Learning and Cognitive Systems

WULPUS (= Wissenbasierte Unterstützung für LUDUS, ein Planspiel für UnternehmensStrategien)

 

 

Wissensbasierte Hilfen und Erklärungen für ein betriebswirtschaftliches Planspiel

Einleitung:
In der betriebswirtschaftlichen Aus- und Weiterbildung werden in zunehmenden Maße Planspiele eingesetzt. Sie beruhen auf Modellen komplexer betriebswirtschaftlicher Gegenstandsbereiche mit einem hohen Vernetzungsgrad. Der Zusammenhang zwischen Entscheidungen eines Unternehmens und ihren Konsequenzen wird durch weitere Komponenten wie z.B. das Verhalten der Mitbewerber beeinflußt.
Im "klassischen" betriebswirtschaftlichen Planspielansatz trifft der Lernende Entscheidungen, sichtet die Ergebnisse, trifft weitere Entscheidungen usw. Dabei werden die Beziehungen zwischen Entscheidungen und ihren Ergebnissen für den Lernenden jedoch nur sehr allmählich transparent. WULPUS geht daher einen anderen Weg:

  1. Der Lernende setzt sich Ziele und kann bei Bedarf vom System Vorschläge anfordern, mit welchen Entscheidungen diese Ziele erreicht werden können.
  2. Der Lernende kann verschiedene Alternativen ausprobieren und ihre Konsequenzen gegenüberstellen, bevor er eine "echte", gültige Menge von Entscheidungen trifft.
  3. Erfolg beim Planspielen setzt im "klassischen" Planspielansatz eine Menge betriebswirtschaftlichen Spezialwissens voraus. In WULPUS wird dieses Wissen in Form von Erklärungen gezielt in den für den Lernenden problematischen Situationen bereitgestellt.


Kurzbeschreibung von WULPUS
Ziel von WULPUS ist es, betriebswirtschaftliche Zusammenhänge durch einen Hypothesentestansatz sowie durch wissensbasierte Erklärungen für den Lernenden transparent zu machen. Die Domäne umfaßt einen Teilbereich des Planspiels LUDUS (Vertrieb durch Rathgeber & Partner GmbH), das den Benutzer vor komplexe betriebswirtschaftliche Entscheidungssituationen stellt. Zentrale Merkmale von WULPUS im Unterschied zu LUDUS und anderen klassischen Planspielen sind:

  • Hypothesentesten mit Rückwärts- vs Vorwärtsplanung: In WULPUS kann der Benutzer nicht nur Entscheidungen eingeben und ihre Konsequenzen untersuchen. Er kann sich zusätzlich Ziele (im Sinne gewünschter Ergebnisse, z.B. Absatzziele) setzen und vom System überprüfen lassen, ob diese Ziele erreichbar sind. Ist dies möglich, so schlägt das System mit den Zielen konsistente Entscheidungskombinationen (z.B. Marketing-Mix) vor. Hat der Benutzer solche Entscheidungskombinationen selbst realisiert, so prüft WULPUS, ob die gewünschten Ziele hiermit erreichbar sind.
  • Erklärungen. Sind die vom Lernenden gesetzten Ziele nicht erreichbar, so bietet WULPUS auf qualitativer und quantitativer Ebene Erklärungen an. Diese Erklärungen bestehen beispielsweise in der Preis-Absatz-Kurve oder in einer sog. Unternehmenslandkarte, die die Beziehungen zwischen betriebswirtschaftlichen Größen graphisch veranschaulicht. Auf diese Weise steht betriebswirtschaftliches Grundwissen situationsbezogen genau dann zur Verfügung, wenn es vom Lernenden benötigt wird.
    Insgesamt bietet WULPUS wissensbasierte Erklärungen für
    1. das Zustandekommen der Ergebnisse, gegeben die getroffenen Entscheidungen,
    2. die vom System vorgeschlagenen Entscheidungen zur Erreichung der vom Lernenden gesetzten Ziele,
    3. die Nichterfüllbarkeit gesetzter Ziele.
  • Hypothesentesten vor dem "echten Spielschritt": Neben der Formulierung und Überprüfung von Hypothesen über die Erreichbarkeit von Zielen kann der Benutzer die Konsequenzen verschiedener Ent-scheidungskombinationen berechnen und anzeigen lassen. Dabei können alternative Entscheidungskombinationen "durchgespielt" werden, sei es, um die Beziehungen zwischen den Variablen zu studieren oder um vor der eigentlichen Entscheidungsfindung Hypothesen über eine günstige Kombination der Entscheidungsvariablen zu bilden und zu überprüfen. (Konzept der "Simulation in der Simulation").
  • Korrekturmöglichkeit inkonsistenter Entscheidungs- und Ergebnisvariablen: Der Benutzer wird auf nicht erreichbare Ziele hingewiesen und erhält für die betreffenden Variablen Korrekturvorschläge.

Die folgende Abbildung zeigt den Ablauf von WULPUS. Die obere Hälfte enthält das Hypothesentesten und Anfordern von Erklärungen in der Marktsituation und für betriebsinterne Planungen. Der Teil zwischen den gestrichelten Linien stellt den "echten Spielschritt" im Sinne konventioneller Planspiele dar.

Bild

Einsatz von WULPUS
WULPUS wurde zunächst als Prototyp entwickelt, um einen alternativen, ziel- und hypothesentestbasierten Ansatz im Bereich betriebswirtschaftlicher Planspiele zu entwickeln und seine Realisationsmöglichkeit zu demonstrieren. Konkrete Einsatzmöglichkeiten werden gemeinsam mit Kooperationspartnern im Bereich der betrieblichen Aus- und Fortbildung vorbereitet.

Literatur:

MÖBUS, C., SCHRÖDER, O., THOLE, H.-J., WULPUS - An Intelligent Problem Solving Environment Delivering Knowledge Based Help and Explanations in Business Management Simulation,in C. FRASSON, G. GAUTHIER, A. LESGOLD (eds), Intelligent Tutoring Systems, Proceedings of the Third International Conference ITS 96, Montreal, June 1996, Berlin: Springer (LNCS 1086), 1996 PDF

MÖBUS, C., SCHRÖDER, O., THOLE, H.-J., WULPUS: Wissensbasierte Hilfen und Erklärungen für ein betriebswirtschaftliches Planspiel,in F. HUBER-WÄSCHLE, H. SCHAUER, P. WIDMAYER (Hg), GISI 95 - Herausforderungen eines globalen Informationsverbunds für die Informatik, Berlin: Springer, 1995, S. 284 - 292 PDF

 

Contact:

Prof. Dr. Claus Möbus

Department of Computing Science 
Learning and Computing Systems 
University

D-26129 Oldenburg