Semester: Sommersemester 2017

3.01.172 Einführung ins Conlanging - Entwicklung der Grammatik einer fiktionalen Sprache


Veranstaltungstermin

  • Montag: 14:00 - 16:00, wöchentlich

Beschreibung

Anmeldung für das Losverfahren über Stud.IP vom 18.03.17, 08:00 Uhr bis 18.03.2017, 18:00 Uhr, danach Anmeldung in chronologischer Reihenfolge bis 09.04.17, 23:59 Uhr für die Warteliste, sofern die Warteplätze noch nicht ausgeschöpft sind.


Der Begriff "Conlang" setzt sich zusammen aus den Begriffen "constructed" und "language" und bezeichnet Sprachen, die bewusst von Menschenhand konstruiert wurden. Das entsprechende Verb "conlanging" beschreibt die Tätigkeit des Erschaffens einer künstlichen Sprache. Auch wenn das Phänomen des Conlangings bereits bis ins Mittelalter und vermutlich darüber hinaus zurückreicht und faszinierende Phänomene wie göttliche, magische oder philosophische Sprachen hervorgebracht hat, erlebt das Sprachenbauen im 21. Jahrhundert einen erheblichen Aufschwung. Maßgeblich durch die HBO Erfolgsserie "Game of Thrones" und die darin verwendeten und von David J. Peterson entwickelten Sprachen "Dothraki" oder "High Valyrian" dringt das Phänomen Conlanging immer mehr in das Bewusstsein der breiteren Masse vor und führt zu einer wieder auflebenden Auseinandersetzung mit längst etablierten fiktionalen Sprachen wie dem von Marc Okrand für das Star Trek Franchise entwickelte Klingonisch sowie den verschiedenen Sprachen aus J. R. R. Tolkiens "Herr der Ringe", deren bekannteste Vertreter wohl die beiden Elbensprachen "Sindarin" und "Quenya" darstellen. Neben diesen bekannten Sprachen beschäftigen sich jedoch bereits zahlreiche Enthusiasten mit diesem Thema, die im Laufe der Jahre mehrere Hundert konstruierte Sprachen beigesteuert haben, häufige inklusive zugehöriger Welt, Kultur und Geschichte.

Conlanging ist allerdings bereits weit mehr als eine Kunstform und erfährt, vornehmlich im amerikanischen Raum doch stellenweise auch vermehrt in Deutschland, zunehmend mehr fachwissenschaftliche Betrachtung. Hierzu gehört nicht nur die Untersuchung und Erklärung der grammatischen Eigenarten konstruierter Sprachen, sondern vor allem die didaktische Komponente. So lässt sich feststellen, dass das Entwickeln eigener konstruierter Sprachen ein mächtiges Werkzeug zur Vermittlung umfassender Grammatikkenntnisse darstellt. Denn wie David J. Peterson einmal sinngemäß sagte: Eine Sprache zu entwickeln ist leicht. Eine glaubwürdige Sprache zu entwickeln, ist extrem schwer. Denn eine Sprache zu entwickeln, die

den Eindruck vermitteln kann, wirklich von intelligenten Wesen gesprochen zu werden und damit eine mögliche fiktionale Sprache darstellt, erfordert ein umfangreiches und tiefes Verständnis der Grammatik.

Hieran orientiert sich auch das vorliegende Masterseminar. Im Laufe des Semesters erhalten die Studierenden einen einführenden Überblick über die Kerngebiete der Grammatik und machen sich ausgehend vom Deutschen mit den verschiedenen Teildisziplinen der Linguistik und Phänomenbereichen der Grammatik natürlicher Sprachen vertraut. Im Anschluss erhalten die Teilnehmer/innen einen möglichst breiten kontrastiven Einblick, wie sich die untersuchten grammatischen Bereiche in anderen Sprachen der Welt manifestieren. Mit diesem theoretischen Wissen sowohl über die verschiedenen Teilbereiche der Grammatik als auch ihre unterschiedlichen Erscheinungsformen in natürlichen Sprachen ausgestattet, besitzen die Studierenden das nötige Handwerkszeug zur Entwicklung der rudimentären grammatischen Strukturen einer eigenen konstruierten Sprache.

Das Seminar vermittelt dabei explizit nicht nur das theoretische Wissen zum Konstruieren von Sprachen, sondern erwartet und prüft auch die praktischen Fähigkeiten, dieses umzusetzen. So besteht die Prüfungsleistung des Seminars aus der Entwicklung und wissenschaftlichen Beschreibung der Grammatik einer eigenen fiktionalen Sprache. Sprachwissenschaftliches Vorwissen ist hilfreich, wird jedoch nicht vorausgesetzt. Was jedoch vorausgesetzt wird, ist die aktive Mitarbeit und konsequente Teilnahme aller Studierenden, da jede Sitzung einen grammatischen Bereich beisteuert und jede verpasste Seminarsitzung zu einer Lücke in der eigenen konstruierten Sprache und damit in der Teilleistung führt.

Je nach Motivation und Mitarbeit der Teilnehmer/innen können die entwickelten Sprachen um fiktive kulturelle und historische Informationen ergänzt und in einer gemeinsamen Welt verortet werden, um den Eindruck fiktiver Natürlichkeit abzurunden. Eine natürliche Begeisterung für das kreative Spielen mit Sprache und das Fantasieren im Allgemeinen ist daher von Vorteil.

Zusätzlich zur Vermittlung der theoretischen Grundlagen im Seminar und einem gesonderten Zeitblock in jeder Sitzung für Rückfragen zur eigenen Sprache ist dem Seminar eine einstündige außercurriculare Übung zugeordnet, die einzig und allein darauf ausgelegt sein wird, den Studierenden eine Plattform zu eröffnen, unter Betreuung und Beratung an ihren eigenen Sprachen zu arbeiten und sich untereinander auszutauschen. Eine gegenseitige Beeinflussung der Ideen der Studierenden ist dabei als Form eines fiktiven Sprachkontakts sowohl möglich als auch erwünscht.

Prüfungsart: Hausarbeit oder Referat + Ausarbeitung oder Präsentation + Ausarbeitung

DozentIn

Studienmodule

  • ger780 Sprachwissenschaft
  • ger880 Sprachwissenschaft
  • lan031 Sprachsystem und Variation I

Lehrsprache
deutsch

empfohlenes Fachsemester
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