Didaktisches Zentrum

Oldenburger Lehrerbildung

Die Carl von Ossietzky Universität ist einer der wichtigsten Standorte für die Aus- und Fortbildung von Lehrkräften in Niedersachsen. Das Didaktische Zentrum (diz) der Universität ist dabei der zentrale Ort für die Entwicklung und Organisation der Oldenburger Lehrerbildung. Mit seinen Aktivitäten und Kooperationen in den Phasen der Lehrerbildung an der Hochschule, im Refe­ren­dariat und in der Fortbildung ist das diz auf dem Weg zu einem phasen­übergreifenden Zentrum für lebenslange Lehrerbildung. Aus dieser Position heraus haben diz-Rat und diz-Direktorium die folgende Perspektive auf die Oldenburger Lehrerbildung heute und in Zukunft entwickelt:

Kern der Lehrerbildung

Die Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern in Oldenburg hat eine lange Tradition, die 1793 mit der Einrichtung eines Lehrerseminars begann. Heute werden ca. 40 % der Studierenden an der Carl von Ossietzky Universität zur Lehrerin oder zum Lehrer für Grundschulen, Haupt- und Realschulen, für Gymnasien, Gesamtschulen und Förderschulen oder für berufsbildende Schulen ausgebil­det. Seit 2004 geschieht dies in den Studienstrukturen des Zwei-Fächer-Bache­lor und des Master of Education.

Die Oldenburger Lehrerbildung zielt heute auf einen nachhaltigen Kompetenz­erwerb bei Lehramtsstudierenden und orientiert sich dabei an den KMK-Standards für die Lehrerbildung, was zu einer kontinuierlichen inhaltlichen Ausgestaltung und Weiterentwicklung der Lehrerbildung führt. Lehrerinnen und Lehrer sollen den vielfältigen Aufgaben in der Schule und den sich wandelnden gesellschaftlichen Herausforderungen gewachsen sein. Dazu bedarf es der Herausbildung und Stützung einer kritischen Persönlichkeit ebenso wie der Orientierung an theoriegeleiteter Praxis und Forschung. Dies gelingt durch eine qualitativ hochwertige Lehre, die fachwissen­schaftliche, fachdidaktische, erziehungswissenschaftliche und unterrichtspraktische Studienanteile eng miteinander verzahnt.

Lernen und Bildung

Die Schule ist ein wichtiger Ort der Erfahrung, des Lernens und der Entwick­lung der Persönlichkeit von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen. In der Schule werden die Fähigkeit und die Bereitschaft erworben, lebenslang zu lernen und im gesellschaftlichen und im beruflichen Zusammenhang sachge­recht, selbstbestimmt, kreativ und sozialverantwortlich zu handeln. Schule ist somit weiterhin der zentrale Ort, an dem Bildung geschieht. Die Oldenburger Lehrerbildung will künftige Lehrerinnen und Lehrer auf die professionell-personale Begegnung zwischen Lehrkräften und Schülerinnen und Schülern und weitergehende Bildungsprozesse in der Schule fundiert vorbereiten. Sie will die Reflexions-, Diskurs- und Urteilsfähigkeit angehender Lehrerinnen und Lehrer fördern und sie für die Prozesse der eigenen professionellen Entwicklung und der Verände­rungen in Schulen sensibilisieren.

Lernen bedeutet den Aufbau von Wissen und die Entwicklung von Kompeten­zen und geschieht in einem aktiven und vom Lernenden selbstgesteuerten Prozess. Somit ist Lehren als Gestaltung von Lernumgebungen zu verstehen, die Lernende an ihr Vorwissen anknüpfen lassen, um neue Kompetenzen zu entwickeln und neues Wissen zu erschließen. Angehende Lehrerinnen und Lehrer werden deshalb darin unterstützt, ihren Unterricht Lernerorientiert zu denken und zu konzipieren. Dementsprechend erleben sie ihre eigene Ausbil­dung als ein System abgestimmt differenzierter und individualisierter Lernan­gebote, die sie bedarfsgerecht im professionellen Entwicklungsprozess nutzen können.

Forschungsbasierte und praxisorientierte Lehrerbildung

Theoriegeleitet, praxisnah und auf der Grundlage bildungswissenschaftlicher Erkenntnisse vernetzen die Oldenburger Lehramtsstudiengänge fachwissen­schaftliche mit fachdidaktischen Studieninhalten.

Die Fachwissenschaften vermitteln die für das Lernen und Lehren an Schulen und außerschulischen Lernorten notwendigen fachlichen Studieninhalte und geben aktuelle Ein­blicke in die Fachdisziplinen. Die Fachdidaktiken bilden die Brücke zwischen den Fachinhalten und den Prozessen des Lernens und Lehrens im Fachunterricht. Ihre zentrale Aufgabe ist es, zu fachdidaktischem Denken anzuleiten und die Kompetenz zu fördern, es in situationsgerechtes fachdidak­ti­sches Handeln umzusetzen.

Dies geht Hand in Hand mit den Zielen des bildungswissenschaftlichen Anteils der Lehrerbildung, der psychologische, pädagogische und überfachliche Kom­pe­tenzen für den Berufsalltag von Lehrkräften vermittelt.

Die Oldenburger Lehrerbildung ist gekennzeichnet durch die stetige Weiterent­wicklung dieser Anteile. Wesentliche Motoren dafür sind fachdidaktische, bildungs- und fachwissenschaftliche Forschung und ihre Umsetzung in der Lehre. Die systematische und frühe Vermittlung von Forschungsergebnissen aus Theorie, Empirie und Praxis in den Studienmodulen und die durchgängig enge Verknüpfung von Forschung und Praxis stellen wesentliche Qualitäts­merk­male dar:

  • Bachelor- und Masterarbeiten sind regelmäßig in Forschungsprojekte einge­bunden, in denen auch erfahrene Lehrkräfte mitwirken. Studierende werden dadurch zu Partnern im Forschungsprozess, die eigenständig Forschungs­methoden anwenden. Die Verknüpfung von Modulen mit Forschungspro­jek­ten gestattet es den angehenden Lehrerinnen und Lehrern, eine forschende Perspektive einzunehmen und Reflexionskompetenz aufzubauen.
  • Koordinierte Drittmittelprojekte und Promotionsprogramme unterstützen Absolventinnen und Absolventen des Master of Education, sich weiterzu­qua­lifizieren. Sie weisen strukturierte Ausbildungsprogramme auf und bieten vielfältige internationale Verbindungen. Absolventen dieser Programme bringen fachdidaktische und bildungswissenschaftliche Kompetenz in die Schulpraxis ein oder stellen den wissenschaftlichen Nachwuchs.
  • Auch die Fortbildung als das komplettierende Element einer lebenslangen Lehrerbildung geht sowohl von Forschungs- als auch von Praxisfragen aus. Denn nur der wechselseitige Bezug von Forschungsergebnissen und Praxis­erfahrungen führt zu einer nachhaltigen Fortbildung und damit zur Qualitätsentwicklung in der Schulpraxis.
  • Prozesse der Lehrerbildung selbst werden verstärkt zum Gegenstand von Forschung. Konzepte der Professionalität von Lehrkräften und Prozesse der Professionalisierung werden theoretisch und empirisch untersucht und weiter­entwickelt. Bei der Initiierung und Koordinierung fachübergreifender und interdisziplinärer Lehr-Lern-Forschung und der Forschung in der Lehrer­bildung übernimmt das Didaktische Zentrum eine zentrale Rolle.
  • Eine theoriegeleitete Praxisausbildung in Zusammenarbeit mit Schulen aller Schularten qualifiziert die Studierenden für den Berufseinstieg in der zwei­ten Phase der Lehrerbildung. In der Begegnung mit Schülerin­nen und Schülern dient unterrichtspraktische Ausbildung der Förderung von professionell-personaler Kompetenz und Reflexion der eigenen Lehrerrolle.

Lehrerbildung als lebenslanger Lernprozess

Die Oldenburger Lehrerbildung ist durch die Vernetzung der Ausbildungspha­sen geprägt. Gemeinsame Module für Studierende und Anwärter oder Referendare werden möglich. Die Vernetzung mit der dritten Phase findet im Rahmen der universi­tär verantworteten Lehrerfortbildung statt, die vom Oldenburger Fortbildungszentrum (OFZ) organisiert und durchgeführt wird. Zudem bringen mitwirkende Lehr­kräfte ihr Praxiswissen in die Ausbildungsmodule der ersten Ausbildungsphase ein. Durch ihre Einbindung in aktuelle Forschung entwickeln sie die Praxis ihres Unterrichts weiter. Diese Vernetzungsprozesse tragen wesentlich zur Qualität der Oldenburger Lehrerbildung bei und werden vom diz als phasenübergreifendem Zentrum für lebenslange Lehrerbildung unterstützt und moderiert.

Die Oldenburger Lehrerbildung versteht sich als dynamisches Netzwerk von Angeboten, das flexibel auch auf kurzfristige Entwicklungen im Bildungssystem reagiert und gleichermaßen für verlässliche Ausbildungsstandards sorgt.