Graduiertenkolleg Selbst-Bildungen


Denise Baumann

Ammerländer Heerstraße 114-118
26129 Oldenburg
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Tel: +49 441 798-2374
denise.baumann(at)uni-oldenburg.de

PROMOTIONSPROJEKT

Dick, aber wie?! Praktiken der Selbst-Bildung in Weight Watchers Treffen und der Fat Acceptance-Bewegung in Deutschland

ABSTRACT

Übergewicht wird in den westlichen Industrienationen und mittlerweile auch in Entwicklungsländern als eines der größten Gesundheitsprobleme angesehen. ‚Globesity‘ ist das Schlagwort, mit dem das ‚epidemische Ausmaß‘ (WHO) der weltweiten Ausbreitung von Übergewicht tituliert wird. Auch in den Medien ist das Thema omnipräsent und wird als Risiko für den Einzelnen und die gesellschaftliche Solidargemeinschaft als Ganzes thematisiert. Mit der weltweiten Zunahme von Übergewicht und Adipositas und der überwiegend negativen Berichterstattung über ‚Übergewichtige‘ stellt sich die Frage nach der gesellschaftlichen Stellung und Repräsentation dicker Menschen. Während sich ganze Forschungszweige der Medizin und Sozialwissenschaften auf die Analyse der Ursachen und Folgen von Übergewicht spezialisiert haben, ist die empirisch fundierte Untersuchung der Alltagserfahrung des Dickseins bisher kaum erfolgt. Das Dissertationsprojekt setzt hier an; es geht nicht von der medizinischen Kategorie des ‚Übergewichts‘ aus, sondern fasst ‚Dicksein‘ als prozesshafte soziale Praxis und setzt sich empirisch mit Praktiken der Selbst-Bildung in Vergemeinschaftungen Dicker auseinander. Durch einen Vergleich zwischen Weight Watchers-Treffen und der Fat Acceptance-Bewegung in Deutschland wird herausgearbeitet welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten Dicksein in diese Vergemeinschaftungen aufweist, wie TeilnehmerInnen in die Vergemeinschaftungen involviert werden, wie gemeinsam Dicksein praktisch funktioniert und wie die Vergemeinschaftungen Dicksein als eine soziale Kategorie hervorbringen und stabilisieren, die die Selbsterfahrung und Identität ihrer TeilnehmerInnen beeinflusst und damit zur Selbst-Bildung genutzt werden kann. In der ethnografischen Studie, die teilnehmende Beobachtung, Interviews, Gruppendiskussionen und die Analyse von Dokumenten umfasst, werden die sprachlichen, körperlichen und selbstdarstellerischen Praktiken der TeilnehmerInnen dieser Vergemeinschaftungen untersucht, als auch die Verbindungen, Bezüge und Positionierungen der Vergemeinschaftungen zueinander expliziert, sowie eine historische und kulturelle Einordnung der Praxis des Dickseins vorgenommen. Das Projekt schließt damit an die noch junge Forschungsrichtung der ‚Fat Studies‘ an und bewegt sich thematisch im Schnittpunkt dreier aktueller sozialwissenschaftlicher Forschungsrichtungen: Der Körpersoziologie, der Forschung zur Mediatisierung der Gesellschaft und der Forschung zu Praktiken der Humandifferenzierung. Ziel des Projekts ist es, einen soziologischen Forschungsbeitrag zur Praxis des Dickseins zu leisten, indem Leibesfülle nicht, wie im Großteil der bestehenden Forschung zum Thema, als sozial exkludierender Körperzustand betrachtet wird, sondern als ein Einflussfaktor in Selbstbildungsprozessen und als Ausgangspunkt von Vergemeinschaftung behandelt wird.

Forschungsschwerpunkte

  • Praxistheorien
  • Mediensoziologie
  • Soziologie des Körpers
  • Qualitative Methoden der Sozialforschung
  • Praktiken körper(form)bezogener online Vergemeinschaftung
  • Fat Studies

Kurzbiografie

seit 04/2015   Kollegiatin im Graduiertenkolleg "Selbst-Bildungen. Praktiken der Subjektivierung in historischer und interdisziplinärer Perspektive" an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
01/2014 - 04/2015   wissenschaftliche Hilfskraft im Arbeitsbereich „Soziologische Theorie und
Gender Studies“ an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
04/2012 - 09/1014   Masterstudium der Soziologie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Thema der Masterarbeit: „Altering perspectives, changing aspects, disturbing images: Prozesse der Konstruktion von body images bei Pro-Ana“
10/2008 - 03/2012   Bachelorstudium der Politikwissenschaft an der Johannes Gutenberg Universität Mainz, Thema der Abschlussarbeit: „Der Bundesrat als Reformbremse: Parteipolitisierung und andere Einflussfaktoren“

Lehre

WiSe 2016/17Seminar „Body Turn? Themen, Konzepte und Perspektiven einer Kulturanalyse und     -soziologie des Körpers“
SoSe 2016Seminar „Wissen des Körpers – Wissen vom Körper: Zum Konstitutionsverhältnis von Körper und Wissen“

Weitere wissenschaftliche Tätigkeiten

01/2014 - 05/2015   wissenschaftliche Hilfskraft im Arbeitsbereich „Soziologische Theorie und Gender Studies“ an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und im DFG-Projekt „Zu einer Soziologie der Schwangerschaft“ an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
04/2013 - 03/2014   Tutorin im Arbeitsbereich „Soziologische Theorie und Gender Studies“ an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Vorträge

Becoming ‘fat’. Practices of Subjectivation in Forms of Collectivization of Overweight People. Gehalten am 07.04.2016 bei der internationalen Tagung des Fachbereichs Ethnologie der Universität Bayreuth, Thema: “Beauty and the Norm. Debating Standardization in Bodily Appearance”, 6.-8. April 2016 in Bayreuth.

(Un)Mögliche Körper: Praktiken der Subjektivierung in Formen der Vergemeinschaftung Übergewichtiger. Gehalten am 03.03.2016 bei der Tagung am Arbeitsbereich am Fachbereich Erziehungswissenschaften, veranstaltet vom Institut Erziehungswissenschaften und Institut für Sportwissenschaft und Motologie der Philips Universität Marburg, Thema: „[UN] Möglich! Verkörperte und bewegte Heterotopien als Orte der Bildung“, 3.-5. März 2016 in Mainz.

Die Performanz des Scheiterns – Eine soziologische ‚Fehler‘suche im Alltag und der Forschungspraxis. Gehalten am 10.10.2014 bei der interdisziplinären Graduiertentagung des Deutschen Instituts, Abteilung Ältere deutsche Literatur der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Thema: „Epic Fail. Zur Ästhetik des Fehlers vom Mittelalter bis heute“, 9.–10. Oktober 2014 in Mainz.

Altering perspectives, changing aspects, disturbing images: Prozesse der Konstruktion von body images bei Pro-Ana. Gehalten am 25.10.2014 auf der internationalen, interdisziplinären Konferenz im Rahmen des DFG-Forschungsprojekts „Das optimierte Geschlecht?“ der LMU München, Thema: „Cut’n Paste The Body – Körper und Geschlecht in Zeiten ihrer technologischen (Re)Produzierbarkeit“, 24.–25. Oktober 2014 in München.