Textsorten

Im Laufe Ihres Studiums werden Sie mit verschiedenen Textsorten konfrontiert, die Sie beherrschen müssen. Die meisten davon werden auch zur Leistungsabfrage genutzt, daher ist die Textsortenkompetenz im Studium von besonderer Wichtigkeit. Diese Textsortenkompetenz entsteht nach und nach und wird idealerweise von den Dozenten begleitet.

Auf den folgenden Unterseiten finden Sie die wichtigsten Merkmale der jeweiligen Textsorten. Dabei ist aber immer zu beachten, dass eine Verallgemeinerung immer nur bis zu einem bestimmten Grad möglich ist, da die Anforderungen von Abteilung zu Abteilung und auch von Dozent zu Dozent unterschiedlich sein können.

Exposé

Charakteristika

„Exposé“ bedeutet übersetzt „Darstellung“, „Bericht“, „Übersicht“ oder „Schaustück“. Die Funktion des Exposés ist damit gut umschrieben: Sie berichten aus der Planungsphase Ihrer Arbeit, indem Sie den Forschungsstand wiedergeben, die von Ihnen beobachteten Forschungslücken, -desiderate, -kontroversen und Ihre Zielsetzung darstellen, eine Übersicht über Ihre Methode, Ihr Material und Ihren Zeitplan geben und dies nachvollziehbar präsentieren. Der Betreuer der Arbeit kann auf dieser Grundlage zu einer Einschätzung gelangen, ob das Schreibprojekt wie geplant durchführbar ist. Zudem gibt es aber auch dem Verfasser die Möglichkeit, das Schreibvorhaben kritisch zu reflektieren und zu hinterfragen. Da es als Diskussionsgrundlage dient, kann die darin formulierte Struktur im Laufe der Bearbeitung verändert werden. Der Umfang kann je nach Textsorte und Anforderung variieren (Hausarbeit, Abschlussarbeit, Stipendienantrag, Buchprojekt, etc.). Das Exposé, auf dessen Grundlage Sie eine Hausarbeit mit Ihrem Dozenten abstimmen möchten, können Sie in aller Regel auf zwei bis drei Seiten beschränken.

Struktur 

  • Thema und Arbeitstitel
  • Fragestellung
  • Forschungsstand und theoretische Bezüge
  • Methode und Vorgehen
  • Quellenkorpus/Material
  • Zeit- und (bei Bewerbungen für Förderprogramme) Finanzierungsplan
  • Bibliographie

Was wird erwartet?

Das Exposé dient als Planungsinstrument zum Abschluss Ihrer Planungsphase. Kurz und knapp sollen Sie Ihr Thema, Ihre Fragestellung, Ihr Vorgehen und Ihre Ressourcen konkretisieren und nachvollziehbar vorstellen.

In Bewerbungssituationen soll das Exposé zudem Gutachter von Ihrem Schreibprojekt überzeugen, indem es das Projekt inhaltlich nachvollziehbar vorstellt, Interesse für den Gegenstand des Projektes weckt, den Mehrwert/ die Förderwürdigkeit herausstellt und die Machbarkeit des Projekts und einen vertretbaren Betreuungsaufwand für den oder die Betreuende(n) belegt.

Was muss ich mit dem Dozenten/der Dozentin abklären?

  • Welchen Umfang soll das Exposé haben?
  • Welche Elemente sollen im Fokus stehen?

Hausarbeit

Charakteristika

Die Hausarbeit ist der Klassiker unter den geisteswissenschafltichen Prüfungsformen, da hier die Grundlagen des wissenschaftlichen Arbeitens geübt und verfeinert werden. In der Hausarbeit wird eine wissenschaftliche Fragestellung zu einem bestimmten Thema aus dem Seminarzusammenhang knapp und gut strukturiert erarbeitet. Dies geschieht auf der Basis der relevanten Fachliteratur und wichtigsten Quellen. Die Hausarbeit wird üblicherweise in Einzelarbeit angefertigt.

Der Umfang der Hausarbeit variiert je nach Modul (6 KP: 10-15 Seiten; 8/9 KP: 15-20 Seiten; 10/12 KP: 20-25 Seiten) und berechnet sich ohne Titelblatt, Inhalts-, Literatur- und Quellenverzeichnis.

Die formalen Kriterien sind vorgegeben und können hier nachgelesen werden.

Struktur

  • Titelblatt
  • Inhaltsverzeichnis
  • Einleitung
  • Hauptteil/ Argumentation
  • Schluss
  • Literatur- und Quellenverzeichnis

Was wird erwartet?

Eine vertiefende, wissenschaftliche Auseinandersetzung mit einem Thema aus dem Seminarzusammenhang sowie die Beherrschung der wissenschaftlichen und formalen Standards.

Was muss ich mit dem Dozenten/der Dozentin abklären?

  • Ist die Fragestellung dem Thema und Umfang der Arbeit angemessen und entspricht sie den wissenschaftlichen Anforderungen?
  • Ist die Gliederung nachvollziehbar? Sind alle Gliederungspunkte für die Beantwortung der Fragestellung relevant?
  • Gibt es abteilungs- oder epochenspezifische Anforderungen, die ich beachten muss?

Referat

Charakteristika

Ein Referat besteht aus einer mündlichen und einer schriftlichen Komponente. In dem mündlichen Vortrag wird die Erarbeitung einer wissenschaftlichen Fragestellung zu einem bestimmten Thema aus dem Seminarzusammenhang präsentiert. Dies geschieht auf der Basis der relevanten Fachliteratur und wichtigsten Quellen. Üblicherweise wird der Vortrag durch ein Handout/ Thesenpapier und eine mediale Präsentation unterstützt.

Die schriftliche Ausarbeitung richtet sich nach den gleichen formalen und strukturellen Kriterien wie die Hausarbeit. Während der Vortrag auch als Gruppenarbeit gehalten werden kann, wird die Ausarbeitung üblicherweise als Einzelarbeit angefertigt.

Der Umfang des Referats variiert je nach Modul (6 KP: 20-30 Min., max. 10 Seiten Ausarbeitung; 8/9 KP: 30-45 Min., max. 15 Seiten Ausarbeitung;  10/ 12 KP: 45-60 Min., max. 20 Seiten Ausarbeitung).

Im Rahmen einer Portfolio-Prüfungsleistung kann ein Kurzreferat von max. 15 Min. ohne Ausarbeitung verlangt werden.

Struktur

  • Vortrag
    • Einstieg: Gliederung und Zielsetzung
    • Hauptteil/ Argumentation
    • Schluss
    • ggf. Diskussion
  • Handout/ Thesenpapier
  • Mediale Präsentation

Was wird erwartet?

Eine vertiefende, wissenschaftliche Auseinandersetzung mit einem Thema aus dem Seminarzusammenhang, das präzise und gut strukturiert vorgetragen wird, sowie die Beherrschung der wissenschaftlichen und formalen Standards.

Was muss ich mit dem Dozenten/der Dozentin abklären?

  • Wie soll der Zuschnitt von Vortrag und Ausarbeitung sein? (Ist die Ausarbeitung eine Verschriftlichung des Vortrags? Soll der Vortrag breiter angelegt sein und in der Ausarbeitung ein bestimmter Aspekt vertieft werden?)
  • Soll ein Handout oder Thesenpapier erstellt werden?
  • Ist die Fragestellung dem Thema und Umfang der Arbeit angemessen und entspricht sie den wissenschaftlichen Anforderungen?
  • Ist die Gliederung nachvollziehbar? Sind alle Gliederungspunkte für die Beantwortung der Fragestellung relevant?
  • Gibt es abteilungs- oder epochenspezifische Anforderungen, die ich beachten muss?

Handout und Thesenpapier

Charakteristika

Handout und Thesenpapier werden zur Unterstützung eines mündlichen Vortrages zu Beginn der Sitzung an die Zuhörer verteilt. Um die Übersichtlichkeit zu gewährleisten, sollte der Umfang nicht mehr als drei Seiten betragen. Die Zielsetzung dieses Begleitmaterials kann variieren.

Das Handout bündelt den Inhalt des Vortrags knapp und übersichtlich. Damit soll das Zuhören erleichtert und außerdem eine Gedächtnisstütze für eine weitere Beschäftigung mit dem Thema gegeben werden.

Das Thesenpapier sollte ebenfalls die wichtigsten Eckpunkte des Vortrags beinhalten, der Fokus liegt hier allerdings auf der Ausformulierung der Leitfrage, des Argumentationsganges und einer oder mehrerer Thesen, die zur Diskussion gestellt werden.

Struktur Handout

  • Informationen zur Veranstaltung
  • Vortragsthema, Name(n) des/der Vortragenden
  • Inhalt des Vortrags in Stichpunkten
  • ggf. Anschauungs- und Diskussionsmaterial (Quellentexte, Abbildungen, etc.)
  • Literaturangaben, Abbildungs- und Quellennachweise

Struktur Thesenpapier

  • Informationen zur Veranstaltung
  • Vortragsthema, Name(n) des/der Vortragenden
  • ggf. Inhalt des Vortrags in Stichpunkten
  • Skizzierung von Leitfrage(n), Argumentation und These(n)
  • ggf. Anschauungs- und Diskussionsmaterial (Quellentexte, Abbildungen, etc.)
  • Literaturangaben, Abbildungs- und Quellennachweise

Was wird erwartet?

Eine knappe und übersichtliche Zusammenfassung des Vortrags, die als Gedächtnisstütze bzw. Diskussionsgrundlage dient.

Was muss ich mit dem Dozenten/der Dozentin abklären?

  • Wird ein Handout oder ein Thesenpapier verlangt?
  • Sollen Quellentexte verwendet werden?
  • Soll im Anschluss an den Vortrag eine Diskussion angeschoben werden?
  • Hat der Dozent/ die Dozentin eigene Anforderungen an das Begleitmaterial?
  • Gibt es abteilungs- oder epochenspezifische Anforderungen, die ich beachten muss?

Bachelor- und Masterarbeit

Charakteristika

Die Bachelor-/Masterarbeit ist eine schriftliche Abschlussarbeit, in der eine wissenschaftliche Fragestellung zu einem selbstgewählten Thema aus dem Fach bearbeitet wird. Das relevante Quellenmaterial und die Fachliteratur müssen zielgerichtet ausgewertet und kritisch hinterfragt werden. Zudem muss eine geeignete Methode ausgewählt und angewendet werden. Die Abschlussarbeit wird üblicherweise in Einzelarbeit angefertigt.

Der Umfang der Bachelorarbeit beträgt 35-40 Seiten bei einer Bearbeitungszeit von 15 Wochen. Bei der Masterarbeit richten sich die Bestimmungen nach der Art des Abschlusses:  M.Ed. GH oder R: Arbeit von 45-50 Seiten, Bearbeitungszeit 20 Wochen; M.Ed. Gym: Arbeit von 70-80 Seiten, Bearbeitungszeit 30 Wochen; M.A. Europäische Geschichte: Arbeit von 80-90 Seiten, Bearbeitungszeit 30 Wochen. Näheres können Sie hier unter "Erste Hilfe: FAQs" nachlesen.  

Die größten Herausforderungen bei der Abschlussarbeit sind die Auswahl der Fragestellung und das Zeitmanagement. Daher ist es ratsam, zunächst ein Exposé zu verfassen.

Struktur

  • Titelblatt
  • Inhaltsverzeichnis
  • Einleitung
  • Hauptteil/Argumentation
  • Schluss
  • Literatur- und Quellenverzeichnis

Was wird erwartet?

Laut Prüfungsordnung soll die Bachelor-/Masterarbeit zeigen, dass die oder der Studierende in der Lage ist, innerhalb der vorgegebenen Frist ein Problem aus einem der gewählten Studienfächer bzw. aus dem jeweiligen Masterstudiengang selbstständig nach wissenschaftlichen Methoden zu bearbeiten.

Was muss ich mit dem Dozenten/der Dozentin abklären?

  • Wer soll die Arbeit als Erst- und als Zweitgutachter betreuen?
  • Eignet sich das Thema für eine Abschlussarbeit?
  • Ist die Fragestellung dem Thema und Umfang der Arbeit angemessen und entspricht sie den wissenschaftlichen Anforderungen?
  • Ist die Methode geeignet und zielführend?
  • Ist die Gliederung nachvollziehbar?
  • Gibt es abteilungs- oder epochenspezifische Anforderungen, die ich beachten muss?

Struktur wissenschaftlicher Texte: Die Wandermetapher

Abb. entnommen aus Ulmi u.a. 2014, S.67.

Der Titel ermöglicht einen Blick auf die thematische Landschaft aus der Vogelperspektive. (1)

Im Inhaltsverzeichnis werden die einzelnen landschaftlichen Formationen aufgelistet, die zu durchschreiten sind. (3)

Die Einleitung stellt einen Aussichtspunkt dar, von dem aus die Landschaft als Teil einer größeren Umgebung betrachtet und die Route der Wanderung ersichtlich wird. (4)

Im Hauptteil wird das Terrain durchwandert und die Entdeckungen beschrieben, analysiert und verglichen. Hier wird aufgezeigt, entlang welcher Pfade die Details argumentativ miteinander verbunden sind. Zwischenstationen reflektieren den Wegverlauf und die Zusammenhänge. (5)

Der Schlussteil stellt wieder einen Aussichtspunkt dar, von dem aus die Wanderung in der Rückschau überblickt und ein Ausblick auf eine mögliche Weiterführung der Wanderung gegeben wird. (6)

Das Abstract blickt (ähnlich wie der Titel) aus der Vogelperspektive auf die Landschaft, hat aber die Erfahrung der Wanderung schon gemacht und fasst diese zusammen. Darum kann das Abstract erst am Ende geschrieben werden und gibt dem Leser eine Orientierung, ob sich die Wanderung für ihn lohnt. (2)

Quelle: Ulmi, Marianne u.a.: Textdiagnose und Schreibberatung. Fach-und Qualifizierungsarbeiten begleiten, Opladen/Toronto 2014, S. 66f.