift und modifiziert. Im Vordergrund wird dabei als eine exemplarische Fallstudie das Oeuvre der bislang nahezu unbekannten, südungarischen Künstlerin Vjera Biller stehen, die der avantgardistischen Strömung des Zenitismus um die in Zagreb situierte Zeitschrift Zenit angehört und sich im besonderen Maße dem Sujet des Kindes gewidmet hat. Basierend auf Bildcorpus und Archivmaterialen soll Vjera Billers Kindermotivik in Korrelation zur Wahrnehmung von Kindheits- und Ursprünglichkeitskonzepten im Kontext länder- und zeitspezifischer Avantgardedebatten des ehemaligen Jugoslawiens gesetzt, dabei vor allem der Einfluss der Kategorie ‚Geschlecht’ auf das bildgebende Motiv des Kindes reflektiert werden. Die visuelle Anrufung der Kinderfigur zum Zwecke der Selbstbildung soll insbesondere in Hinblick auf die im zenitistischen Kunstkreis normative Hypervirilität, die sich aus antizivilisatorisch-archaischen Männlichkeitsformeln des Hajduken- und Barbarentums speist, als eine im weitesten Sinne emanzipatorische Subjektivierungspraxis beleuchtet werden. Vermittels der Kinderfigur, die auf Elemente von Ursprünglichkeit, Antizivilisation und Primitivismus rekurriert, scheinen sich Kunstproduzent*innen trotz jener Exklusion, Zugang zum zenitistischen Diskurs über das Barbarische zu verschaffen – stets unter Verortung der eigenen Identität(en) als Künstler*in. Das Projekt orientiert sich an Methoden der poststrukturalistischen Diskursanalyse sowie an Einsichten der Gender- und Visual Culture Studies, und hofft damit einen Beitrag zur kritischen Hinterfragung sowie Destabilisierung einer nach wie vor stark westeuropäisch geprägten Kunstge-schichtsschreibung und zur Diversifizierung der Avantgardeforschung zu leisten.

Forschungsschwerpunkte

  • Avantgardekunst der 1910er, 1920er und 1930er Jahre des ehemaligen Jugoslawiens
  • jüdische Kunst
  • Genre- und Salonmalerei des Fin de Siècle

Kurzbiografie

2009-2013Universität Trier (Kunstgeschichte und English Language and Literature, Bachelor of Arts)
2013Studienaufenthalt in London, Großbritannien
2013-2016Goethe-Universität Frankfurt a.M. und Städelschule – Hochschule für Bildende Künste (Curatorial Studies – Theorie, Geschichte, Kritik, Master of Arts)

Weitere wissenschaftliche Tätigkeiten

2013      Studentische Mitarbeiterin am Lehrstuhl der Kunstgeschichte an der Universität Trier, innerhalb des DFG-Projekts Wissensraum Körper – Visualisierungen der Syphilis in Mittelalter und Früher Neuzeit unter der Leitung von Herrn Prof. Dr. Dr. Tacke und Frau Dr. Münch.
2014Konzeption, Organisation und Umsetzung des Ausstellungsprojektes Vergessene Kör-per – Helmut Kolle und Max Beckmann in Kooperation mit dem Städel Museum, Frankfurt am Main.
2015Studentische Mitarbeiterin am Historischen Seminar der Goethe-Universität Frankfurt am Main, im Rahmen des DFG-Projektes Ikonologie der Geschichtswissenschaften in Ko-operation mit dem Exzellenzcluster-Projekt Ikonologie der Geschichtswissenschaft. Wege zur bildlichen Formierung historischen Denkens (Normative Orders) unter der Leitung von Herrn Prof. Dr. Bernhardt Jussen.

Publikationen

Wilhelm, Miriam: „Ich war nie zufällig befreundet...“ – Wilhelm Uhdes Vermarktungsstrategien und seine Korrespondenz mit Georg Szwarzenski, in Stefanie Heraeus (Hrsg.): Vergessene Körper – Helmut Kolle und Max Beckmann, Ausst.Kat. Städel Museum, Frankfurt am Main. bei transcript, Bielefeld 2014, S. 81-86.

Auszeichnungen

2014-2015Deutschlandstipendium für herausragende, studentische Leistung(en)
2017Preisträgerin des Cellini-Preises des Kunsthistorischen Instituts der Goethe-Universität Frankfurt a.M. (Honorierung der besten Abschlussarbeit eines Jahrgangs)
seit September 2017Stipendiatin der Studienstiftung des deutschen Volkes (Promotionsförderung)