Soziale Transformation und Subjektivierung

Gesellschaften entwerfen sich im Blick auf eine imaginierte Zukunft in diversen kulturellen Medien – in Bauwerken, Texten und Bildern, in Ritualen, Spielen und Wettkämpfen. Diese Selbstentwürfe verbinden sich mit Institutionen und Techniken zur Gestaltung von Natur, Gesellschaft und Subjektivität in Raumplanung, Politik, Bildung oder den Körpermanipulationen des Sports und der Medizin. Sie modellieren gesellschaftliche Wirklichkeiten und halten Akteure zu ‚verantwortlichem’ Verhalten an. Diese Verweisungszusammenhänge zwischen Deutungen, gesellschaftlichen Transformationen und Subjektbildungen werden historiographisch, kulturanalytisch und soziologisch-praxeologisch rekonstruiert. Dies schließt ein Interesse für Reibungen ein, die u.a. entstehen, weil Akteure im Prozess ihrer Subjektivierung zu Kritik befähigt werden. 

Der Schwerpunkt ist durch das Graduiertenkolleg „Selbst-Bildungen“, das Wissenschaftliche Zentrum "Genealogie der Gegenwart" (WiZeGG), die Beteiligung an den Forschungs- bzw. Promotionsprogrammen „Reflexive Responsibilisierung“ (MWK/VW-Stiftung) und „Kulturen der Partizipation“ (MWK Niedersachen) sowie zahlreiche schwerpunktrelevante Einzelforschungen ausgewiesen. Überschneidungen mit dem Schwerpunkt „Diversität und Partizipation“ lassen aufgrund komplementärer Zugänge Synergien erwarten – etwa hinsichtlich der Frage, welche Realitätseffekte die gesellschaftliche Selbstbeschreibung als kulturell „divers“ hat.

Zukünftig soll die „Genealogie der Gegenwart“ unter den Aspekten der sozialen Transformation und der Subjektivierung als ein innovatives Forschungsfeld konturiert werden. Exemplarische Fokussierungen sind die Bezüge zwischen Raumgestaltung und sozialen Akteuren seit der Frühen Neuzeit sowie die Analyse von politischen „Interventionen“ als Techniken der Komplexitätsreduktion in einer sich selbst als kontingent beschreibenden historischen Gegenwart, einschließlich ihrer kontingenten Folgen. Strukturell soll das WiZeGG als ein Ort interdisziplinärer und interfakultärer Zusammenarbeit ausgebaut, eine Arbeitsstelle zur globalen Mikrogeschichte gegründet und u.a. die Vernetzung mit den Forschungsschwerpunkten „Diversität und Partizipation“ und „Nachhaltigkeit“ vorangetrieben werden.

 

Sprecherinnen und Sprecher

Prof. Dr. Thomas Alkemeyer
thomas.alkemeyer(at)uni-oldenburg.de

Prof. Dr. Dagmar Freist
dagmar.freist(at)uni-oldenburg.de