Didaktisches Zentrum

Professionsforschung im Bereich Lehrerfortbildung

Veränderungsprozesse der Handlungsstrukturen und Unterrichtsreflexionen von Lehrkräften in mittelfristigen Fortbildungen

Einführung

Angeregt durch die internationalen Schulvergleichsuntersuchungen TIMSS, PISA und IGLU hat die empirische Schul- und Unterrichtsforschung im vergangenen Jahrzehnt einen großen Aufschwung erlebt. Fragen der Ausbildung und Professionalisierung von Lehrkräften indessen werden erst seit kurzem thematisiert. Im Zentrum steht hierbei vor allem die erste Phase der universitären Lehrerbildung (Zlatkin-Troitschanskaia et al. 2009). Forschungsergebnisse zur Qualität von Bildungsangeboten im System der Lehrerfort- und -weiterbildung oder zur Wirksamkeit von Fortbildungsmaßnahmen liegen nur in geringem Umfang vor. Fragen nach Qualitätsmerkmalen von Fortbildungsmaßnahmen vor dem Hintergrund unterschiedlicher Zielsetzungen und Formate oder gar ihren Wirksamkeiten im Hinblick auf Veränderungen von Handlungen und Überzeugungen der Lehrkräfte sind bislang zufriedenstellend bearbeitet worden. Ansatzpunkte hierfür bieten die Merkmale für potenziell wirksame Professionalisierungsmaßnahmen (Altrichter & Eder 2004, Lipowski 2004, Neuweg 2011, Lipowsky et al. 2012). Zudem betonen Forschungsergebnisse, dass entsprechende Fortbildungsmaßnahmen Aspekte beinhalten müssen, die die Motivation der Lehrkräfte steigern, Fortbildungsinhalte zu adaptieren und im Unterrichtsalltag zu nutzen (Shepard et al. 2005, Randi & Corno 2007). In Bezug auf den Inhaltsbereich des Diagnostizierens in der Lehrerfortbildung wird gefordert, an die Alltagsdiagnostik anzuknüpfen und diese durch eine theoriegeleitete Präzisierung der zu erfassenden Begriffe und Merkmale wie auch der Messmethoden und einer Verifizierung der diagnostischen Aussagen und Entscheidungen zu verbessern (vgl. Stelzl & Tent 1993, Hesse & Latzko 2011, Hesse in Druck).

WissenschaftlerInnen [Link zu den Projektpartnern] der Universitäten Oldenburg und Göttingen entwickeln aktuell ein Projekt, in dem untersucht werden soll, wie LehrerInnen im Rahmen von Fortbildungen zum Schwerpunktthema Diagnose & Förderung bei der Erweiterung ihres fachlichen, fachdidaktischen oder pädagogischen Wissens und Könnens so angesprochen und unterstützt werden, dass sie die Bereitschaft entwickeln, sich auf neue Inhalte und Praktiken einzulassen. Hier gilt es insbesondere, geeignete Aufgabengestaltungen zu entwickeln und wirksame Zugänge und Reflexionsanlässe zu identifizieren, um Lehrkräfte zur bewussten Wahrnehmung von Handlungsroutinen zu sensibilisieren und den Aufbau veränderter Routinen anzuregen wie auch zu begleiten.

Zielsetzung

Die Untersuchung der Gelingensfaktoren einer auf mittlere Dauer angelegten Begleitung von Lehrkräften hat das Ziel, Erkenntnisse über ihre (professionellen) Lernprozesse in Fortbildungen und über die Wirksamkeit von inhaltlich-methodischen Gestaltungsmerkmalen der Diagnostik und Förderung zu gewinnen.

Durch die Thematisierung und Veranschaulichung diagnostischer Inhalte und Instrumente sollen Lehrkräfte professionelles Wissen aufbauen, sich Handlungsroutinen im unterrichtspraktischen Diagnostizieren bewusst machen und Routinen kritisch hinterfragen oder auch nachhaltig verändern.