Mediävistik - Ältere deutsche Literatur und Sprache

Die Vorstellung von einem "mittleren Zeitalter" (lateinisch medium aevum) zwischen Antike und Neuzeit ist eine Erfindung der italienischen Renaissance-Humanisten des 14. und 15. Jahrhunderts. Sie träumten von einer Wiederbelebung der antiken Kultur und sahen im "Mittelalter" eine Phase des kulturellen und auch politischen Verfalls, die sie von der Blütezeit Roms trennte. Dieses Epochenkonzept prägt das Bild vom Mittelalter bis heute: Wir sprechen vom "dunklen" Mittelalter und stellen uns mittelalterliche Menschen oft als Gefangene irrationalen Aberglaubens vor. 

Wer sich genauer mit der Kultur der mittelalterlichen Jahrhunderte beschäftigt, entdeckt eine ganz andere, bunte Welt, die nicht leicht auf einen Nenner zu bringen ist. Als germanistische Mediävisten nähern wir uns ihr vor allem über die deutschsprachige mittelalterliche Literatur. Sie ist in vielem anders als moderne Literatur, aber sicher nicht weniger spannend. Vor allem in der Zeit um 1200 werden in den volkssprachigen Literaturen - auch in der deutschen - neue Konzepte der Lyrik (Minnesang) und des Erzählens (Artusroman) erprobt. Dazu kommt die faszinierende Überlieferung mittelalterlicher Texte: Sie wurden von Hand abgeschrieben und dabei immer wieder verändert. Zur Mediävistik gehören deshalb auch die Beschäftigung mit mittelalterlichen Handschriften und die Untersuchung ihrer besonderen Medialität. Mediävisten arbeiten dabei immer auch interdisziplinär: Weil in den Handschriften oft auch Bilder enthalten sind, gibt es viele Anknüpfungspunkte zur Kunstgeschichte; weil die deutschsprachige Literatur des Mittelalters oft Übersetzungsliteratur ist, ist immer wieder der Blick vor allem auf die französische Literatur angebracht. 

Das zweite große Standbein der Mediävistik ist die Sprachgeschichte: Die germanistische Mediävistik ist auch "zuständig" für die älteren Sprachstufen des Deutschen von etwa 750 n. Chr. (Althochdeutsch, Altsächsisch) bis zur Entstehung des Neuhochdeutschen in der frühen Neuzeit. Eine besondere Bedeutung kommt dabei dem Mittelhochdeutschen zu (etwa 1050-1350), weil in dieser Sprache auch die Werke der sogenannten höfischen Klassik verfasst sind (Hartmann von Aue: 'Erec', 'Iwein'; Wolfram von Eschenbach: 'Parzival'; Gottfried von Straßburg: 'Tristan').

Die nachfolgenden Seiten bieten eine Übersicht über Personen, aktuelle Forschungsvorhaben und Studieninformationen zur Oldenburger Mediävistik:

  • Lehrende und Forschende - In der Komponente Mediävistik lehren und forschen derzeit Prof. Dr. Albrecht Hausmann (Professor für Kulturwissenschaftliche Mediävistik), Dr. Britta Bußmann (Wissenschaftliche Mitarbeiterin), Martin Sebastian Hammer (Wissenschaftlicher Mitarbeiter) und - als Emeritus und zweimaliger Inhaber einer Niedersachsen-Professur - Prof. Dr. Uwe Meves. Mehr ...
  • Dissertationen und Habilitationen - Derzeit qualifizieren sich in der Komponente Mediävistik im Rahmen der Promotionsphase Martin Sebastian Hammer (zu Phänomenen metaleptischen Erzählens) und im Rahmen der Habilitationsphase Dr. Britta Bußmann (zu den Marienliedern des Mönchs von Salzburg). Mehr ...
  • Studium - Mediävistische Lehrveranstaltungen absolvieren Sie sowohl im Bachelor- als auch im Master-Studium. Wir bieten Ihnen hier Studienverlaufspläne als pdf-Dateien an, die Ihnen die mediävistischen Anteile an ihren Studiengängen verdeutlichen. Mehr ...
  • Literaturhinweise - Mit welchen literarischen Texten des Mittelalters Sie in das Studium der Mediävistik einsteigen oder dieses vertiefen könnten, erfahren Sie auf dieser Seite. Ebenso erhalten Sie Anregungen zur einführenden und vertiefenden Lektüre von Sekundärliteratur. Mehr ...
  • Links - Um mittelalterliche Texte beidiu lesen und verstên (Wigalois, V. 3) zu können, finden Sie hier hilfreiche Links – von Handschriften und Onlinefassungen mittelalterlicher Texte über Wörterbücher hin zu Recherchedatenbanken und Ideen für Unterrichtsgestaltungen. Mehr ...

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