Zentrum für interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung

Kooperationsnetzwerk Geschlechterforschung in der Nord-West-Region

Geschichte

Im Jahr 2004 begannen Genderforscherinnen des Zentrums für interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg (ZFG) und der Fachhochschule Oldenburg/Ostfriesland/Wilhelmshaven (FH OOW) mit dem Aufbau einer wissenschaftlichen Kooperation.

Im Mittelpunkt stand die Entwicklung eines „Kooperationsnetzwerks Geschlechterforschung in der Nord-West-Region“. Zur Koordination der Kooperationsprojekte wurde eine halbe Stelle einer wissenschaftlichen Mitarbeiterin geschaffen, die bis Juni 2006 im ZFG angesiedelt war und danach bis März 2010 ihren Dienstort in der FH OOW, Standort Wilhelmshaven, hatte. Geleitet wurde das Kooperations­netzwerk von einer sechsköpfigen Lenkungsgruppe, der von Seiten des ZFG Prof. Dr. Heike Fleßner, Prof. Dr. Irene Pieper-Seier, Prof.Dr. Karin Flaake und nach deren Pensionierung JP Dr. Smilla Ebeling sowie von Seiten der FH OOW die Professorinnen Dr. Renate Kosuch, Dr. Karin Luckey und Dr. Ulrike Schleier angehörten.

Am 02.02.2006 wurde die gemeinsame Arbeit durch einen Kooperationsvertrag zwischen den beiden Hochschulen institutionell abgesichert. Nach dem Beschluss des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur (MWK) zur Teilung der FH OOW im September 2009, kündigte das Präsidium der FH OOW den Kooperationsvertrag mit der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg und das Kooperationsnetzwerk wurde aufgelöst.

Themenschwerpunkte

Die langjährige produktive Zusammenarbeit im Kooperationsnetzwerk brachte unter anderem folgende Arbeits- bzw. Themenschwerpunkte hervor:

  • Gender in der Hochschullehre

  • Bedingungen veränderter Männlichkeit bzw. männlicher Sozialisation

  • Regionale Projekte des Wissenstransfers und der Wissenszusammenführung im Bereich Geschlechterforschung

Projekte

Folgende gemeinsame Projekte wurden im Einzelnen auf den Weg gebracht und erfolgreich durchgeführt:

Hochschulübergreifend:

GenderTage

In den Jahren 2005, 2006, 2007 und 2008 fanden hochschulübergreifende GenderTage an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg und der Fachhochschule Oldenburg/Ostfriesland/Wilhelmshaven (FH OOW) statt. Angeboten wurden eine Vielzahl von Veranstaltungen (Symposium, Ausstellungen, Lehrveranstaltungen, Vorträge) an den Studienorten der Fachhochschule sowie an der CvO Universität Oldenburg. Ziel der GenderTage war es, Wissen über geschlechtsspezifische Inhalte in den Wissenschafts­disziplinen und in den Lehrformen für Hochschullehrende bereit zu stellen und über die Bedeutung genderspezifischer Fach- bzw. Querschnittsfragestellungen in der Lehre zu informieren.

Fast alle Fachbereiche der FH OOW und der CvO Universität waren beteiligt. An der Fachhochschule fanden überwiegend Tandem-Lehrveranstaltungen statt, d.h. eine/r Lehrende/r hat eine/n Gasterferenten/in zu einem - einen Genderaspekt aufgreifenden - Gastvortrag in eine reguläre Lehrverstaltung eingeladen. An der Universität überwogen die Veranstaltungen, in denen die jeweiligen Lehrenden Ergebnisse und Fragen der Geschlechterforschung in ihren Veranstaltungen aufgriffen.

Die GenderTage eröffneten zum einen die Möglichkeit Genderthemen in Studiengänge einzubringen, in denen sie bisher wenig aufgegriffen werden, zum anderen spiegelten sie die Vielfalt bereits bestehender Angebote wider.

Carl von Ossietzky Universität Oldenburg:

Forum Jungenarbeit

Das im Juni 2006 gegründete Oldenburger FORUM Jungenarbeit fand viermal jährlich an der Universität Oldenburg statt. Es hat sich ein fester Kreis interessierter Personen aus der Hochschule, der pädagogischen Praxis, der Stadt Oldenburg, der Gewerkschaft und anderen Institutionen der Region zusammengefunden. Im Forum wird rund um das Thema Jungenarbeit aus unterschiedlichen Perspektiven diskutiert und gearbeitet. Alle Teilnehmenden nutzten die Gelegenheit, ihre Belange in das Forum einzubringen. Im Februar 2007 hat Dr. Michael Herschelmann vom Kinderschutz-Zentrum Oldenburg die Koordination des Forums übernommen.

Fachtage Gender und Schule

In den Jahren 2006, 2007 und 2008 fand jeweils ein Oldenburger Fachtag zu Gender und Schule in Kooperation zwischen dem ZFG, dem Bezirksverband Weser-Ems der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft und dem Kooperationsnetzwerk Geschlechterforschung in der Nord-West-Region statt:

1. Oldenburger Fachtag Gender und Schule. Geschlechterverhältnisse in Theorie und schulischer Praxis, 7. März 2006

2. Oldenburger Fachtag Ethnische Diversitäten, Gender und Schule. Geschlechterverhältnisse in Theorie und schulischer Praxis, 6. März 2007

3. Oldenburger Fachtag Gender Mainstreaming und Schule - Anstöße für Theorie und Praxis der Geschlechterverhältnisse. 04. März 2008.

FH Wilhelmshaven:

Die Neugestaltung des Curriculum des Frauenstudiengangs Wirtschaftsingenieurwesen (Bachelor of Engineering, 7. Semester, davon die ersten drei Semester als monoedukatives Studium) mit dem Ziel der expliziten Inkludierung von Schlüsselqualifikationen in das Curriculum wurde von der Curriculum-AG Frauenstudium betrieben. Dabei wurden die Seminare zu Schlüsselqualifikationen möglichst mit Fachseminaren gekoppelt. Die Veran-kerung von Schlüsselkompetenzen im Curriculum ist in drei Formen vorgesehen: explizit als eigenes Modul, angedockt an ein Fachmodul, implizit in Fachmodulen. Über das Frauen- studium sollen diese auch Eingang in den koedukativen Studiengang finden. Nach dem neuen Curriculumsentwurf werden Sozial-, Methoden- und Selbstkompetenz im Curriculum stärker verankert. Innerhalb des Moduls „Organisation und Führung“ sind zwei Kreditpunkte zum Aspekt „Interkulturelle Handlungskompetenz und Genderkompetenz“ vorgesehen.

FH Emden:

Das Projekt „Gender Mainstreaming am Fachbereich Soziale Arbeit und Gesundheit“ hatte zum Ziel, mehr männliche Studierenden für das Studium der Sozialen Arbeit zu gewinnen und die Genderkompetenz aller Studierenden zu erhöhen. Zunächst sollten die Wege von männlichen und weiblichen Studierenden ins Studium sowie die Studienmotivation in einer intersektionellen Analyse ergründet werden. Hierzu wurden im ersten Schritt durch studen-tische Hilfskräfte bestehende Studien recherchiert, im zweiten Schritt erfolgte eine Erhebung unter den Studierenden.

Bestandteil des Projekts war auch der Zukunftstag „Neue Wege für Jungs“ am FB Soziale Arbeit und Gesundheit, der in Kooperation mit den Organisatorinnen des Girls Day am FB Technik durchgeführt wurde. Der Zukunftstag verfolgte zum einen das Ziel Jungen über die Studien- und Berufsmöglichkeiten in Sozial- und Gesundheitsbereichen zu informieren, zugleich sollten die studentischen Mentoren sowie beteiligte Lehrende am FB für das Thema sensibilisiert werden.

Boys`Day 2009

Am 23. April 2009 wurde an der FH OOW im Fachbereich Soziale Arbeit und Gesundheit am Studienort Emden ein Boys` Day durchgeführt. Eine Gruppe von acht Mentoren – männliche Studierende der Studiengänge Soziale Arbeit und Sozialmanagement – betreuten 39 Jungen aus Allgemeinbildenden Schulen am Boys` Day. Ziel war es, den Jungen ein Studium und mögliche Tätigkeitsfelder im sozialen Bereich näher zu bringen.

Zur Vorbereitung auf ihre Tätigkeit besuchten die Mentoren ein vorbereitendes Seminar sowie eine eintägige Fortbildungsveranstaltung eines Referenten aus der Praxis der Jungenarbeit. Zentrale Bausteine im Rahmen der Professionalisierung der Studenten waren praktische und theoretische Kenntnisse der Jungenarbeit, Methoden der Bildungsarbeit und die Ausbildung von Genderkompetenzen. Darüber hinaus wurden die Mentoren unterstützt bei der Konzeption des Programms, der Organisation und Durchführung des Boys` Day.

Programmpunkte am Boys´ Day waren z.B. der Besuch des regulären Seminars „Jugendarbeit“, des Weiteren wurden Videos mit Männern in sozialen Berufen angesehen und diskutiert und Fragen wie „was heißt sozial?“ und „was macht ein Sozialarbeiter/Sozialmanager?“ erörtert.

Am Fachbereich Soziale Arbeit und Gesundheit des Studienortes Emden studierten im Som-mersemester 2009 70,19 % Frauen, Männer sind mit 29,81 % unterrepräsentiert. Im Prozess des Gendermainstreaming ist der Boys` Day eine Möglichkeit, Jungen in ihrer Berufsorientie-rung zu unterstützen. Der Boys´ Day war eine gemeinsame Veranstaltung des Kooperations-netzwerks und der Gleichstellungsstelle der Hochschule.