Literaturwissenschaft

Tagung zu R. D. Brinkmann

(Entwurf: Liesa Pieczyk)

Rolf Dieter Brinkmann (1940-1975), geboren in Vechta i.O., gehört zweifelsohne zu den ersten Schriftstellern in Deutschland, die der so genannten Popliteratur zugerechnet werden. Bereits in den 1960ern Jahren - als einer der ersten deutschsprachigen Autoren - hat er die Verfahren des Pop für sich genutzt. Auch hinsichtlich der Verbreitung der Popliteratur im deutschsprachigen Raum kommt Brinkmann eine Vorreiterrolle zu. Allerdings werden in der derzeitigen literaturwissenschaftlichen Forschung nur allmählich, ausgehend von den vorhandenen Pop-Phänomenen des Brinkmann'schen Werks, weitere neue Themenbereiche erschlossen. - Die Tagung steht im Zeichen des Transfers von literatur- und kulturwissenschaftlichen Erkenntnissen zu Rolf Dieter Brinkmanns literarischem und essayistischem Werk.

Bislang wurde in der Rolf Dieter Brinkmann-Forschung ein biographistischer Blick und/oder die Perspektivierung der Exegesen unter popliterarischem Fokus favorisiert. Dabei erscheinen diese Ansätze noch keinesfalls gänzlich erschöpft. Nichtsdestoweniger befindet sich die Untersuchung des Brinkmann'schen Werks gegenwärtig an einem wissenschaftlichen Wendepunkt, in dem andere, den Texten inhärente Aspekte verhandelt werden. Es gibt darüberhinaus zahlreiche weitere Zugangsweisen zu Brinkmanns Werk, die bisher wenig berücksichtigt wurden. Hierzu zählen auf der biographischen Seite vor allem geographische und topologische Aspekte und deren Niederschlag im Werk. Ferner sind seine Übersetzer- und Herausgebertätigkeiten ebenfalls nicht hinreichend erforscht, und auch das in Brinkmanns Werken vorherrschende Geschlechterverhältnis stand bisher kaum im Fokus wissenschaftlicher Lektüren.

Die Tagung betont dezidiert den regionalen Bezug des niedersächsischen Schriftstellers Rolf Dieter Brinkmann. In dieser Hinsicht erschöpft sich die derzeitige Forschungsliteratur ausgerechnet im überregionalen Bezug, obwohl eine Betrachtungsweise, die die überregionalen Wirkungsstätten Brinkmanns (Köln, Rom, Austin, London) thematisieren, auch in ihrer wechselseitigen Abhängigkeit zum niedersächsischen Vechta, nach einer differenzierteren Untersuchung verlangen.

Die Aktualität und der regionale Bezug (Vechta und Oldenburg) dienen der Tagung als Ankerpunkte, um der Forschung zum Werk Rolf Dieter Brinkmanns neue Perspektiven zu eröffnen. Weiterhin sollen wichtige Forschungsdesiderate (Verhältnis von Körper und Heldentum, intermediale Intertextualität, Rezeption anderer Schriftsteller etc.) durch die Vorträge erschlossen werden.

Das Tagungs-Team (von links nach rechts): 
Ina Cappelmann, Uwe Schwagmeier, Liesa Pieczyk, Thomas Boyken