Semester: Sommersemester 2017

3.01.062 Lust an Gewalt? Semantiken und Ausprägungen in der deutschsprachigen Literatur des Mittelalters


Veranstaltungstermin

  • Mittwoch: 12:00 - 14:00, wöchentlich

Beschreibung

Anmeldung für das Losverfahren über Stud.IP vom 23.03.17, 08:00 Uhr bis 23.03.2017, 18:00 Uhr, danach Anmeldung in chronologischer Reihenfolge für die Warteliste, sofern die Warteplätze noch nicht ausgeschöpft sind.

Beachten Sie bitte die Belegungsmodalitäten des ger231 (Einstieg zum Wintersemester mit dem Grundlagenseminar, Belegung des Vertiefungsseminars danach im Sommersemester) unter http://www.uni-oldenburg.de/germanistik/aenderung-am-3/.



daz bluot über velt ran. / si zesluogen ros unt man. / die tôten hin runnen. / wie jâmerlîche si swummen! In nur vier Versen zeichnet der obige Ausschnitt aus dem Rolandslied des Pfaffen Konrad (V. 4335-4338) ein drastisches Bild von literarisch inszenierter Kriegsgewalt im Mittelalter und illustriert damit, was – aus literarästhetischer Perspektive – unter einer „Schönheit des Blutvergießens“ (PRZYBILSKI) zu verstehen sein könnte.

Im Seminar lernen Sie u.a., diesen Auszug in einen größeren Zusammenhang einzuordnen: Gewaltinszenierungen in der Kreuzzugsepik funktionieren anders als im Höfischen Roman, im Nibelungenlied oder in der Märendichtung. Aufbauend auf eine Auseinandersetzung mit dem Gewaltbegriff selbst (u.a. violentia vs. potestas bzw. Gewalt im engeren Sinne vs. Macht) werden Gewaltdarstellungen der mittelalterlichen Literatur verschiedenster Couleur im Mittelpunkt des Seminargesprächs stehen: Anhand des Erec Hartmanns von Aue und des Nibelungenlieds lassen sich u.a. Bezüge zwischen Geschlecht und Gewalt, die politische Motivierung von Gewalt, metaphorische Gewaltdarstellung und die (erzählerische) Wertung von Gewalt veranschaulichen. Die religiöse Instrumentalisierung von Gewalt prägt vor allem das Rolandslied des Pfaffen Konrad und lässt sich weiterverfolgen im Willehalm Wolframs von Eschenbach. Ein Ausblick auf die Gattung ‚Märe/Novelle‘, die eine – sich zunehmend verselbstständigende? – komische Perspektive auf Gewalt entwirft, rundet das Seminar ab.

Neben der vergleichenden Textinterpretation stellt die Vorbereitung auf die Prüfungsform Hausarbeit einen weiteren Fokus des Seminars dar. In diesem Sinne gehört zur aktiven Teilnahme am Seminar auch die Bereitschaft, Arbeitsaufträge zur Methodik wissenschaftlichen Arbeitens zu erfüllen.

Zur Anschaffung empfohlen:
Primär- und Sekundärliteratur wird online bereitgestellt; es wird dennoch dringend empfohlen, sich den Erec und das Nibelungenlied anzuschaffen (mögliche Ausgaben s.u.). Mit der Lektüre des Erec (wenigstens den ersten ca. 3000 Versen) sollten Sie schon vor Semesterbeginn starten.
Hartmann von Aue: Erec. Hg. von Manfred Günter Scholz. Übers. von Susanne Held. Frankfurt a. M. 2007 ⇐ Deutscher Klassiker Verlag im Taschenbuch 20).
Das Nibelungenlied. Hg., übers. und komm. von Joachim Heinzle. Berlin 2015 ⇐ Deutscher Klassiker Verlag im Taschenbuch 51). [Bei Neuanschaffung besonders empfohlen, da aktuell nur diese Edition das Lied im Verbund mit der Klage bietet.]
Jede andere Ausgabe, die einen verlässlichen mittelhochdeutschen Text bietet (z. B. Reclam oder Fischer TB), ist jeweils ebenso möglich.

DozentIn

Studienmodule

  • ger231 Ältere Sprache und Literatur

Lehrsprache
deutsch

empfohlenes Fachsemester
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