Translatio - traditio - veritas: Zu Vorgeschichte und Entstehung von Hieronymus' Vulgata-Übersetzung im Rahmen ihrer Zeit

Mit seiner unter dem Namen 'Vulgata' bekannt und für die (römisch-katholische) Kirche maßgeblich gewordenen Bibelübersetzung, auf Veranlassung von Papst Damasus 382 n.Chr. begonnen, unternahm der Kirchenvater Hieronymus den Versuch, eine für den liturgischen Gebrauch verbindliche Fassung gegenüber den schon vor seiner Zeit in vielfältigen Formen umlaufenden lateinischen Versionen des Bibeltextes zu schaffen. Ebenso wie seinen Vorgängern und auch schon den griechischen Übersetzern der sogenannten 'Septuaginta' (entstanden ab dem 3. Jhdt. v.Chr.) stellte sich ihm beim Alten Testament das Problem, zum einen den möglichst treuen Anschluß an den hebräischen bzw. aramäischen Originaltext zu wahren, zum anderen aber die von der Semantik und Grammatik der Zielsprache vorgegebenen Grenzen nicht allzuweit auszudehnen und einen für die Leser und Hörer verständlichen und akzeptablen Text herzustellen; dieser Aufgabe sah er sich entsprechend bei seiner Übersetzung des Neuen Testaments aus dem griechischen Original gegenüber. Parallelen zur Bibelübersetzung Martin Luthers und ihrer sprachprägenden Wirkung auf das Deutsche drängen sich hierbei auf. Obschon Hieronymus seinen Sprachstil bevorzugt in der Tradition der klassischen lateinischen Autoren sieht (er sagt einmal selbstkritisch von sich, er fühle sich sprachlich eher als 'Ciceronianus' denn als 'Christianus'), fühlt er sich dennoch genötigt, auf die Treue zum "geheiligten" Bibeltext und auf Erwartungen der Gottesdienstbesucher Rücksicht zu nehmen und seine Übersetzungssprache bisweilen an deie Grenzen ihrer Möglichkeiten hinsichtlich Wortbedeutung und Struktur auszudehnen. Dies möchte der Vortrag an einigen instruktiven Beispielen darstellen.