Semester: Sommersemester 2017

1.07.350 Wie kommt Neues in die Welt? Qualitative Innovationsforschung am Beispiel der Medizintechnik und Gesundheitsversorgung


Veranstaltungstermin

  • Dienstag: 16:00 - 18:00, wöchentlich

Beschreibung

Wenn es einen Imperativ gibt, der in der Gegenwartsgesellschaft als hegemoniale Handlungsorientierung taugt, dann ist es der Ruf nach Innovation. Folgt man der aktuellen gesellschaftlichen Debatte, dann sind die Präferenz für das Neue und die Forderung nach Innovation längst nicht mehr auf wirtschaftliche, wissenschaftliche und technische Entwicklungen beschränkt. Die Orientierung moderner Gesellschaften an Wachstum, Fortschritt und technischer Neuerung weitet sich heute auf ganz andere Bereiche aus. Sie wandelt sich unter den Bedingungen der Globalisierung, des Klimawandels und der Digitalisierung zur intensiven und strategischen Suche nach Innovationschancen allerorten. (Rammert/Passoth 2016: 4)

Wenn Innovationen aufgelistet und Preise dafür ausgeschrieben werden, dann fällt eine große Vorliebe für technische Innovationen auf. Im Vordergrund stehen die Erfindung neuer Produkte, die Verbesserung technischer Verfahren oder die Kombination bekannter Elemente zu neuen Technologien. Aber es gibt auch Innovationen nicht-technischer Art, etwa Marktinnovationen, wenn es um das Erschließen neuer Absatz- und Bezugsmärkte geht oder um gesellschaftliche Innovationen, wie neue Kooperationsformen (z.B. crowdfunding) und rechtliche Innovationen (z.B. Frauenwahlrecht). (Rammert 2010: 2).

Das Seminar wird der Frage nachgehen, wie Innovationen als gesellschaftliche Phänomene zu begreifen sind. D.h. es soll nicht darum gehen, wie man bewertet, wann ein technisches Produkt „wirklich“ innovativ ist. Im Fokus stehen stattdessen Strukturen und Prozesse der „innovativen“ Vergesellschaftung. Eine entsprechende Definition für Innovationen könnte lauten:

Innovationen sind Artefakte und Verfahren, welche BeobachterInnen als neuartig wahrnehmen und als Verbesserung gegenüber dem Bestehenden erleben. (vgl. Braun-Thürmann 2005: 6).

Die Aufmerksamkeit wird somit auf den gesellschaftlichen Prozess gelegt, in dem etwas als Innovation behandelt wird. Dabei bleibt zunächst offen, ob etwas neu ist und wie Neues entstehen kann. Das Seminar besteht aus zwei Teilen. Im ersten Teil geht es um soziologische Grundlagen der Innovationsforschung. In diesem Teil werden wir uns eine Reihe von „klassischen“ Innovationsmodellen gemeinsam erarbeiten. Im zweiten Teil wird es dann um die Anwendung dieser Modelle auf das Feld der Medizin und des Gesundheitssystems gehen. Dazu werden Beispiele recherchiert und erarbeitet, an denen wir dann exemplarisch diskutieren, was hierbei wie als Innovation gilt und - aus Sicht soziologischer Perspektive! - als Innovation bewertet werden kann.

Die Lernziele des Seminars lauten:

  • Die Studierenden kennen den aktuellen Stand der sozialwissenschaftlichen Innovationsforschung.
  • Die Studierenden können beschreiben, wie Innovationen entstehen, worauf sie beruhen, welche Strukturen und Prozesse ihnen zugrunde liegen und wie sie sich ausbreiten.
  • Die Studierenden können Innovationsmodelle exemplarisch auf ein gesellschaftliches Feld anwenden.
  • Die Studierenden können bewerten, welche Funktionen eine bestimmte Innovation für eine bestimmte soziale Praxis hat.

DozentIn

Studienmodule

  • ph063 Usability Engineering in der Medizintechnik

Lehrsprache
deutsch

empfohlenes Fachsemester
3