Germanistische Sprachwissenschaft

Die DoktorandInnen und Doktoranden der Sprachwissenschaft

Die folgende Seite informiert Sie über die derzeitigen Dissertationsprojekte der Sprachwissenschaft am Institut für Germanistik.

Jan Michalsky, M.A.

Frageintonation im Deutschen - Zur intonatorische Markierung von Interrogativität und Fragehaltigkeit

In der gesprochenen Sprache sind Fragen im Wesentlichen durch ein Zusammenspiel von Markierungen auf vier sprachlichen Ebenen erkennbar: der lexikalischen, der syntaktischen, der kontextuell-pragmatischen und der intonatorischen Ebene. Auf der Ebene der Intonation wird die Markierung sprachlicher Funktionen in der Regel der Kontur und somit der kategorialen tonalen Struktur des Tonhöhenverlaufs zugeschrieben. Untersuchungen zur pragmatischen Funktion von Intonation zeigen allerdings, dass die Konturwahl die Interpretation einer Äußerung zwar einschränken kann, aber nicht festlegt. Die vorliegende Arbeit soll klären, ob nicht-kategoriale Variation in der phonetischen Realisierung des Tonhöhenverlaufs einen eigenen oder zusätzlichen Beitrag zur intonatorischen Kennzeichnung von Interrogativität leisten kann.

Betreuer: Prof. Dr. Jörg Peters

Heike Schoormann, M.A.

Akustische Eigenschaften der Vokale des Saterfriesischen und seiner Kontaktsprache (Arbeitstitel)

Die Dissertation wird im Rahmen des DFG-Projekts (PE 793/2-1) Lautliche und prosodische Variation im Sater­land: Saterfriesisch, Niederdeutsch und Hochdeutsch angefertigt. Ziel der Arbeit ist eine akus­tisch-phonetische Untersuchung der Vokalsysteme der drei im Saterland gesprochenen west­ger­manischen Sprachen mit Schwerpunkt auf dem Saterfriesischen und sei­ner Variation. Hierzu werden die Vokale in den drei Orten Strücklingen, Scharrel und Ramsloh in kontrolliert phone­tisch­er Lautumgebung in Produktionsexperimenten erhoben. Neben der Ermittlung der derzeit in der Literatur angenommenen phonologischen Vokalinven­tare der drei Sprachen soll Auf­schluss bezüglich inter- und intrasprachlicher Variationsphäno­mene im sater­friesischen Vo­ka­lismus gegeben werden. Die Vokalsysteme der drei Sprachen unterscheiden sich im Umfang des phonologischen Inventars. Besonderes Augenmerk wird daher auf die Distribution der einzelnen Phoneme im Vokalraum innerhalb der drei Sprachen gelegt und un­ter­sucht, welchen Effekt das Vorhandensein zusätzlicher Monophthongoppositio­nen auf die akustisch-phonetische Ausprägung der Einzellaute sowie des Gesamtsystems hat. Es soll somit dem Zusammenhang von Inventargröße und genutztem Vokalraum sowie der phonetischen Para­meter zur Aufrechterhaltung distinktiver Vokalkategorien in komplexen Sys­temen nachge­gangen werden.

Betreuer: Prof. Dr. Jörg Peters

 

 

Niklas Schreiber, M.Ed.

Interpunktionszeichen in der oberflächensyntaktischen Beschreibung

Interpunktionszeichen sind ihrem Schattendasein in der sprachwissenschaftlichen Forschung mittlerweile entkommen. 2005 leitete Ursula Bredel einen Paradigmenwechsel ein, indem sie die Geschäftsgrundlage der Analyse von Interpunktionszeichen wandelte. Noch im 20. Jhd. war man der Überzeugung, von einem Verständnis der sprachlichen Konstruktionen, die von Interpunktionszeichen gesäumt werden, zu der funktionalen Systematik oder zumindest doch zu einer adäquaten Beschreibung der Zeichen selbst zu kommen (vgl. Mentrup 1983/ Gallmann 1985/ Duden 1991/ 1996). Bredel wendete den Blick von den Konstruktionen hin zum Nutzen, den ein Interpunktionszeichen für den Leser haben kann und unterschied beide Blickwinkel mit den Termini ‚offline‘ und ‚online‘ (vgl. Bredel 2005). Zwar waren auch schon vorher die Beteuerungen zahlreich, die Interpunktion diene grundsätzlich dem Leser (z.B. Baudusch 2007: 239). Aber der Versuch blieb aus, dies zum Ausgangspunkt einer Analyse zu machen.

Mit dem fruchtvollen Paradigmenwechsel von ‚offline‘ zu ‚online‘ musste man also endgültig die Vorstellung über Bord werfen, Interpunktionszeichen seien über ihre Konstruktionen determiniert und diesen (oder gar der Sprache selbst) damit in irgendeiner Form nachgelagert, weil ableitbar. Geblieben ist dennoch – auch bei Bredel – die Bezugnahme auf Konstruktionen in einem heuristischen Sinne, insbesondere auf syntaktischen Konstruktionen.

Genau hier klafft eine spannende Lücke, an der das Dissertationsvorhaben ansetzt: Die Schnittstelle zwischen Syntax und Interpunktion ist erstaunlich schwach profiliert. Obwohl die Syntax die am stärksten vertretende linguistische Bezugsdomäne in der Interpunktionsliteratur darstellt, nimmt keine der etablierten Beschreibungen von Interpunktionszeichen auf eine spezifische syntaktische Theorie oder auf ein konsistentes Beschreibungsformat Bezug. Umgekehrt stehen Interpunktionszeichen nicht im Fokus syntaktischer Theorien. Und es wird meist auch gar nicht erst begründet, warum sie nicht konstitutive Elemente schriftsprachlicher Strukturen sein können, oder warum sie trotzdem von der Erfassung ausgeschlossen bleiben.

Das Vorhaben versucht, die syntaktische Leistung von Interpunktionszeichen im Rahmen der Oberflächensyntax (Eisenberg 2013/ Lieb 1993/ Lieb 1975) abzubilden. Dabei spielen nicht nur solche Zeichen eine Rolle, die als ausschließlich syntaktisch motiviert gelten (< . , ; : >), sondern solche, für das nicht gilt, die aber – wie das folgende Beispiel zeigt – syntaktisch auch nicht irrelevant sind.

1)      Anna hatte – was ihm erst viel später auffiel – gelogen.

2)      *Anna hatte was ihm erst viel später auffiel gelogen.

Die Arbeit möchte Interpunktionszeichen ihren Platz als syntaktische Mittel der Syntax geben, der ihnen zwar programmatisch zugedacht (vgl. Eisenberg 2013: 25), nie aber systematisch ausformuliert wurde.

Betreuerin: Prof. Dr. Nanna Fuhrhop