Typologie

Typologie nach Scheuermann, Ulrike: Schreibdenken. Schreiben als Denk- und Lernwerkzeug nutzen und vermitteln, 2. Aufl. Opladen/Toronto 2013, S. 51-60.

Der Planer – Schreiben nach Fahrplan

Erst denken, dann schreiben – Der Planer schreibt nicht einfach drauflos, sondern überlegt sorgfältig. Am Anfang des Schreibprozesses steht meist eine strukturierte Gliederung, auf die der Planer viel Zeit verwendet. Der Übergang in die eigentliche Schreibphase fällt oft schwer und die Sätze werden möglichst druckreif ausformuliert. Beim Ausformulieren werden nur noch selten neue Ideen generiert, so dass eine Überarbeitung des Geschriebenen dem Planer eher schwer fällt.

Vorteile

Wenn Sie Ihre Schreibprojekte gründlich planen, behalten Sie den Überblick und folgen einer klaren Struktur. In der Schreibphase laufen Sie kaum Gefahr, abzuschweifen oder sich zu verzetteln. Durch das sorgfältige Formulieren lassen sich Ihre Texte gut lesen und erschließen sich dem Adressaten auf Anhieb.

Grenzen

Wenn noch keine Ideen parat sind, stößt das planende Schreiben schnell an seine Grenzen. Auch bei komplexen Themen, die sich schlecht im Vorfeld gliedern lassen, ist die Ausrichtung an einer starren Struktur eher hinderlich. Zudem laufen Sie Gefahr, nicht genug in die Tiefe zu gehen, wenn Sie sich sklavisch an die zu Beginn erstellte Gliederung halten.

Tipps

Methoden, die das ungeplante Drauflosschreiben trainieren und so implizites Wissen zu Tage fördern, können dem Planer zu mehr Flexibilität verhelfen.

Der Drauflosschreiber – Alles im Fluss

Wie der Name schon sagt, steigt der Drauflosschreiber früh in die Schreibphase ein. Gedanken und Strukturen entstehen beim Schreiben und wirken zunächst chaotisch. Der Textaufbau kann sich noch während des Schreibens verändern. Neue Impulse und Gedanken fließen sofort in den Text mit ein und werden mit dem bereits Geschriebenen verknüpft. Die Korrekturphase wird oft als mühsam empfunden.

Vorteile

Mit dieser Strategie nutzen Sie das Schreiben, um neue Ideen zu entwickeln und sich zu inspirieren. Da Sie gleich zu Beginn des Schreibprojekts viel Text produzieren, sind Sie motiviert und sicher, dass Sie gut vorankommen. Im besten Fall kommt es zum Schreib-Flow, der zusätzlich beflügelt.

Grenzen

Wenn schnell ein gut strukturierter, prägnanter Text entstehen soll, kann das Drauflosschreiben eher nachteilig sein. Auch wenn Sie sich an eine vorgegebene Struktur halten müssen, kommen Sie mit dieser Strategie schnell an Ihre Grenzen. Bei größeren und komplexen Schreibprojekten laufen Sie zudem Gefahr, sich zu verzetteln und den Roten Faden zu verlieren.

Tipps

Methoden und Techniken zum Systematisieren und (Rück-)Strukturieren helfen dem Drauflosschreiber, die Gedanken zu ordnen. Übungen zum Zeitmanagement können hier ebenfalls nützlich sein, um das Schreiben in geordnetere Bahnen zu lenken.

Der Versionenschreiber – Schreiben heißt Um-Schreiben

Der Versionenschreiber sieht seinen Text als rohes Material, das er immer wieder umformuliert und umformt. Es fällt ihm leicht, früh in die Schreibphase einzusteigen. Die Erstfassung ist sein Steinbruch für weitere Versionen. Er ist erst zufrieden, wenn er die beste Textvariante gefunden hat, auch wenn er dafür viel Geschriebenes verwerfen muss. Das Streben nach Perfektionismus kann als sehr zeit- und kraftaufwändig empfunden werden.

Vorteile

Durch diese Strategie hat Ihr geschriebener Text zunächst den Charakter des Vorläufigen, so dass Sie unzensiert Ihre Gedanken und Ideen formulieren können. Durch den kreativen Prozess des Umformulierens nähern Sie sich im Idealfall Schritt für Schritt dem tieferen Kern des Themas.

Grenzen

Das Versionenschreiben ist eher zeitaufwändig und kann dann zu einem Nachteil werden, wenn Sie schnell einen guten Text abliefern müssen. Zudem laufen Sie Gefahr, durch die zahlreichen Versionen den Überblick zu verlieren. Wenn sie viel Text verwerfen müssen, kann auch das Gefühl von Ineffektivität entstehen.

Tipps

Ein gutes Zeitmanagement, bei dem genug Luft für die Um- und Neuschreibephasen bleibt, kann für den Versionenschreiber sehr hilfreich sein. Zudem können Sie sich Methoden zunutze machen, mit denen Sie das bereits Geschriebene überprüfen und bewerten, um sich vor übertriebenen Perfektionismus zu schützen.

Der Patchworkschreiber – Schreiben, wo es gerade passt

Der Patchworkschreiber springt von Punkt zu Punkt in der Gliederung und schreibt je nach Ideen- und Interessenlage. Er folgt seinen Assoziationen und ist so in der Lage, Parallelgedanken sofort aufzugreifen und zu verwerten. Der Text wächst an mehreren Stellen gleichzeitig. Größere Schreibeinheiten werden eher als ermüdend empfunden.

Vorteile

Durch diese Strategie gehen Sie mit dem Denken und laufen kaum Gefahr, beim Schreiben ins Stocken zu geraten. Sie schreiben dort, wo der Widerstand am geringsten und der Textoutput am größten ist. Schwierige Textpassagen können bewältigt werden, indem Sie zunächst an anderer Stelle weiterschreiben und zu einem späteren Zeitpunkt mit neuen Ideen dorthin zurückkehren.

Grenzen

Bei großen Schreibprojekten kann das Patchworkschreiben nachteilig sein, wenn Sie den Überblick verlieren und Gedanken doppelt und dreifach formulieren. Bei komplexen Argumentationsgängen laufen Sie zudem Gefahr, Gedankengänge nicht konsequent zu Ende zu führen oder das Patchworkschreiben als Vermeidungsstrategie zu benutzen.

Tipps

Dem Patchworkschreiber nützen eine gute Organisation und Techniken, mit denen man den Überblick über sein Schreibprojekt behält. Auch Übungen, mit denen der gedankliche Tiefgang trainiert wird, können hier hilfreich sein.